Kingdom Come - Deliverance: Schwere Vorwürfe gegen Creative Director

von Daniel Kirschey (15. Januar 2018)

Viele freuen sich auf Kingdom Come - Deliverance. Endlich ein mittelalterliches Rollenspiel ohne Drachen, Zauberer und Elfen. Pures Mittelalter - wie es angeblich mal wirklich war, und das in ein Rollenspiel verpackt. Das wollen die Entwickler von Warhorse Studios euch bescheren. Doch hinter dieser angeblichen Authentizität könnte etwas mehr stecken, wie der Blog Lepetitcapo nahelegt - nämlich der Versuch des "Creative Directors" das europäische Mittelalter als "Erbe und Herkunft" weißer Männer zu romantisieren, um es ins eigene Weltbild zu pressen.

Zugegeben, das klingt nun ein wenig suspekt - so konzentriert auf den Punkt gebracht. Doch Lepetitcapo bringt in seinem Artikel Das „authentischste“ Historienspiel aller Zeiten?! Die gewaltige Schräglage von „Kingdom Come - Deliverance“ viele Argumente, die den heiklen Vorwurf untermauern. Warhorse-Mitbegründer und Creative Director Daniel Vávra stellt sich auf diversen "Social Media"-Kanälen als völkisch Denkender heraus, der versucht, seine eigenen politischen Ansichten zur Vergangenheit Europas in das Spiel einfließen zu lassen. Natürlich haben wir Kingdom Come - Deliverance noch nicht durchgespielt, aber die Aussagen Vávras sprechen für sich:

Zum einen lebten in Böhmen (circa die heutige Tschechische Republik) nach Meinung Vávras fast nur weiße Menschen. Dabei widersprechen viele historische Quellen genau dieser Auffassung. Doch in Kingdom Come - Deliverance gibt es wohl deshalb keine schwarzen Menschen. In Tweets geht er darauf ein, dass es nach seiner Meinung im Mittelalter keine nicht-weißen Menschen in weiten Teilen Europas gegeben hätte:

(Arthur Gies: So, du sagst jetzt, dass auf der gigantischen Landmasse von Nord- und West-Europa keine nicht-weißen Menschen waren? Daniel Vávra: "Ja, das sage ich, weil da keine waren.")

Dass es Vávra dabei um mehr als seine Ansicht von der Geschichte Europas und Kingdom Come - Deliverance geht, bezeugen seine Tweets an einen Spieletester, der im Jahr 2015 feststellte, dass es merkwürdig sei, in so einem riesigen Spiel wie The Witcher 3 keinen einzigen nicht-weißen Menschen zu treffen. Vávra fragte ihn daraufhin, ob Europäer nicht das Recht auf eine eigene Herkunft und Geschichte hätten. Ein merklich seltsames Anliegen, handelt es sich bei The Witcher 3 doch um ein reines Fantasy-Spiel ohne historischen Anspruch.

Weiter fragt er nach, ob es nicht möglich sei, die eigene Geschichte zu erzählen, ohne fremde Kulturen einfließen lassen zu müssen. Wieder scheint Vávra davon auszugehen, dass es eine rein weiße, isolierte europäische Geschichte gegeben habe, in der es nicht zu kulturellem Austausch kam. Ein Vergangenheitsbild, das nicht viel mit der historischen Wirklichkeit zu tun hat.

Interessant ist zudem, dass sich Vávra anscheinend genau gegen das zu Wehr setzt, was er selbst macht: Das eigene politische Weltbild in ein Spiel zu pressen. Das zeigt ein Interview Vávras mit dem rechtsaußen Magazin Breitbart News Network. Hier wehrt er sich dagegen, dass andere ihre politischen Ansichten seinem Spiel aufstülpen wollen, wenn sie kritiseren, dass es keine nicht-weißen Menschen in Kingdom Come - Deliverance gibt.

Dass Vávra dann auch noch auf der gamescom bei Game Two von Rocket Beans mit einem Burzum-Shirt herumsitzt, unterstreicht das Ganze. Die Band Burzum entstammt dem Geiste Varg Vikernes, ein norwegischer Neonazi und Verschwörungstheoretiker, der sich ein patriarchalisches, weißes Europa herbeisehnt - also genau das, was Vávra als Vergangenheit, Herkunft und Erbe anscheinend romantisierend im Spiel Kingdom Come - Deliverance verklären will.

Lepetitcapo, dessen Recherche dieser News zugrundeliegt, rückt dabei nicht nur die Hintergründe um die Person Vávra ins Blickfeld, sondern stellt auch die berechtigte Frage, warum diese Hintergründe in der deutschen Presse nicht thematisiert worden sind. Gerade wenn es um ein Spiel geht, von dem die Entwickler behaupten, dass es historisch so akkurat wie möglich sein soll.

Wir haben bei Entwickler Warhorse Studios nach einer Stellungnahme angefragt. Wir halten euch über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden und berichten euch auch weiterhin zu diesem Thema.

News gehört zu diesen Spielen

Kingdom Come - Deliverance
Verkaufszahlen sprengen alle Erwartungen

Nintendo Switch: Verkaufszahlen sprengen alle Erwartungen

Nintendo hat den Bericht des Geschäftsjahres 2017 veröffentlicht und damit Einsicht in die beeindruckenden Ve (...) mehr

Weitere News

* gesponsorter Link