PUBG legt sich wegen Mikrotransaktionen mit Reddit an - das könnte böse enden ?

von Daniel Kirschey (08. September 2017)

Zehn Millionen verkaufte Exemplare und zu Spitzenzeiten mehr gleichzeitige Spieler als DOTA 2 – für PlayerUnknown’s Battlegrounds (PUBG) könnte es derzeit kaum besser laufen. Allerdings gehen die Macher jetzt auf direkten Konfrontationskurs mit Reddit wegen Mikrotransaktionen und somit wegen jeder Menge Kohle:

Seit einigen Tagen ist der Wertungsschnitt von PUBG auf Steam deutlich abgesunken. Nur noch 69 Prozent der 37.247 Nutzer-Reviews in den letzten 30 Tagen sind positiv, was laut Creative Director Brendan Greene auf „Mikrotransaktionen“ zurückzuführen sind.

In einem aktuellen Interview mit GamesIndustry.biz sagte er:

„Uns hat es hart erwischt. Ich hatte gesagt, dass wir keine Mikrotransaktionen einführen, bis wir Early Access verlassen, aber das rührt von meiner Naivität her. Um fair zu sein: Wir fügen immer noch kein Skin-System mit Mikrotransaktionen hinzu, bis wir die Early-Access-Phase verlassen – aber wir müssen dieses System mit einem prozentualen Anteil testen.

Und wir sind da offen: Wir sind wirklich der Ansicht, dass eine starke wirtschaftliche Basis gut für das Spiel ist. Wir analysieren unsere Daten, um dadurch rauszufinden, zu welchem Prozentsatz einzelne Items verfügbar sein müssten, damit sie einen bestimmten Wert haben. Wir gehen auch deshalb offen damit um, weil es ein gutes System ist, dass bereits bewiesen hat, dass es funktioniert.“

Der negative Impact auf die Steam-Reviews verdeutlicht erneut eindrucksvoll, welchen Einfluss die Community haben kann, wenn sie mit aktuellen Entscheidungen und Entwicklungen bei einem Spiel unzufrieden ist.

Quelle: User-Wertungen zu PUBG auf steamspy.com

Gleichzeitig verweist Greene in dem Interview auch darauf, dass man diesen Einfluss nicht überbewerten sollte:

„Als Entwickler musst du dir immer die tatsächliche Zahl der Leute anschauen, die Reddit besuchen und die deine Social-Media-Kanäle nutzen: Das sind vielleicht 10 Prozent deiner Spielerbasis. Der größte Teil liest keine Reviews und keine Bewertungen bei Steam. Du kannst also eine sehr große Menge an negativen Wertungen bekommen – aber so funktioniert das eben im Netz in diesen Tagen.“

Mit anderen Worten: PUBG geht bewusst das Risiko ein, einen prozentual zwar kleinen, vom Einfluss und der Hartnäckigkeit aber umso relevanteren Teil der Community zu verärgern – möglicherweise sogar nachhaltig. So loyal User bei Reddit auch sind, so sehr können scheinbar gebrochene Versprechen extreme Reaktionen provozieren: Die Tests mit Mikrotransaktionen in PUBG können als genau so ein gebrochenes Versprechen wahrgenommen werden.

Wirklich zum Problem können sich diese Tests ausweiten, wenn es PUBG so ergeht wie Payday 2: Auch bei diesem Spiel hatten die Entwickler im Vorfeld angekündigt, dass sie niemals Mikrotransaktionen einführen würden. Als das Entwicklerstudio Overkill dann doch Mikrotransaktionen einführte, brach der Shitstorm mit unerbittlicher Härte los – unzählige negative Reviews auf Steam, vor wütenden Kommentaren überlaufende Kommentarspalten und Rants auf Facebook pflasterten fortan den Pfad von Payday 2.

In den ersten Tagen und Wochen wirkte es so, als ob die Entwickler die geballte Wut der Community einfach aussitzen wollte. Schlussendlich schienen die Verkaufszahlen aber so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden sein, dass Overkill resignierte und seine Mikrotransaktions-Pläne deutlich reduzierte.

Ein ungeschriebenes Gesetz im Netz sollte PUBG deshalb nicht ignorieren: Im Shitstorm zählen keine Details – da gibt es nur Schwarz oder Weiß. Mit einem dicken Stock namens Mikrotransaktionen im Hornissennest des Internets namens Reddit herumzustochern, das haben auch schon Take-Two Interactive und Rockstar Games bereut, als sie Singleplayer-Mods für GTA V geblockt haben. Auch diese beiden Dickschiffe im Games-Business mussten wieder zurückrudern vor der gewaltigen Wutwelle, die über sie hinwegschwappte.

So sehr wir Greenes Beweggründe deshalb auch verstehen und nachvollziehen können, dass Mikrotransaktionen eine wichtige Säule für die dauerhafte Finanzierung von PUBG sein werden, so sehr sollte einem derart community-abhängigen Spiel auch bewusst sein, dass es noch eine andere Währung im Internet gibt: Vertrauen und Wohlwollen der Hardcore-User.

Tags: Multiplayer  

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