Riot Games: Weiterer Mitarbeiter spricht über Sexismus-Probleme

von Sören Wetterau (29. August 2018)

Der Sexismus-Skandal um Riot Games nimmt kein Ende: Nachdem vor wenigen Wochen bereits Kotaku über tiefgehende Probleme beim "League of Legends"-Entwickler berichtet hat, legt nun ein weiterer Ex-Mitarbeiter nach. In einem Blogeintrag erklärt Barry Hawkins, warum er Riot Games nach zwei Jahren verlassen hat.

Nach neun Jahren immer noch erfolgreich: League of Legends

Hawkins hat 2012 bei Riot Games angefangen und schon in den Anfangsmonaten bemerkt, dass die Kultur innerhalb des Unternehmens an einigen Stellen unsachgemäß sei. Immer wieder hätte es in Diskussionen sexistische Äußerungen gegenüber Frauen, Vergewaltigungs-"Witze" oder sexuelle Anspielungen und Gesten unter Männern gegeben.

"Du könntest mit einem Vorgesetzten über einen Konflikt mit einem Kollegen reden, und er würde mit: 'Mann, du tust so, als hätte er Sex mit deiner Frau,' antworten. Oder jemand beginnt einen Kommentar mit: 'Jetzt zum Beispiel, wenn ich deine Frau gexxxt habe ...' und geht dann dazu über, was er eigentlich sagen wollte. Die homosexuellen Anspielungen waren Dinge wie: 'Nun, wenn er deinen Sxxxnz lutschen würde, würdest du dich deswegen besser fühlen?' oder: "Es ist nicht so, dass ich dich bitte, meinen Sxxxnz zu lutschen, aber ich wäre damit einverstanden, wenn du es tätest."

Wochen- und monatelang habe Hawkins dieses Verhalten beobachtet, ehe er versucht habe, ein sachgemäßeres Verhalten zu etablieren. Ein meistens erfolgloses Unterfangen.

Das Fass zum Überlaufen hat schlussendlich ein Firmen-Event gebracht, bei dem über den internen Rekrutierungsprozess diskutiert werden sollte. Auch Brandon Beck, einer der Mitbegründer von Riot Games, war dabei vor Ort und erzählte davon, wie er doch noch einen Bewerber umstimmen konnte. Bei den Worten "Nein heißt nicht unbedingt nein" sei es zu schallenden Gelächter der anderen Mitarbeiter gekommen, während Hawkins und ein paar Andere lieber geschwiegen hätten.

Zu dem Zeitpunkt ging Hawkins davon aus, dass diese potentielle Vergewaltigunsanalogie von Beck lediglich ein Fehltritt gewesen sei. Wenig später war der Spruch trotz allem Teil der Zusammenfassungspräsentation des Events, welche innerhalb der Firma verteilt wurde.

Treffen mit Brandon Beck

Nachdem sich zwei Mitarberinnen darüber beschwert haben, entschloss sich Hawkins dazu, eine möglichst diplomatische E-Mail an Beck zu schreiben. Diese Mail wurde, noch bevor er selbst eine Antwort erhalten hat, unter den Führungsmitgliedern geteilt. Einige davon waren der Ansicht, dass sich Riot Games dringend um "hypersensible Leute" kümmern muss. Ein Meeting mit den beiden Firmengründern und weiteren Vertretern der Kommunikations- und Rechtsabteilungen wurde einberufen.

Schon seit über 10 Jahren ist Riot Games als Entwickler aktiv:

In dem Treffen betonte Beck, dass er Vergewaltigungen auf keinen Fall unterstütze. Allerdings ging er wesentlich ausführlicher darauf ein, dass Humor nun einmal zur Kultur von Riot Games gehöre und manche Menschen schlichtweg zu sensibel seien. Würde die Firma all ihre Ecken abrunden, wäre das Unternehmen am Ende so bieder wie Electronic Arts oder Blizzard. Das solle verhindert werden. Über potentiell rechtliche Probleme wurde in dem Meeting nicht gesprochen.

Besserung? Immer noch möglich

Nach einem weiteren Treffen mit Beck hat Hawkins die Entscheidung getroffen, Riot Games zu verlassen. Ein schwieriger Schritt für ihn und seine Frau. Heute arbeitet er bei Blizzard. Seinen ehemaligen Arbeitgeber verfolgt Hawkins aber weiterhin und ist an sich davon überzeugt, dass die interne Kultur sich ändern könnte. Dies funktioniere allerdings nur, wenn sich die Führungsebene dazu bereit fühlt und mit einem guten Beispiel vorangeht.

Riot Games selbst hat sich bislang zu den Vorwürfen relativ zurückgehalten. In einem Statement heißt es jedoch, dass das Unternehmen bereits erste Schritte für eine bessere Kultur eingeleitet habe. Weitere Details dazu sollen in Zukunft folgen.

Tags: Politik  

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