Internethass: Transsexuelle Entwicklerin fast aus dem Job gemobbt

von Franziska Schulz (16. Juli 2018)

Wir schreiben das Jahr 2018 und wieder ensteht ein neuer Mobbing-Trend im Internet, der sich gegen Minderheiten richtet. In der letzten Woche endete eine Auseinandersetzung zwischen der Narrative Designerin von Guild Wars 2, Jessica Price, und einem bekannten „Guild Wars“-Streamer mit einer wütenden Community und ihrer Kündigung. Dies war nun anscheinend Anlass für einige Menschen in der Community, gezielt Frauen und Minderheiten in der Videospielbranche zu attackieren, um sie aus ihrem Job zu mobben. Der letzte Versuch, eine transsexuelle Entwicklerin aus ihrem Job zu schmeißen, scheiterte aber.

Starke Frauen und Männer in Videospielen

In einem Tweet erklärte Jessica Price in der letzten Woche die Unterschiede von Charakter-Designs in geradlinigen Storys und MMORPGs. Nachdem der bekannte „Guild Wars“-Streamer Deroir ihren Post kritisierte, erwiderte sie daraufhin, dass er versuche, ihr ihren Job zu erklären, obwohl er nicht einmal mit ihr arbeite und deutete an, dass sie sich als Frau in der Videospielbranche ständig rechtfertigen müsse.

"Heute in ein weiblicher Videospielentwickler sein: 'Erlaube mir - einer Person, die nicht mit dir zusammenarbeitet - dir zu erklären, wie du deinen Job machen sollst.'"

Im darauffolgenden Post schrieb sie, dass sie den nächsten, der das tun würde, sofort blockieren würde. Dieser Post löste in der „Guild Wars“-Community lautstarke Empörung aus, die dazu führte, dass Price und ihr Kollege Fries, der sich für sie einsetzte, gefeuert wurden. Das schrieb Polygon nach einem Interview mit Jessica Price.

Prices Entlassung wird von Communitys in Foren wie Reddit oder 4chan als Erfolg angesehen und scheint nun die Motivation für einen Internetmob, dafür zu sorgen, dass auch andere Leute, die einer Minderheit angehören, gefeuert werden.

Vor kurzer Zeit teilte eine transsexuelle Entwicklerin, die anonym bleiben wolle, Kotaku mit, dass sie kurz vor der Entlassung stand, nachdem ihr Studio hunderte von E-Mails erhielt. In diesen wurde zum einen ihre Arbeit harsch kritisiert, zum anderen aber auch das Studio, weil es eine transsexuelle Entwicklerin anstelle. Ihr Chef sei bereits kurz davor gewesen, sie zu feuern, bis einer ihrer Kollegen bemerkte, dass die Mails teilweise mit Platzhaltern anstelle ihres Namens gefüllt gewesen seien.

Es stellte sich heraus, dass es sich bei den Mails um vorgeschriebene Hassbriefe handelte, die von mit der Gamergate-Community assoziierten Facebookprofilen oder Bots an diverse Entwicklerstudios verschickt wurden.

Gamergate ist ein Subreddit für Aktivisten, in dem ethische Werte der Videospielbranche diskutiert werden und sich für sie eingesetzt wird. In der Praxis fiel die Gamergate-Community aber vor allem durch Hassreden und Aktionen gegen Frauen und Minderheiten auf, wie in diesem Fall, in dem eine Entwicklerin massive Schikane, Vergewaltigungs- und Morddrohungen durchleben musste.

Frauen, die ebenfalls in der Videospielbranche arbeiten, wie Jennifer Scheurle, sehen in der Entlassung von Jessica Price den Grund für solche Vorfälle, wie den der transsexuellen Entwicklerin.

"Normalerweise teile ich diese Dinge nicht direkt, aber ich finde ihr solltet sehen, dass Geschichten, wie die von Jesscia Price (...) nicht nur Konsequenzen für eine Firma haben, sondern für unsere ganze Industrie:"

Auch die Entwicklerin selbst ist sich sicher, dass der Schwall an E-Mails eine Folgeaktion auf den Fall von Jessica Price war. In einem Post auf 4chan habe ein User geschrieben:

“Last Saturday there was a post on 4chan in the game’s general discussion thread that said something like ‘Reddit proved we can get bitches fired, isn’t there a female that posts here? Let’s get her fired, it’ll be awesome, we have the power to do it.'”

"Letzten Samstag gab es einen Post auf 4chan in der allgemeinen Videospiel-Kategorie, in dem stand in etwa 'Reddit hat uns bewiesen,dass wir Schlampen feuern können. Gibt es hier nicht weibliche Poster? Lass sie uns feuern, das wird super, wir haben die Macht, es zu tun.'"

Es ist nicht das erste Mal, dass Gamergate negativ auffällt und Aktionen aus der Community eindeutig sexistisch motiviert sind. Die Frage ist, wie die Enterwicklerstudios zukünftig auf diesen Hass reagieren und ob sie dem externen Druckaufbau, der letztendlich nur durch eine kleine Gruppe von Menschen initiiert wird, standhalten oder ihm erneut nachgeben.

Das Thema Frauen in der Videospielindustrie ist ein heikles Thema. Einige sind schon genervt von der Debatte, doch Beispiele wie diese zeigen, dass der Kampf um ein respektvolles, tolerantes Miteinander immer noch nicht gewonnen ist.

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