Vorschau The Surge 2: Die Fehler des Vorgängers sollen ausgemerzt werden

von Franziska Behner (16. April 2019)

The Surge 2 vom deutschen Entwickler Deck 13 lässt euch wirklich viele Möglichkeiten, um einen Kampf zu gewinnen. Blind draufhauen und das Beste hoffen ist allerdings keine gute Idee. Wir haben das Sci-Fi-Abenteuer angespielt und verraten euch, auf welche Herausforderungen ihr vorbereitet sein solltet.

Bereits der erste Teil The Surge wurde oft mit Soulslike-Spielen verglichen, da er einfach bockschwer ist. Im Interview mit dem Lead Game Designer Jan Klose haben wir erfahren, dass der Schwierigkeitsgrad für die Spieler einfach zu hoch war. So fanden viele zwar einen guten Einstieg, scheiterten dann aber an Bossen und verloren die Geduld, sowie die Lust daran, weiterzuspielen. An genau diesem Punkt setzen die kreativen Köpfe hinter dem Sci-Fi-Abenteuer an und machen mit The Surge 2 ein Spiel, das immer noch verdammt schwer, aber machbar ist.

Ihr startet als völlig ahnungsloser Protagonist irgendwo im Nirgendwo nach einem Flugzeugabsturz. Dieser Aspekt erlaubt es auch Neulingen der Spieleserie einen problemlosen Einstieg, denn jegliches Vorwissen ist zwar nett, aber nicht nötig. In Jericho City ist Furchtbares vorgefallen, und um den Rest der Welt davor zu schützen, wurde eine Mauer um die Stadt, sowie alle dazugehörigen Gebiete gebaut. Ein Entkommen ist undenkbar, also müsst ihr euch die nächstbeste Waffe schnappen und einfach mal schauen, was es hier zu entdecken gibt.

Planen, anvisieren, siegen!

Im Mittelpunkt der Kämpfe, die dieses Mal in der Stadt und einem angrenzenden Park stattfinden, steht das "Body Part"-System. Nur wenn ihr versteht, wie das Abtrennen der einzelnen Körperteile der jeweiligen Gegner funktioniert, werdet ihr in dieser technologischen Dystopie überleben.

Körperteile gezielt abtrennen ist der Schlüsse zum Erfolg!Körperteile gezielt abtrennen ist der Schlüsse zum Erfolg!

Es wäre ja langweilig, wenn ihr im Spiel einfach zu einem Händler gehen könntet, um Rüstungen und neue Waffen zu besorgen. Damit ihr euch für einen Boss mit neuer Ausrüstung schmücken könnt, müsst ihr selbst Hand anlegen. Schlagt kleineren Gegnern die Brust aus dem Leib, um sie selbst als Panzerung zu verwenden. Klingt brutal – ist es auch.

Visiert ihr einen gegnerischen Soldaten an, habt ihr immer die Möglichkeit selbst zu entscheiden, welchen Teil seines Körpers ihr angreifen wollt. Dabei unterscheiden sich zwei grundlegende Dinge: Blaue Markierungen, um den Gegner mit harten Schlägen einfach zu besiegen und gelbe Markierungen für einen präziseren Schlag. Fehlt es euch also an bestimmtem Equipment, seid ihr gut damit beraten, die nächsten Gegner an den entsprechenden Stellen zu attackieren. Einer von ihnen könnte exakt das haben, was ihr benötigt. An einer Art Crafting-Maschine bastelt ihr euch daraus dann das entsprechende Rüstungsteil.

Die KI der Gegner ist, so weit sich das im gespielten Demo-Level beurteilen lässt, nicht dumm. Sie erkennen euch im Grünen, greifen im Doppelpack an und weichen euren Angriffen aus, während ein in der Nähe stehender Feind euch als deren Support in den Rücken schießt.

So sieht The Surge 2 in Aktion aus:

Während ihr im hohen Gras noch sichtbar für sie seid, verschwinden einige Gegner im Dickicht und werden unsichtbar. Ganz schön unfair, aber wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr Bewegungen der einzelnen Grashalme. Das ist eure Chance einen Präventivschlag auszuführen. Mit einem beherzten Stoß den Abhang hinab oder mit einem Angriff von oben rechnen die Feinde oftmals nicht – die Überraschung ist manchmal eure beste Chance. Passt nur auf, dass ihr nicht an einem Kieselstein oder zwischen zwei Bäumen feststeckt. Unsichtbare Hürden und Mauern erschweren beim Spielen das Durchstreifen des Waldes, hier müssen die Level-Designer unbedingt noch einmal ran.

Nehmt euch, was ihr kriegen könnt

Irgendwie lässt sich aus fast allem Loot etwas Brauchbares herstellen. Die gefundene Währung nutzt ihr für Upgrades und Verbesserungen, abgetrennte Körperteile werden zu Rüstung und neuen Geschossen für eure Drohne. Damit ihr den technischen Gestalten in Jericho City nicht allein gegenüberstehen müsst, habt ihr nämlich einen fliegenden Freund dabei.

Für eine so exotische Rüstung werdet ihr sicher viel Loot zusammentragen müssen.Für eine so exotische Rüstung werdet ihr sicher viel Loot zusammentragen müssen.

Im Laufe des Spiels erhaltet ihr für diese Drohne neue Angriffe, die von Feuerkraft bis zu hilfreichen Scans ganz verschiedene Formen annehmen kann. Das ist wörtlich gemeint. Habt ihr dank des "Body Part"-Systems einer Statue den Kopf abgeschlagen, so ist sogar der zu etwas zu gebrauchen. Hat der Feind vor wenigen Minuten noch mit dem Laserstrahl genervt, so dreht ihr jetzt den Spieß um. Nun fliegt der Kopf als eure Drohne durch die Gegend und ballerst selbst mit dem tödlichen Laser. Cool!

Apropos Loot: Den verliert ihr, sobald euer Charakter zu Boden geht. Nach dem Respawn läuft am linken, oberen Bildschirmrand ein Timer. Er lässt sich verlängern, indem ihr Gegner auf dem Weg zum Ort eures Ablebens besiegt. Jedoch solltet ihr euch nicht zu lange Zeit lassen, sonst ist euer Geld für immer weg. Body Parts hingegen kann euch niemand mehr wegnehmen.

Ein bisschen Soulslike im Sci-Fi-Gewand

Wer Dark Souls gespielt hat, ist sicherlich die Steuerung gewöhnt. Während ihr bei vielen Games die Front-Knöpfe für schwere und leichte Angriffe nutzt, sind hier die Schultertasten eure besten Freunde. Entweder, es fühlt sich völlig natürlich für euch an, weil ihr solche Games öfter zockt, oder ihr braucht eine Weile, um euch daran zu gewöhnen.

Was ihr euch ebenfalls gut einprägen solltet, ist auf dem Controller der B-Knopf/Kreis, um die Heilung zu starten. Dafür benötigt ihr keine Items, die euch schlimmstenfalls in einem harten Kampf ausgehen, sondern nur ordentlich Schlagkraft. Unter der Lebensanzeige befindet sich ein Balken, der sich während des Kampfes langsam füllt. Opfert ein Stück dieser Leiste, um eure Energie aufzufüllen. Sie wird außerdem für den Spezialangriff verwendet, der den anvisierten Body Part abtrennt.

Ungeahnter Adrenalinausstoß

Erinnert ihr euch an die erste Passage dieses Artikels, in dem von einem verdammt schweren Spiel gesprochen wird, das aber machbar sein soll? In den ersten 20 Minuten der Preview-Session sah das gar nicht danach aus. Schon die ersten beiden Gegner haben immer wieder hart zugeschlagen und unseren Charakter in die Knie gezwungen. Ein Blick nach links und rechts bestätigte das Gefühl, hier ein wirklich anspruchsvolles Game vorliegen zu haben, denn auch die Kollegen hatten es nicht leichter.

Wenn der schier unbezwingbar wirkende Gegner endlich in die Knie geht, fühlt sich das grandios an!Wenn der schier unbezwingbar wirkende Gegner endlich in die Knie geht, fühlt sich das grandios an!

Doch kaum hatten wir den ersten Feind besiegt und von ihm ein nützliches Accessoire bekommen, hat uns der Ehrgeiz gepackt. Das muss doch irgendwie zu schaffen sein! Nach dem gescheiterten Versuch, einfach an allen Minigegnern vorbeizurennen und direkt den Boss herauszufordern, gingen wir es dann etwas langsamer an.

Jeder Schritt und jeder Schlag wurden präzise geplant. Und siehe da – das funktioniert! Blind drauf einschlagen ist tatsächlich nur selten eine gute Idee in The Surge 2. Habt ihr aber erstmal verstanden, wie das "Body Part"-System funktioniert und hört auf, wie wild die Knöpfe zu drücken, gehört der Sieg schon bald euch. Gut 20 Prozent aller Vorabtester haben die Demo durchgespielt – uns eingeschlossen. Dieser Adrenalinkick, wenn der schier unbesiegbare Feind endlich zu Boden geht, ist einfach Gold wert.

Meinung von Franziska Behner

Als 2019 als Releasejahr für The Surge 2 genannt wurde, entschlüpfte mir ein kleiner Seufzer: Noch so ein verdammt schweres Spiel in diesem Jahr? Gerade mit so einem gut bewerteten Soulslike-Spiel wie Sekiro - Shadows Die Twice vor der Nase haben es Genrevertreter schwer, wenn sie nicht ein vergleichbar hohes Niveau und Spielspaß bieten können. Obwohl Bloodborne und Co. über ein ähnliches Gameplay verfügen, empfinde ich The Surge 2 irgendwie als „anders“.

Vielleicht liegt es daran, dass ich im Privaten bei dieser Art Spiel eher versage und beim zehnten Tod den Controller in die Ecke knalle, beim zwanzigsten Mal dann einfach aufgebe. Das Bewegungs- und Angriffsmuster eines Gegners auswendig lernen und verstehen? Puh ... das ist schon echt anstrengend. Komischerweise hatte ich dieses Gefühl bei The Surge 2 während der Anspiel-Session nicht.

Immer wieder musste ich an der gleichen Stelle starten, denn schon die ersten beiden Gegner machten mich immer wieder platt. Trotzdem verlor ich nicht den Mut, habe ihre Wege verfolgt und sie letztlich ausgeschaltet – eben weil ich mich mit ihren Verhaltensmustern beschäftigt habe. Mit neuer Ausrüstung ließ sich der nachfolgende Gegner dann viel leichter töten – welch Euphorie!

Was ich damit eigentlich sagen wollte: Normalerweise gibt es ein bestimmtes Spielerprofil für diese Art Games, zu denen mein privates Zocker-Ich leider nicht gehört. Trotzdem habe ich es versucht, die Demo sogar geschafft und mich den Rest des Tages wie eine Königin gefühlt. Vielleicht sollten wir also alle mal aus unserer Komfortzone herauskommen und Neues probieren. Vielleicht überrascht es euch ja ebenso wie mich ganz positiv.

Tags: Science-Fiction  

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