THQ Nordic: PR-Manager zeigt Reue nach kontroverser Fragerunde auf 8Chan

von René Wiesenthal (Mittwoch, 27.02.2019 - 12:21 Uhr)

Eine ungeschickte PR-Aktion sorgt gerade dafür, dass Publisher THQ Nordic mit Kritik überhäuft wird. Das Unternehmen hat sich einer Frage-Antwort-Runde in einem Internetforum gestellt, das weitläufig bekannt ist für fragwürdige, explizite Inhalte. Unter anderem Kinderpornografie.

Darksiders 3 ist das aktuelle Spiel von THQ:

Gestern kündigte THQ Nordic ein so genanntes Ask Me Anything an, ein Format, das von Unternehmen und Personen des öffentlichen Lebens durchgeführt wird, um Fragen aus der Community zu beantworten. Das ist also nichts Ungewöhnliches. Problematisch daran war und ist für viele Menschen die Plattform, die das Unternehmen dafür gewählt hat. Die Seite 8Chan ist weitreichend vor allem bekannt für fragwürdige sexuelle Inhalte, die auch Kinderpornografie umfassen.

Kurz nachdem das AMA auf diesem Weg angekündigt wurde, hagelte es Kritik auf Twitter. Das veranlasste THQ Nordic dazu, etwa eine halbe Stunde später nochmals einen Tweet abzusetzen, in dem die Entscheidung erklärt wird:

„Die Gelegenheit war da und wir haben sie wahrgenommen. Man ist auf eine sehr freundliche und höfliche Art an uns herangetreten und uns wurde versichert, dass Mark [der den Kontakt aufgenommen hat, Anm. d. Red.] sich um das üble Zeug kümmern wird. Deshalb machen wir es.“

Das „üble Zeug“ ist es, worauf Kritiker nach der Ankündigung immer wieder aufmerksam gemacht haben. Denn im Fall von 8chan handelt es sich bei den fragwürdigen Inhalten um eine Liste an explizitem Bildmaterial, darunter auch illegales. Davor ist kein Internetforum gefeit, 8chan aber hat den Ruf, eine Anlaufstelle für eben solche Inhalte zu sein.

Wie verschiedene Zeitungen, unter anderem der Daily Dot in der Vergangenheit bereits mehrfach festgestellt haben, verbirgt sich hinter 8chan, das unter dem Banner vermeintlicher Meinungsfreiheit steht, eine Sammelstelle für Gamergate-Verschwörungstheorien, Rechtsextremismus und sogar Kinderpornografie. Das hat unter anderem dazu geführt, dass 8chan in der Vergangenheit von Google als gelistete Seite gestrichen wurde.

Ein Umstand, auf den auf Twitter nach der Ankündigung der Frage-Session unter anderem der englischsprachige Reporter Patrick Klepek aufmerksam machte, der damit zu einem großen Teil die Diskussionen um die Entscheidung von THQ Nordic ins Rollen brachte:

„Die Washington Post hat 8chan als gesetzlosere, freiere Fortsetzung von 4chan beschrieben, in dem unter anderem Themen wie die Vergewaltigung von Kindern diskutiert werden.“

Bilder aus einzelnen Threads von 8chan und Bedenken, die Klepek an THQ Nordic weiterleitete, führten zu der oben geteilten Erklärung und brachten das Unternehmen erst einmal nicht dazu, von dem Vorhaben abzusehen, das AMA umzusetzen. Das führte zu weiterer Kritik und Unverständnis seitens der Twitter-Community.

Und so dauerte es auch nicht lange nach dem Start des AMA, bis sich im entsprechenden Thread, in dem THQ sich User-Fragen stellte, gehäuft pornografisches Material, Nazibilder und ähnliche Inhalte auftauchten.

Das englischprachige Magazin Gamesindustry wendete sich daraufhin mit Fragen nach einer Stellungnahme an Philipp Brock, Leiter von PR und Marketing bei THQ Nordic, der beim AMA Fragen von 8chan-Usern beantwortete und erhielt folgende Erklärung:

„Ich habe dem AMA persönlich zugestimmt, ohne sorgfältig zu prüfen, um die Geschichte und die Kontroversen um die Seite zu verstehen. Ich billige keine Kinderpornografie, weiße Vorherrschaft oder irgendeine Art und Form von Rassismus. Es tut mir schrecklich leid, dass meine (!) Entscheidung so kurzsichtig war und verspreche, in Zukunft sehr viel eifriger bei der Einschätzung solcher Aktivitäten zu sein. Es ging nicht darum, provokant zu sein, das ist in die Hose gegangen und ich bereue sehr, es überhaupt gemacht zu haben.“

Nachdem Gamesindustry nachhakte, warum Brock nach der Kritik auf Twitter nicht davon abgesehen habe, das AMA durchzuziehen, sagte er:

„Ich war verdammt nochmal überwältigt von einer Fülle verschiedener Emotionen, um ehrlich zu sein. Ich bin kein White Supremacist, ich habe nichts mit Kinderpornografie am Hut, noch denke ich rückblickend, dass das AMA eine clevere Idee war. Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen.“

Wie steht ihr zu der Geschichte? Glaubt ihr, dass das Unternehmen schweren Schaden mit der Aktion genommen hat? Auf welcher Plattform hättet ihr euch lieber eine Fragerunde gegenüber THQ gewünscht? Schreibt uns eure Meinung dazu gerne in die Kommentare!

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