gamescom 2017: Bundeskanzlerin Merkel spricht sich für Förderung der Games-Branche aus

von Micky Auer (22. August 2017)

Die neunte gamescom in Köln ist hiermit offiziell eröffnet. Zum ersten Mal in der Geschichte der Messe finden hochrangige Politiker eröffnende Worte. Neben Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, ist zum ersten Mal die Bundeskanzlerin persönlich vor Ort und findet ebenso lobende wie auch ermutigende Worte für die Games-Branche in Deutschland.

In den eröffnenden Worten von Felix Falk, Geschäftsführer der BIU und gleichzeitig Träger der gamescom, bezeichnet er Videospiele als wertvolles Kulturgut und Wirtschaftsträger. Er verweist auf die Zukunft, in der die Gamer von heute die Experten von morgen sind. Vor allem in den Bereichen der Digitalisierung und in der IT-Branche.

Felix Falk, Geschäftsführer der BIU bei seiner Begrüßung zur gamescom 2017.Felix Falk, Geschäftsführer der BIU bei seiner Begrüßung zur gamescom 2017.

Gleichzeitig verweist er aber auch auf den großen Nachholbedarf in Deutschland, was die zeitgemäße Behandlung der Industrie betrifft. Aktuell landen von 100 Euro, die für Videospiele ausgegeben werden, im Durchschnitt lediglich sieben Euro beim Entwickler. Er plädiert auf eine stärkere Förderung der Technik, um das Potenzial in Deutschland voll ausschöpfen zu können, wie es zum Beispiel in Ländern wie Frankreich und Polen bereits stattfindet. "Games made in Germany" sollen zum Exportschlager werden.

Ministerpräsident Armin Laschet drückt seinen Stolz darüber aus, dass das wichtigste europäische Branchentreffen mit 350.000 Besuchern in Köln stattfindet. Er blickt zurück auf die leidige "Killerspiele"-Diskussion und die Entwicklung, die die Branche, die Konsumenten und die Politik seitdem vollzogen haben. Auch er spricht aber den Nachholbedarf in Deutschland an, vor allem in Bezug auf die Erziehung im schulischen Bereich, wo die Wichtigkeit virtueller Technik nach wie vor förderungswürdig ist.

Ministerpräsiden von NRW Armin Laschet bei der Eröffnung der gamescom 2017.Ministerpräsiden von NRW Armin Laschet bei der Eröffnung der gamescom 2017.

Den Hauptteil der Eröffnung bestreitet natürlich die Kanzlerin. Dr. Angela Merkel eröffnet ihre Rede mit der Aussage, dass die spielerische Entfaltung und Gestaltung innerhalb der menschlichen Entwicklung schon seit jeher von größter Wichtigkeit ist. Der Stellenwert im Zeitalter der Digitalisierung darf nicht übersehen werden.

Über 500 Unternehmen gibt es in Deutschland in der Branche, darin finden 29.000 Beschäftigte ihren Lebensunterhalt, die Milliardenumsatzgrenze wurde in der ersten Jahreshälfte 2017 überschritten. "Computer und Videospiele sind als Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor von allergrößter Bedeutung", so die zusammenfassende Beurteilung der Branche von Merkel.

Weiter sagt die Kanzlerin: "Spiele sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie dienen nicht nur der Unterhaltung, sie entfachen auch Begeisterung für Wissenschaft und Technik. Das spielbasierte Lernen und Lehren soll vorangetrieben werden."

Sie verweist auf die Verantwortung von Eltern und Staat, junge Spieler als Grenzgänger zwischen realer und virtueller Welt zu begleiten. Bei zwei Dritteln Spieleranteil unter Jugendlichen steht der Schutz der Verbraucher im Vordergrund. Dahingehend ruft sie auch Entwickler und Publisher auf, stets an der Verbesserung der Sicherheit und Nutzbarkeit diverser Apps zu arbeiten.

Zum immer wiederkehrenden Thema "Gewaltspiele" sagt Merkel: "Es gibt keine zweifeslfreie pauschale Antwort, Bedenken sind dennoch gerechtfertigt. Ein verantwortungsvoller Umgang sollte im Vordergrund stehen." Dazu gehört auch die Verstärkung von Berührungspunkten zwischen Medien und Politik. Suchtverhalten müsse vermieden werden, daher gibt es auch seitens der Regierung Präventionsmethoden für Jugendliche und Eltern.

"Bei der Medienkompetenz müssen wir alle einen Sprung nach vorne machen. Dabei gibt es keine Altersbegrenzung." Digitale Bildung stärken zählt zu den Vorhaben der Bundesregierung, denn Konzepte und Begriffe wie 3D, AR, VR, KI nehmen in der Industrie insgesamt einen immer höheren Stellenwert ein. Es geht in der Branche nicht nur um talentierte Spieler, sondern auch starke Entwickler. Bereiche in der Technik greifen stark ineinander über, daher muss an der richtigen Stelle eine Förderung erfolgen.

Merkel gesteht ein, dass abseits vom Deutschen Computerspielepreis hier im Land noch nicht viel geschieht. Die Kanzlerin verspricht, sich genau anzusehen, was dahingehend im Ausland geschieht, um sich an den erfolgreichsten Konzepten zu orientieren.

Thema Internet: Anspruchsvolle Spiele benötigen auch ein starkes Umfeld. 50 Mbit, das reicht nicht. Merkel setzt sich den Breitband-Ausbau als Ziel. Weder Spieler, noch Entwickler können mit der schwachen Infrastruktur ordentlich hantieren. Glasfaserausbau ist ein wichtiges Thema. Stichwort: "Echtzeitübertragung"

Merkel gibt auch in diesem Punkt zu, dass Deutschland nicht zu den Spitzenreitern der digitalen Welt zählt und nennt Estland als Beispiel. Dort läuft vieles sehr fortschrittlich (zum Beispiel vielerlei Amtswege). Eine Zusammenarbeit mit der Regierung wird angestrebt, um zum Beispiel Dienstleistungen mit dem Staat digital abwickeln zu können.

Abschließend betont die Kanzlerin, dass die gamescom ein wichtiger Ort sei, um die digitale Welt kreativ zu erforschen und zu entdecken, und wünscht allen Besuchern und Enwickler viel Spaß und Erfolg.

Übrigens: Damit ihr nicht den Überblick verliert, haben wir alle wichtigen Meldungen von der gamescom für euch gesammelt und fein säuberlich nach Datum sortiert. Folgt einfach diesem Link.

Tags: Gamescom 2017   Politik  

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