Toxische Videospiel-Kultur: Darum sind Entwickler so schweigsam

von Sören Wetterau (26. September 2017)

Overwatch ist ein Beispiel für toxische Spielerkultur. Entwickler Blizzard kämpft seit Monaten gegen den rauen Umgangston der Spieler.Overwatch ist ein Beispiel für toxische Spielerkultur. Entwickler Blizzard kämpft seit Monaten gegen den rauen Umgangston der Spieler.

Geduld gehört bei manchen Spielern nicht unbedingt zur höchsten Tugend: Immer wieder kommt es zu sogenannten Shitstorms, wenn ein Spiel mal nicht so wird, wie es sich die Käufer vorgestellt haben. Natürlich trifft das längst nicht auf alle Nutzer zu, aber die laute Masse sorgt dafür, dass Entwickler immer schweigsamer werden. Dies behauptet zumindest Charles Randall, ehemaliger Mitarbeiter von Ubisoft und Bioware, auf Twitter.

In einem mehrteiligen Twitter-Beitrag äußert sich Randall zu der Aussage eines Freundes, der sich wünscht, dass "Spiele-Entwickler offener über die Entwicklung" reden würden. Laut Randall machen das viele Entwickler, allerdings nur innerhalb der eigenen Industrie. Die Öffentlichkeit erfährt viele der Details nicht.

Grund dafür sind zum einen Marketing-Maßnahmen, zum anderen jedoch auch die Spieler selbst. Das Diskussionsklima sei mittlerweile "so toxisch, dass es gefährlich ist, gegenüber der Allgemeinheit offen zu sein". Dabei verweist er auf den Twitter-Beitrag von Jennifer Scheurle, bei denen Entwickler einige kreative Tricks verraten. Nicht wenige Reaktionen sollen daraufhin negativ ausgefallen sein, weil sich manche Spieler im Nachhinein betrogen gefühlt haben.

Randall selbst ist vor allem genervt von den "Spezialisten in Foren oder Kommentar-Sektionen", die nur darauf warten, den Entwicklern zu erklären, wie einfach es ist, einen Mehrspieler-Modus zu integrieren oder das Technikgerüst zu wechseln. "Jeder Entwickler, der offen über die Schwierigkeit von so etwas spricht, löst eine Welle von Leuten aus, die ihren gesamten Lebenslauf in Frage stellen." Die Folgen sind mitunter Hass, Bedrohungen oder noch schlimmere Dinge.

Die Spieler schneiden sich damit auf kurz oder lang ins eigene Fleisch, wie Randall weiter ausführt. Spiele-Entwickler würden nur zu gern über verschiedene Dinge sprechen, sofern sie mit konstruktivem Feedback rechnen können. Es sei kein Problem, etwas nicht zu mögen, aber es ist ein Problem, wenn sich das "nicht mögen" darin äußert, dass der jeweilige Entwickler dafür mit Beleidigungen konfrontiert wird.

Eine Mitschuld an dem ungesunden Klima gibt Randall den Youtubern, die sich in ihren Videos oftmals über Dinge aufregen, die eigentlich normal oder aus einem bestimmten Grund vorhanden sind. Er selbst befürchtet, dass die Konsumenten der Videos eines Tages genauso toxisch und beleidigend werden, wie es einem die Inhalte veranschaulichen.

Zugegeben: Manche Spiele oder Spielelemente können einen echt zur Weißglut bringen, wie unsere Bilderstrecke aufzeigt:

Die Entwickler dafür aber zu diffamieren hilft jedoch nur wenig. Stattdessen lieber eine heiße Tasse Tee zur Beruhigung trinken. Denn die Entwickler haben meistens mehr Erfahrung, mehr Übung und mehr Fähigkeiten als Spieler, die den Mund aufreißen.

Tags: Politik  

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