Entwicklerstudio ohne Boss: Gleiches Geld für alle

von Franziska Schulz (Donnerstag, 26.07.2018 - 14:57 Uhr)

Das französische Entwicklerstudio Motion Twin, jüngst bekannt durch den Titel Dead Cells, verfolgt eine etwas andere Firmenpolitik, als in der Videospielbranche üblich: Es gibt keinen Boss und alle Mitarbeiter werden gleich bezahlt. In einem Interview mit Kotaku erklärt Entwickler Sébastien Bérnard wie das System in der Realität aussieht.

Der Trailer zu Motion Twins bekanntestem Titel Dead Cells

Motion Twin entwickelt seit seiner Gründung 2001 Browser- und Mobilegames. Kotaku gegenüber bezeichnen sie sich selbst als „anarchistisch-gewerkschaftliche Arbeiter-Kooperation“, was bedeutet, dass alle elf Mitarbeiter der Firma auch ihre Besitzer sind, gleich bezahlt werden und gleiche Verantwortung tragen.

Zwischenzeitlich seien sie auch zu mehr als zwanzig Mitarbeitern angewachsen, doch das hätte letztlich, in Kombination mit ihrem System, zu Unproduktivität geführt.

“I think it requires quite a clever structure to go beyond 15 people with a similar equitable design, because you’ll need innovative systems to keep everyone involved. […] We were able to achieve much more being eight people than when we were 20+, so we plan to stay below the 15-person limit.”

“Ich denke, es braucht eine clevere Struktur, um mehr als 15 Personen in einem ähnlich gerechten System anzustellen, weil du innovative Ideen brauchst, um jeden mit einzubeziehen. […] Wir haben viel mehr erreicht, als wir nur acht Leute waren, als zu der Zeit, als wir mehr als zwanzig waren, darum planen wir jetzt, nicht mehr über 15 Personen zu gehen.“

Das System der Bezahlung funktioniere sehr simpel, erklärt Bérnard in dem Interview. Sowohl Entwickler, als auch Designer würden gleich bezahlt. Das sei ok, weil er niemals sagen könne, dass einer mehr Herzblut und Leidenschaft investiere, als ein anderer. Wenn ein Spiel ein Erfolg wird, bekommen alle den gleichen Bonus.

Schwieriger sei es mit großen Entscheidungen, zum Beispiel strategischer Natur, die Auswirkungen auf alle in der Firma haben können. Dafür gebe es Team-Meetings. Die größte Herausforderung sei es für jeden Einzelnen zu akzeptieren, dass manche Ideen angenommen werden und manche, seien sie noch so revolutionär, vom Team verworfen werden.

Wie bei anderen Entwicklerstudios auch, komme es bei Motion Twin auch zu Burnouts. Vor allem weil jeder so viel Verantwortung habe, würde sich auch nach dem Feierabend zu Hause noch alles um Motion Twin drehen. Allerdings seien die Arbeiter der Firma gut darin geworden ihre Kollegen, bevor sich ein Burnout anbahnt, nach Hause zu schicken.

“It’s obviously better to lose a few work hours than a colleague.”

“Es ist natürlich besser ein paar Arbeitsstunden zu verlieren, als einen Kollegen.“

Bisher scheint Motion Games Firmenpolitik gut zu funktionieren, schließlich sind sie schon 17 Jahre im Geschäft und allein die PC-Version ihres neuestes Spiels Dead Cells, hat sich laut GamesInsider bereits im Early Access 2017 mehr als 700.000 mal verkauft.

Der Ansatz von Motion Twin alle gleich zu bezahlen klingt viel fairer, als was wir sonst von den Arbeitsverhältnissen der Gamesbranche kennen. Denkt ihr, er hätte auch eine Zukunft für andere Entwicklerstudios?

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