Kingdom Come - Deliverance: Entwickler Warhorse bezieht Stellung zu den Vorwürfen

von Sören Wetterau (18. Januar 2018)

Eine Mittelalter-Welt ohne Drachen, Feuerbälle oder das drohende Ende der Welt, aber auch mit rassistischem und sexistischem Gedankengut? Vor wenigen Tagen sind schwere Vorwürfe gegenüber Kingdom Come - Deliverance beziehungsweise dessen Chefentwickler Daniel Vávra aufgetaucht. Gamestar hat nun die Stellungnahmen von Vávra veröffentlicht. Natürlich haben auch wir bei Warhorse Studios um einen Kommentar gebeten, wurden aber leider nur auf den von Gamestar veröffentlichten hingewiesen. So konnten wir keine eigenen Fragen stellen.

Das Tragen eines Shirts der Band Burzum, deren Gründer mit nationalsozialistischen Ideen liebäugelt, fragwürdige Äußerungen über Twitter und in Interviews und umstrittene Tendenzen in Hinblick auf die Gamergate-Kontroverse: Die Vorwürfe gegenüber Warhorse-Gründer und "Creative Director" Daniel Vávra sind vielfältig. Bedenklich dabei ist auch der Umstand, dass er seine politischen Ansichten in Kingdom Come - Deliverance übertragen könnte, das unter anderem damit beworben wird, das Mittelalter historisch akkurat zu präsentieren.

In einem Blogeintrag zum Thema wirft Lepetitcapo auch der deutschen Spielepresse vor, dass sie die Hintergründe der Person Vávras nicht thematisiert und kritisch beleuchtet. Die Kollegen bei Gamestar greifen diesen Spielball auf und lassen Daniel Vávra sowie Executive Producer Martin Klima zu Worte kommen.

Dem Vorwurf, dass Kingdom Come - Deliverance bestimmte Bevölkerungsschichten aus ideologischen Gründen ausklammert, widerspricht Vávra vollkommen. Das Rollenspiel würde gerade einmal in einem sehr kleinen Teil der heutigen Tschechischen Republik spielen und basierend auf den historischen Recherchen hätte es dort so gut wie keine Menschen anderer Hautfarbe gegeben. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Warhorse Studios andere Nationalitäten ausblenden.

"Das ist falsch. Weder leugne ich persönlich diese Tatsache [dass es Menschen anderer Hautfarbe im Mittelalter gegeben hat], noch beschränkt sich Kingdom Come - Deliverance auf eine, wie auch immer geartete Ethnie", so Vávra zu dem Vorwurf. Im Laufe der Handlung würden Spieler auf deutsche und tschechische Bewohner aber auch auf Teile der Kumanen, also einem turksprachigen Volksstamm, der im Zuge der Völkerwandung seinen Weg nach Böhmen gefunden hat, treffen. Diese Informationen stammen laut dem Creative Director aus zahlreichen tschechischen Historienbüchern.

Politische Ideologien und T-Shirts

Die Vorwürfe, dass er angeblich faschistischen Ideologien nahe stehe, sieht Vávra dann als persönlich verletzend an.

"Ich bin kein Freund irgendeiner, wie auch immer gearteten, totalitären Herrschaft und erachte den Vorwurf, ich wäre ein Nazi oder würde irgendeiner Ideologie nahestehen, die auch nur im Entferntesten in diese Richtung geht, daher als absurd, ja sogar persönlich beleidigend und verletzend."

Nichtsdestotrotz entschuldigt er sich für vergangene Äußerungen, die er laut eigenen Angaben besser hätte kommunizieren sollen. Dies gelte auch für seine Meinung bezüglich Gamergate.

Ähnlich sieht es sein Kollege und Executive Producer Martin Klima, der es als beleidigend für seine Person und seine privaten Hintergründe auffasst, dass er mit einem bekennenden Neo-Nazi zusammenarbeiten würde. "Starke Standpunkte zum Thema Freiheit, eine Leidenschaft für Outdoor-Aktivitäten, Paintball oder das Hören bestimmter Musik machen jemanden nicht zum Nazi", so Klima.

Bleibt das Burzum-Shirt, dessen Tragen Vávra im Nachhinein als "dumm" ansieht. Er wollte damit keine versteckte Botschaft übermitteln. Stattdessen sieht er sich als leidenschaftlichen "Heavy Metal"-Fan und unter Genre-Freunden ist das Burzum-Album Filosofem ein wahrer Klassiker, unter anderem deshalb, weil es unpolitisch und unvoreigenommen sei. Die Texte drehen sich um Themen wie Einsamkeit und Dunkelheit und würden keine politische Meinung transportieren. "Es steht bis heute bei allen großen Anbietern zum Verkauf oder als Streaming im Angebot und erscheint bis heute auf vielen Listen, die die besten "Black Metal"-Alben aufzählen."

Zum Schluss entschuldigt sich Vávra im Interview mit der Gamestar noch einmal dafür, falls er in der Vergangenheit aus Mangel an Sorgfalt, Gefühle verletzt haben sollte oder es zu Missverständnissen gekommen sei. Dies sei nicht seine Absicht gewesen.

Tags: Singleplayer   Politik  

News gehört zu diesen Spielen

Kingdom Come - Deliverance
Neuer Trailer zum Spiel veröffentlicht

Close to the Sun: Neuer Trailer zum Spiel veröffentlicht

Ihr sehnt euch mal wieder nach einem Horrospiel mit einer anspruchsvollen und tiefgründigen Geschichte? Dan (...) mehr

Weitere News

* gesponsorter Link