Wahr oder falsch? #137: Helfen Videospiele bei der Erforschung von Krankheiten?

von Dennis ter Horst (18. April 2015)

Der Mensch sieht sich ja oft als ach so große Schöpfung. Des Öfteren kommen aber dann Tiere daher, die besondere Fähigkeiten und Eigenschaften mit sich bringen, von denen wir als Menschen nur träumen können.

Und was haut den Mensch so richtig aus den Latschen? Krankheiten. Manchmal ist es ein Schnupfen, manchmal Leukämie, manchmal AIDS. Oft erliegen wir diesen Krankheiten, allerdings versuchen Forscher und Wissenschaftler alles, um tödliche Viren zu bekämpfen.

Dabei geht es natürlich darum, den richtigen Weg einzuschlagen und eine Heilungsmöglichkeit zu finden. Dies gilt gerade für die schlimmsten Krankheiten auf der Welt, wie beispielsweise HIV. Das Interessante: So gut wie jeder Mensch kann bei der Erforschung von Krankheiten mitwirken.

Dies klappt mittels eines kostenlosen PC-Spiels namens Foldit. Dabei geht es darum, Proteinketten zusammenzusetzen, wie sie in jedem menschlichen Körper vorkommen. So gesehen ist es also ein Puzzle-Spiel.

Doch halt, Moment mal: das ist ein Puzzle-Spiel. Und damit könnt ihr tatsächlich dazu beitragen, Viren und Proteine zu erforschen und dabei die wissenschaftliche Forschung unterstützen? Ja, das funktioniert.

Durch Foldit ist den Spielern sogar in wenigen Tagen etwas gelungen, wofür Forscher etwa ein Jahrzehnt gebraucht haben.

Tatsächlich könnt ihr durch Foldit Proteine zusammensetzen, wie sie in eurem eigenen Körper vorkommen. Dabei sei angemerkt, dass mehr als 100.000 verschiedene Protein-Typen in jedem menschlichen Körper existieren. Diese könnt ihr durch Foldit untersuchen, das übrigens 2008 von Forschern der "University of Washington" veröffentlicht wurde.

Der verantwortliche Forschungsbeauftragte Zoran Popovic hat sich ebenfalls mit der Thematik auseinandergesetzt und sagte 2011, dass sich mehr als 60.000 Spieler mit der Materie auseinandersetzen würden. Auch er hat gehofft, dass durch Foldit einige Durchbrüche in der Erforschung von Krankheiten erfolgen würden.

Dies ist auch tatsächlich eingetroffen. In nur zehn Tagen haben Spieler das Protein "Retroviral Protease" entschlüsselt. Dies ist ein Enzym, dass auch als Schlüssel zu der Erkenntnis bezeichnet wird, wie sich das HIV-Virus vermehrt. Dafür haben Forscher und Wissenschaftler mehr als zehn Jahre gebraucht.

Demnach sei es hilfreich zu sehen, wie dieses Protein genau aufgebaut ist, da Wissenschaftler dadurch an einem Medikament arbeiten könnten, dass die Vermehrung stoppt. Mehrere Forscher haben die Spieler von Foldit auch auf dieses Protein hingewiesen, da es bis dato nicht möglich war, die genaue Kristall-Struktur des Retroviral Protease zu verstehen.

Dadurch konnten Forscher gute Fortschritte in Sachen Medikamenten-Entwicklung machen. Dabei sei natürlich gesagt, dass nur sehr wenige Spieler von Foldit überhaupt Hintergrundwissen im Bereich Biochemie haben. Die Meisten haben sich einfach durch die verschiedenen Puzzles gespielt und dabei lehrreiche Kenntnisse erworben.

Darüber hinaus ist dies ja nicht gerade eine einfach Art von Puzzle. Schließlich gibt es unzählige Wege und Möglichkeiten, wie die Atome innerhalb der Moleküle eines Enzyms miteinander verbunden sein können. Dafür bedarf es schon eines wahnsinnig kühlen und vor allem wissenschaftlichen sowie sehr intelligenten Kopfes.

Der führende Gestalter von Foldit, Seth Cooper, sagte in diesem Zusammenhang, dass Menschen gewisse dreidimensionale Erkenntnisfähigkeiten haben. So etwas hätten Computer oft nicht oder sie seien zurzeit noch nicht gut darin. Spiele stellen ein Gerüst zur Verfügung, das die Stärken von Menschen und Computern zusammenführen, so Cooper weiter.

Übrigens konnten Foldit-Spieler auch bei der Erforschung von Krebs und Alzheimer mitwirken. Demnach hat dieses Spiel also einen großen Einfluss auf die biochemische Wissenschaft. Wenn ihr Lust habt, euch mit Foldit auseinanderzusetzen, könnt ihr es euch kostenlos herunterladen.

Wahr oder falsch? legt sich für heute wieder ins Bett. Die anderen Folgen sind aber noch wach:

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