Test Mortal Kombat 11: Es wird wieder blutig - und manchmal frustig

von Manuel Karner (23. April 2019)

Mortal Kombat 11 erscheint in Deutschland und zwar ungeschnitten. Fans des brutalen Prügelspiels werden damit vermutlich ohnehin sofort zuschlagen, doch auch Neulinge dürfen gerne mal einen Blick riskieren. Zumindest wenn sie grotesk übertriebener Gewalt nicht abgeneigt sind und einiges an Frustresistenz mitbringen, wie unser Test zeigt.

Mortal Kombat ist zurück und zwar mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Modi, die euch lange bei der Stange halten sollten. Neben der Story, welche die Geschichte aus dem Vorgänger fast nahtlos fortsetzt, dürft ihr euch in einer äußerst umfangreichen Krypta dem einen oder anderen Rätsel stellen und zahlreiche Belohnungen freischalten. Daneben warten klassische Türme und Türme der Zeit darauf von euch erobert zu werden.

Wem das alles noch nicht reicht, der kann sich auch noch im Multiplayer-Modus gegen andere Spieler versuchen oder ihr schickt euer eigenes KI-Team los, um mit den Teams anderer Spieler den Boden aufzuwischen. Damit dürfte eigentlich jeder Prügelspiel-Fan ausreichend bedient sein - sollte man zumindest denken. Denn das Beat 'em Up hat auch mit kleinen Problemen hinsichtlich des Schwierigkeitsgrads zu kämpfen, die euch auf die Geduldsprobe stellen könnten. Mortal Kombat 11 ist für PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch erhältlich. Getestet haben wir NetherRealms neuestes Beat’em Up auf PS4.

Schon der Trailer zum Launch macht Lust auf mehr:

Am Anfang war die Zeit

Wer die Story von Mortal Kombat X gespielt hat, ist bestens vorbereitet. Alle anderen werden wahrscheinlich etwas verdutzt schauen, müssen sich für den weiteren Spielverlauf aber nicht unbedingt mit der Geschichte des Vorgängers auseinandersetzen. Donnergott Raiden hat mit seinem Rivalen, dem Götterältesten Shinnok, abgerechnet. Kronika, die sich als Shinnoks Mutter zu erkennen gibt, tritt auf den Plan. Sie ist mit der Zeitlinie nicht zufrieden und manipuliert diese kurzerhand, sodass sich zu den Charakteren der Gegenwart die der Vergangenheit gesellen. Dieses Aufeinandertreffen stellt ohne Zweifel eines der Highlights in der Story dar und sorgt für interessante und teils lustige Gespräche.

Sonya, Cassie Cage und Jacqui Briggs ziehen in die Schlacht.Sonya, Cassie Cage und Jacqui Briggs ziehen in die Schlacht.

Obwohl die Zeit eine große Rolle spielt, wird die Story in chronologisch richtiger Reihenfolge erzählt. Rückblenden, wie sie zuhauf in Mortal Kombat X vertreten sind, gibt es in Mortal Kombat 11 kaum. Mit ihnen wurden auch die Quicktime-Events gestrichen. Beides Änderungen, die sehr zu begrüßen sind, zumal die Geschichte so angenehmer mitverfolgt werden kann und nicht ständig von Unterbrechungen heimgesucht wird.

Abseits davon bietet der Story-Modus eine prima Gelegenheit von vielen Kämpfern einen Ersteindruck zu gewinnen und das Grafikgerüst der Unreal Engine zu bestaunen. Mimik und Gestik der Charaktere wurden glaubwürdig umgesetzt, matschige oder langsam auflösende Texturen sucht ihr ebenfalls vergeblich.

Jetzt gibt’s aufs Fressbrett

Auf den ersten Blick dürften nur wenige Änderungen, die das Kampsystem betreffen, schnell ins Auge fallen. Aber NetherRealm hat schon an einigen Schrauben gedreht, um die Prügeleien jetzt noch intensiver zu gestalten. Alle 24 Charaktere (Vorbesteller bekommen noch Shao Kahn dazu) verfügen nicht länger über unterschiedliche Kampfstile, dafür dürft ihr ihnen jetzt selbst Fähigkeiten zuweisen. Drei an der Zahl können es maximal sein, wobei manche Spezialaktionen aber auch zwei der drei Slots verschlingen.

Außerdem hat jeder Charakter ein offensives Maß, mit dem ihr Spezialaktionen verstärken könnt, und ein defensives Maß, mit dem sich Umgebungsinteraktionen ausführen und schwere Kombo-Angriffe unterbrechen lassen. Die Leisten sind am unteren Bildschirmrand vorzufinden und leeren sich, sobald ihr eine der entsprechenden Aktionen ausführt.

Der Kampf zwischen Scorpion und Shao Kahn kann beginnen.Der Kampf zwischen Scorpion und Shao Kahn kann beginnen.

Apropos Umgebungsinteraktionen: In jeder Arena gibt es oft einen oder mehrere Gegenstände, die im Hintergrund leicht hervorschimmern. So könnt ihr einen herumliegenden Speer aufsammeln, um euer Gegenüber aufzuspießen oder ihr springt auf eine Säule, um Abstand zu eurem Gegner zu gewinnen. Das ist zwar nicht neu, dafür werden die Aktionen größtenteils eindrucksvoll in Szene gesetzt und die Umgebung trägt nicht ausschließlich zur Atmosphäre bei.

Wenn ihr im Begriff seid einen Kampf zu verlieren, könnte der sogenannte Fatal Blow euch den Allerwertesten retten. Habt ihr nur noch 30 Prozent eurer ursprünglichen Lebensenergie, lässt sich per Knopfdruck ein äußerst brutaler und zugleich beeindruckender Kombo-Angriff entfesseln, der starken Einfluss auf die Gesundheit eures Kontrahenten nimmt.

In einem Fatality wischt Kabal den Boden mit seinem Widersacher auf.In einem Fatality wischt Kabal den Boden mit seinem Widersacher auf.

Ebenfalls neu sind Crushing Blows. Hierbei handelt es sich um charakterspezifische Angriffe, die durch gewisse Vorgaben ausgelöst werden und so einmalig mehr Schaden verursachen. Dabei zoomt die Kamera direkt auf den Einschlagspunkt und präsentiert per Röntgenansicht die gebrochenen Knochen des Leidtragenden.

Ist das Duell gewonnen, könnt ihr euren taumelnden Gegner mit einem Fatality das Licht ausknipsen. Mit der richtigen Tastenkombination wird euer Kontrahent so auf äußerst kreative und blutige Weise hingerichtet. Dabei werden schonmal Knochen gebrochen, Organe herausgerissen und in einem ganz speziellen Fall sogar Gehirne gefressen – Baraka lässt grüßen. Schade ist jedoch, dass jeder Charakter nur zwei verschiedene Hinrichtungen ausführen kann. So sieht man sich leider etwas zu schnell daran satt.

Türme des Frusts

Während uns der Story-Modus auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad kaum Probleme bereitete, sieht das bei den Türmen der Zeit oftmals anders aus. Hier werden eure Gegner mit Modifikationen ausgestattet, die nicht selten äußerst mächtig sind. Ein Beispiel: In einem Kampf gegen Jacqui Briggs nahm sie uns alle paar Sekunden mit Raketen unter Beschuss, ließ einen Betäubungspfeil auf uns werfen und holte sich Sonya dazu, die ihr immer wieder kurz Unterstützung leistete. Oben drauf kommt, dass unsere Kontrahentin allgemein weniger Schaden nahm als unser eigener Kämpfer.

In den Türmen der Zeit erwarten euch alle paar Stunden neue Herausforderungen.In den Türmen der Zeit erwarten euch alle paar Stunden neue Herausforderungen.

Zwar könnt ihr euch selbst ebenso mit Modifikationen ausstatten (im Spiel Turm-Verbrauchsgegenstände genannt), diese müssen jedoch während des Kampfes manuell aktiviert werden und benötigen einige Zeit, bis sie erneut eingesetzt werden können. Die gelegentliche Überfülle an gegnerischen Vorteilen sorgt nicht nur für ein übertrieben hartes Spielerlebnis, sondern auch für einen überladenen Bildschirm – eine Marter, denn so verkommt das eigentlich leistungsbasierte Kampfsystem zumindest in einigen Fällen zu einem frustrierenden Glücksspiel mit willkürlichem Tastengekloppe.

Die klassischen Türme fallen da schon angenehmer aus, bieten aber nicht ansatzweise so viele Belohnungen wie die Türme der Zeit. Hier bleibt ihr von den Modifikationen verschont und mit erfolgreicher Absolvierung eines Turms erwartet euch ein zwar knappes, aber nettes Filmchen für den jeweiligen ausgewählten Charakter.

Fleiß wird belohnt

In Mortal Kombat 11 gibt es drei verschiedene Ingame-Währungen, die in der Krypta ausgegeben werden können. Für jeden gewonnen Kampf erhaltet ihr Koins und Seelenfragmente. Beendet ihr ein Duell mit einem Fatality, gibt es auch noch ein Herz. Habt ihr von diesen Währungen genug angesammelt, zahlt sich ein Besuch bei der Krypta aus. Generell hat NetherRealm Studios hierbei ganze Arbeit geleistet, sodass ihr auch mittellos einige interessante Entdeckungen machen könnt.

In „Third Person“-Perspektive erkundet ihr die berühmtberüchtigte Insel des Hexenmeisters Shang Tsung und stoßt an allen Ecken und Enden auf Truhen, die sich gegen eine der drei Währungen öffnen lassen und verschiedene Belohnungen ausspucken. Abseits davon warten aber auch so manche Rätsel darauf gelöst und Geheimgänge darauf von euch geöffnet zu werden. Hier punktet die Krypta zusätzlich mit Geheimnissen und Informationen rund um das „Mortal Kombat“-Universum.

Die Krypta enthält viele Geheimnisse, die eine Entdeckung wert sind.Die Krypta enthält viele Geheimnisse, die eine Entdeckung wert sind.

Eine weitere große Neuerung stellt die Charakter-Anpassung dar. Wer sich beim Story-Modus oder den Türmen geschickt anstellt, wird nicht nur mit den vorhin genannten Währungen belohnt, sondern so manches Mal auch mit Skins, Ausrüstungsgegenständen oder Verstärkungen (Gegenstände und Items, die ihr auch in der Krypta freischalten könnt).

Während ein neuer Skin nur Einfluss auf das Aussehen nimmt, haben jeweils drei Ausrüstungsgegenstände pro Kämpfer einen zusätzlichen Nutzen. In diese können Verstärkungen eingesetzt werden, die euch einen Schadensbonus auf einen bestimmten Spezialangriff gewähren. Um die Balance zu wahren, lassen sich Online-Kämpfe im Turnier-Modus austragen. Hier behält jeder Charakter seine Standardwerte bei.

Kleidet einen Charakter nach euren Wünschen.Kleidet einen Charakter nach euren Wünschen.

Im Rahmen unseres Tests konnten wir leider nicht auf alle Online-Features zugreifen und haben uns daher nur in einigen Versus-Matches versucht. Dabei liefen die Server ausnahmslos rund. Mit Lags oder gar Verbindungsabbrüchen hatten wir keinerlei Probleme. Neben dem Versus- und Turnier-Modus könnt ihr euch in King of the Hill an die Spitze kämpfen und versuchen euch dort zu halten. Wer sich die Hände nicht selbst schmutzig machen will, kann hingegen seine eigenen Kämpfer losschicken, um sie gegen die Truppen anderer Spieler antreten zu lassen. Dabei springen natürlich auch kleine Belohnungen für euch heraus.

Der Ingame-Shop, in dem Zeitkristalle (die Echtgeld-Währung in Mortal Kombat 11) ausgegeben werden können, darf unterdessen getrost vernachlässigt werden. Hier lassen sich vorrangig kosmetische Items und Verbrauchsmaterialien finden, die euch Fatalities ohne komplexe Tastenkombinationen ausführen lassen. Nichts, was ihr nicht auch so freischalten könnt. Außerdem erhaltet ihr für jeden Account-bezogenen Stufenaufstieg ohnehin ein paar Zeitkristalle.

Meinung von Manuel Karner

Mortal Kombat 11 ist ohne Zweifel eines der besten Spiele der gesamten Reihe geworden. Dank vielfältigen Spielmodi und unzähligen Belohnungen kann das Prügelspiel für lange Zeit an den Bildschirm fesseln. Auch das Kampfsystem wurde in gewissen Punkten verfeinert, womit sich die Duelle jetzt noch flüssiger und intensiver spielen. Neulinge sollten außerdem das hervorragend gestaltete Tutorial ausprobieren. Hier lernt ihr in Windeseile alle nützlichen Kampfmechaniken kennen.

Besonders hervorzuheben ist auch der Sound und die deutsche Synchronisation. Man spürt förmlich die Wucht hinter jedem Treffer und die Sprecher geben ihr Bestes, um den Charakteren vor den Kämpfen oder in der Story die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Das alles soll jedoch nicht bedeuten, dass Mortal Kombat 11 perfekt ist. Gerade bei den Türmen der Zeit ist der jeweils angegebene Schwierigkeitsgrad kein Indikator dafür, wie hart die Kämpfe tatsächlich ausfallen. So spielt taktisches Geschick hierbei oftmals eine eher untergeordnete Rolle und bei manchen Kämpfen werdet ihr ins virtuelle Gras beißen, noch bevor ihr überhaupt einen Schlag ansetzen konntet - das kann ungemein frustrierend sein, zumal sich hier auch die meisten Belohnungen abstauben lassen.

Insgesamt bekommt ihr mit Mortal Kombat 11 aber ein prall gefülltes Rundumpaket, das sonst nur wenige Prügelspiele liefern. Wer dem hohen Gewaltgrad nicht abgeneigt ist, Geduld mitbringt und generell ein Faible für das Genre hat, kann getrost zuschlagen.

87 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Dank verfeinertem Kampfsystem, einem gelungenen Story-Modus und jeder Menge Spielmodi ein (fast) rundum gelungenes Beat 'em Up.

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