Studie: Angeblich ist mehr als jeder 10. junge Deutsche videospielabhängig

von Marco Schabel (05. Dezember 2016)

Während Videospiele in anderen Ländern längst fester Bestandteil von Krebstherapie und Unterrichtsstunden sind, stellen sich manche hierzulande noch die Frage, wie groß die Gefahr einer Sucht ist. Eine neue Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) soll jetzt zeigen, dass hierzulande mehr als jeder Zehnte junge Mensch unter einer Videospielsucht leidet.

Erst vor wenigen Wochen berichteten wir, dass die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler (CSU) eine verschärfung des Prüfverfahrens erwägt, damit Online-Spiele eine höhere Altersfreigabe der USK erhalten. Unterstützt wird die Politikerin nun von einer neuen Studie, die von der DAK und dem Forsa-Institut durchgeführt wurde.

Geht es nach dieser Studie mit dem dem Namen „Game over: Wie abhängig machen Computerspiele?“, erfüllen 11,3 Prozent aller Deutschen zwischen zwölf und 25 Jahren die Kriterien einer Videospielsucht. Das bedeutet, dass sie basierend auf der „Internet Gaming Disorder Scale“ so exzessiv spielen, dass sie dadurch massive Probleme im Alltag und dem sozialen und familiären Umfeld haben.

Unter den männlichen Probanden soll der Anteil dabei am größten sein. Alleine 8,4 Prozent der Jungen und jungen Männer in dieser Altersgruppe seien demnach süchtig nach Videospielen. Das entspricht jedem Zwölften in dieser Gruppe. Bei den Mädchen und jungen Frauen sind es lediglich 2,9 Prozent.

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler hat bereits auf die Ergebnisse reagiert, sie als „beunruhigend“ bezeichnet und Konsequenzen angekündigt. „Diese Zahlen der neuen DAK-Studie sind beunruhigend und zeigen, dass wir das Thema weiterhin ernst nehmen müssen“, so Mortler. „Computerspiele sind heute Bestandteil der Alltagskultur vieler Jugendlicher und junger Erwachsener und längst nicht jede Spielerin oder jeder Spieler hat ein Problem. Die Studie zeigt aber, dass gerade bei den Zwölf- bis 17-Jährigen, und hier vor allem bei den Jungen, die Gefahr besteht, dass sie ihren Konsum nicht mehr kontrollieren können.“

Insbesondere die bei den „süchtigen“ hohe durchschnittliche Spielzeit von 226 Minuten am Tag sei erschreckend. „Das sind knapp vier Stunden! Ausreichend Zeit für die Familie, für Freunde, für Aktivitäten an der frischen Luft bleibt da kaum noch“, heißt es dazu. Entsprechend will Mortler neben einer Erhöhung der Altersfreigabe auch aufklärend wirken, damit ein selbstbestimmter und verantwortungsvoller Umgang mit den digitalen Medien erlernt werden kann.

Weitere Ergebnisse der Studie zur Videospielsucht in Deutschland

  • Laut Untersuchung haben Computerspiele bei den befragten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen häufig negative soziale Auswirkungen in verschiedenen Bereichen:
  • 46 Prozent der Befragten vernachlässigen soziale Kontakte zu Freunden oder zu Familienangehörigen, die ihnen früher wichtiger waren. In der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen sind es mit 69 Prozent die meisten.
  • 40 Prozent der Befragten haben wegen der Nutzung von Computerspielen Streit mit den Eltern. In der Altersgruppe der Zwölf- bis 14-Jährigen sind es mit 89 Prozent die meisten.
  • 16 Prozent der Befragten nehmen wegen der Nutzung von Computerspielen nicht an gemeinsamen Mahlzeiten teil. In der Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen sind es mit 34 Prozent die meisten.

Für die repräsentative Studie der DAK und des Forsa-Instituts wurden 1.531 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von zwölf bis 25 Jahren befragt. Die Testpersonen mussten sich anhand der aus den Vereinigten Staaten stammenden „Internet Gaming Disorder Scale“ neun Standardfragen, wie zum Beispiel „Hattest Du wegen Videospielen schon einmal Streit mit Deinen Eltern?“, stellen, die mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können. Werden fünf oder mehr Fragen mit „Ja“ beantwortet, gelten die Personen als abhängig.

Hilfe für besorgte Eltern bietet die DAK auf der eigenen Internetseite.

Das erste Spiel, das bei Videospielsucht in den Kopf schießt, ist wahrscheinlich World of Warcraft. Was euch in dessen aktueller Erweiterung World of Warcraft - Legion erwartet, zeigt diese Bilderstrecke.

Tags: Politik  

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