Test Two Point Hospital: Ich will nicht geheilt werden

von Victoria Scholz (07. Mai 2019)

Two Point Hospital ist eine moderne und aufgehübschte Version von Theme Hospital. Die Krankenhaussimulation hat nichts an ihrem Reiz von damals verloren. Das Spiel macht süchtig – so süchtig, dass ich, während ich diesen Test schreibe, nur daran denken kann, wie ich mein Krankenhaus optimieren kann.

Warum studieren Menschen so lange Medizin und stürzen sich dabei in Schulden, wenn doch jeder weiß, dass aufgeblähte Köpfe einfach nur mit einer Nadel behandelt werden müssen und es Krankheiten mit dem Namen „Heiße Rippchen“ wirklich gibt? Seit meinem zehnten Lebensjahr sind mir diese Dinge bekannt – dank Theme Hospital. Und mit Two Point Hospital mache ich nicht nur eine abgedrehte Zeitreise, sondern frische auch noch mein Medizinwissen auf. Ganz praktisch eigentlich.

Krankheit: Two Point Hospital – Das sind die Symptome

Kurz nachdem ihr das Spiel zum ersten Mal gestartet habt, werdet ihr merken, wie euer Fuß langsam im Rhythmus der eingängigen Hintergrundmusik wippt. So beginnt die Sucht nach Two Point Hospital. Euch werden die ersten spielerischen Elemente erklärt; ihr dürft auch direkt bauen. Zuerst ist es nur eine Empfangsstation, danach schon ein Allgemeinmedizinzimmer, dann eine Apotheke. Bald verlangt das Spiel (und die Patienten) aber nach mehr – immer mehr Zimmer müsst ihr erforschen oder anderweitig freischalten. Damit nimmt die Krankheit schlussendlich ihren Lauf.

Dieser Patient hat zu lange auf seine Behandlung warten müssen. Jetzt wird er eingesaugt.Dieser Patient hat zu lange auf seine Behandlung warten müssen. Jetzt wird er eingesaugt.

Eure Ärzte entdecken immer mehr Krankheiten, die in verschiedenen Räumen geheilt werden müssen. Mein Favorit ist bisher die Rock-and-Rollitis, bei der kleine Elvis-Männchen durch das Krankenhaus grooven. Beim Narzissmus werden Clowns zur Heilung in den Deprimator geschickt. Das Spiel erklärt: „Damit den Menschen ein Leben nach dem Zirkus ermöglicht werden kann.“ Aber gibt es ein Leben nach Two Point Hospital?

Ihr werdet schnell Sympathie mit eurem Personal und den Patienten aufbauen. Ihr befördert eure Mitarbeiter, bildet sie weiter und setzt sie an den richtigen Positionen ein. Die Patienten werdet ihr nach Dringlichkeit sortieren – oder auch nicht. Sterben sie irgendwann, fliegen sie als Geister durch eure Hallen, bis ein Hausmeister kommt und sie mit einem Handstaubsauger einsaugt.

Der Krankheitsverlauf: Bauen, Abwarten, Verbessern

Es gibt so viele gute Spiele, bei denen ihr einfach vergesst, wie spät es ist. Two Point Hospital ist eins davon. Denn im Verlauf eurer Sucht werdet ihr schnell merken, wie ihr nur noch dieses eine Zimmer bauen oder diesen einen Mitarbeiter ausbilden wolltet – und zack! Schon ist es früh um vier.

Im Trailer könnt ihr euch schon mal einen guten Eindruck von Two Point Hospital verschaffen:

Während der "Two Point Hospital"-Sucht werdet ihr euch immer wieder das Ziel vor Augen halten: eine 3-Sterne-Bewertung des jeweiligen Krankenhauses. Habt ihr das aber erreicht, dürft ihr auch schon das nächste Gebäude managen. Und an diesem nächsten Ort kommen neue Funktionen wie Forschung, Marketing oder Weiterbildung hinzu, was bedeutet, dass ihr wieder all eure alten Krankenhäuser besuchen und die neu erworbenen Funktionen anwenden dürft.

Ihr merkt also: Es gibt kein Ende in Two Point Hospital. Okay, doch. Es gibt ein Ende. Nach zahlreichen Krankenhäusern ist Schluss. Bisher gibt es nämlich noch keinen Sandbox-Modus. Sollte der aber nachgereicht werden, sind wir alle verloren.

Die Heilung (oder lat. auch „Fazit“)

Mit Two Point Hospital bin ich wieder zehn und habe jede schöne Minute in meinem Kopf, in der ich Theme Hospital gespielt habe. Wollt ihr beide Spiele miteinander vergleichen, wird euch auffallen, dass der bissige Humor hier jedoch fehlt.

Ein weiterer Kritikpunkt kommt aus der Community. Two Point Hospital kam zum Release mit dem Kopierschutz Denuvo auf euren PC. Aber sechs Tage nach der Veröffentlichung des Spiels kündigten die Entwickler an, den Kopierschutz zu entfernen.

Meinung von Victoria Scholz

Was genau macht mich so süchtig nach Two Point Hospital? Ist es die niedliche Grafik und die süß animierten Personen, die ich mir gern nah rangezoomt ansehe? Ist es die Ansagerin, die über wichtige Ereignisse im Krankenhaus informiert? Ist es das Two Point Radio mit einem phlegmatischen Radiomoderator und aberwitziger Radiowerbung für richtig sinnlose Produkte?

Oder ist es die intuitive Steuerung, mit der ich Räume schnell und einfach erstellen kann? Tja, ich weiß es nicht. Ist aber auch nicht so schlimm. Denn wüsste ich, was genau mich süchtig nach Two Point Hospital macht, hätte ich auch die Chance auf Heilung. Das will ich aber beim besten Willen nicht.

Die Grafik ist niedlich. Die kleinen Männchen haben sogar viele Animationen, die ihr beim Heranzoomen entdecken könnt. Der Soundtrack hat Ohrwurm-Potenzial. Es kommt aber nicht nur Musik. Nach einigen Liedern spricht ein Moderator und geht auf Ereignisse im Krankenhausalltag ein oder es werden witzige Werbespots abgespielt. Das alles ist aber nur auf Englisch verfügbar. Es gibt keine deutsche Synchronisation.

Mit jedem Krankenhaus lernt ihr neue Features. Habt ihr die 3-Sterne-Bewertung eines Gebäudes erreicht, könnt ihr entweder endlos weiterspielen oder euch ein neues Krankenhaus vornehmen. Mitarbeiter brauchen Weiterbildungen, Beförderungen und vor allem Pausen. Sie haben auch Eigenschaften, die sie als Arbeiter definieren.

Es gibt keinen „echten“ Multiplayer. In Online-Herausforderungen könnt ihr gegen Freunde oder eine KI spielen. Wer am meisten Geld auf dem Konto oder mehr Patienten geheilt hat, gewinnt.

87 Spieletipps-Award

meint: Two Point Hospital macht süchtig und es gibt keine Heilung dafür. Das ist aber auch gut so.

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