Unterm Radar: Dragon's Dogma ist das Rollenspiel, von dem ihr nicht wusstet, dass ihr es braucht

(Kolumne)

von René Wiesenthal (22. April 2019)

Der Switch-Release von Dragon’s Dogma könnte wegen der eher geringen Bekanntheit des Spiels von einigen mit Achselzucken quittiert werden. Das hätte das Spiel aber keineswegs verdient. Noch schlimmer: Wenn ihr die Chance nicht nutzt, es endlich kennenzulernen, entgeht euch ein echter Rollenspielgeheimtipp.

Dragon's Dogma könnte euer neuer Rollenspielgeheimtipp werden.Dragon's Dogma könnte euer neuer Rollenspielgeheimtipp werden.

In dieser Reihe möchten wir euch Spiele zeigen, die im Trubel um die großen Triple-A-Spiele gerne mal untergehen. Von kleineren Indie-Spielen zu Produktionen der großen Publisher, die einfach nicht die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdient hätten. Wir wollen euch hier besondere Spiele empfehlen, die es nie auf eine Titelseite geschafft haben. Hoffentlich gefallen sie euch genauso wie uns.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Eine große, frei begehbare Spielwelt in einem Fantasy-Szenario, ein Held, der mit Magie und mittelalterlichen Waffen Drachen und anderen Fabelwesen das Fell über die Ohren zieht – das klingt für eingefleischte Gamer sicher alles nicht gerade einzigartig. Im Jahr 2012 hat Capcom mit Dragon’s Dogma ein Spiel mit ebendiesen Zutaten geschaffen, das dennoch aus der Masse an vergleichbaren Spielen hervorsticht. Oder ist es eher darin untergegangen?

Denn so großer Ruhm wie beispielsweise Mass Effect 3, das im selben Jahr erschien, war Dragon’s Dogma nicht vergönnt. Am 23. April 2019 erscheint mit Dragon’s Dogma – Dark Arisen eine Neuauflage der erweiterten Fassung von Capcoms Geheimtipp für Nintendo Switch. Ich sage euch, warum ich denke, dass ihr diese Gelegenheit nutzen solltet und Dragon’s Dogma nicht nur Insidern vorbehalten sein sollte.

Closed World

Ich habe eingangs bewusst nicht von einer frei begehbaren Open World gesprochen. Denn diese Bezeichnung ist für die Spielwelt von Dragon’s Dogma nicht passend. Das heißt aber nichts Schlechtes: Viele Spieler – inklusive mir – sind mittlerweile übersättigt von riesigen, offenen Spielwelten, die einem zwar ein großes Maß an Bewegungsfreiheit einräumen, jedoch oftmals verfehlen, die Erkundungstouren spannend und abwechslungsreich zu halten.

Dragon’s Dogma ist dahingegen, wenn man so möchte, erfrischend altmodisch. Und toll designt. Die große Welt ist nahezu wie eine ringförmige Strecke gestaltet, so dass die Wegführung zum nächsten Ziel oder zur nächsten Sehenswürdigkeit jederzeit klar bleibt und ihr euch kaum verirren könnt. Gleichzeitig zeigt euch die Welt nicht ständig strenge Begrenzungen auf. Je weiter ihr fortschreitet, desto weitläufiger werden auch einzelne Areale, die ihr betretet. Wer also zwischen Story-Missionen auf Forschungstour gehen möchte, dem öffnet sich dafür einiges an Raum.

Das Moment der Überraschung

Ebenso erfrischend ist die häufige Begegnung mit dem Unerwarteten. Ich kann mich noch an so viele Momente erinnern, in denen ich mich gefragt habe, ob ich gerade in ein Skript getappt bin oder doch in eine zufällige Situation.

In der Welt von Dragon's Dogma werdet ihr so manche Überraschung erleben.In der Welt von Dragon's Dogma werdet ihr so manche Überraschung erleben.

So zum Beispiel Aufeinandertreffen mit gefährlichen Wesen, die die Lande und Lüfte von Dragon’s Dogma bewohnen und den Spieler schon mal unvermittelt attackieren können. Mehr als einmal bin ich respektvoll zusammengezuckt, wenn ich im Wald in eine Chimäre gestolpert bin oder vor den Toren der Stadt von einem Greifen im Sturzflug überrascht wurde. Spätestens, wenn euch das erste Mal ein wilder Drache über den Weg läuft, geht euch ordentlich die Muffe.

Kämpfen, wie’s das Herz begehrt

So groß wie die Monster in Dragon’s Dogma werden können, so mächtig sind sie mitunter auch. Aber auch das imposanteste Ungetüm lässt sich dank des zugänglichen und variantenreichen Kampfsystems mit der nötigen Ausdauer bezwingen. Das ist wohl der Aspekt des Spiels, der es für mich beim mehr als soliden Unterbau aus der Masse hat hervorstechen lassen: Das Kämpfen.

Die Kämpfe sind ein besonderes Highlight von Dragon's Dogma.Die Kämpfe sind ein besonderes Highlight von Dragon's Dogma.

Mit mal flinken und mal eher behäbigen Nah- und Fernangriffen stehen auch vielseitige Möglichkeiten zur Verfügung, Gegnern das Licht auszuknipsen. Die erwähnten größeren Monster müsst ihr nicht selten erklettern, um gezielt ihre Schwachstellen zu bearbeiten. Eure selbst erstellbare Figur lässt sich dynamisch, auch mit Sprüngen, Blocks, Spezialfähigkeiten und Wurfattacken, über das Schlachtfeld bewegen und im Kampfstil wunderbar den eigenen Wünschen entsprechend anpassen. Treffer werden mit ansprechenden Animationen und kurzen Zeitlupeneffekten belohnt, was ein sehr befriedigendes Feedback darstellt und zumindest mich immer wieder heiß auf die nächste Konfrontation gemacht hat.

Durch all diesen Variantenreichtum ergibt sich eine tolle Dynamik in den Kämpfen, dank der ihr auch augenscheinlich überlegene Gegner mit genügend Raffinesse zu Boden bringen könnt. Eine besondere Augen- und Ohrenweide sind dabei magische Angriffe. Diese bedürfen teils - je nachdem, wie mächtig sie sind - einer längeren Vorbereitungszeit, doch treten danach umso brachialer und wirkungsvoller in Erscheinung. Seht selbst:

(Quelle: YouTube, FluffyQuack)

Unterstützend begleiten euch auf Reisen und in Kämpfen die so genannten Vasallen, von denen ihr zwei aus einem großen, sich stetig verändernden Pool rekrutieren könnt. Euren Leibvasellen gestaltet ihr sogar selbst, wodurch ihr mit der Zeit eine besondere Bindung zu ihm aufbaut, während ihr gemeinsam allen Beschwerlichkeiten trotzt.

Zur Story des Spiels möchte ich euch an dieser Stelle gar nichts verraten, weil sie ebenso wie die Spielwelt voller Überraschungen steckt und euch schon die Introsequenz erstaunen kann, wenn ihr noch gar nichts übers Spiel wisst.

In der Welt von Dragon’s Dogma könnt ihr euch viel schöne Stunden vertreiben. Für einen einzigen Durchlauf der Haupthandlung könnt ihr bis zu 40 einplanen. Wer sich gern ausgiebig mit Geheimnissen und Neben-Quests beschäftigt, erreicht auch die "60 Stunden"-Marke problemlos.

Das Spiel mag nicht perfekt sein, aber auf Schwächen möchte ich in diesem Beitrag bewusst nicht eingehen, da es mich nach dem Beenden mit ausschließlich positiven Gefühlen zurückgelassen hat und ich es euch wärmstens empfehlen möchte. Wenn euch meine Eindrücke überzeugt haben, dann macht euch doch bald selbst ein Bild und schreibt uns anschließend, ob ihr die Einschätzung teilt und Dragon’s Dogma für euch ein echter Geheimtipp ist! Wir freuen uns, eure Kommentare zu lesen.

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Tags: Unterm Radar   Remake  

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