Videospielsucht: Laut Studie 465.000 deutsche Jugendliche Risiko-Gamer

von Tom Lubowski (06. März 2019)

Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen in Hamburg und der Krankenkasse DAK-Gesundheit gehören etwa 465.000 Jugendliche in Deutschland zu den sogenannten "Risiko-Gamern". Diese seien besonders gefährdet im Hinblick auf eine sich möglicherweise entwickelnde Videospielsucht. Auch sonst seien die Betroffenen verhaltensauffällig.

Fortnite - Battle Royale ist innerhalb der Risikogruppe besonders beliebt:

Laut Befunden der Studie sitzt jeder Vierte der etwa 465.000 Risiko-Gamer bis zu fünf Stunden an Tagen des Wochenendes vor dem Rechner oder der Konsole. Dabei seien Spiele wie Fortnite, FIFA oder Minecraft besonders attraktiv - allesamt Spiele, welche entweder einen hohen Grad an Personalisierungsmöglichkeiten, eine offene Spielwelt oder einen kompetitiven Anspruch haben.

Auffallend ist - laut Studie - zudem, dass besagte Risikogruppe weitaus mehr Geld für ihr Hobby ausgebe als verhaltensunauffällige Spieler - 1.000 Euro in sechs Monaten sind demnach keinesfalls unüblich.

Auch ein häufigeres Fehlen in der Schule oder am Arbeitsplatz, emotionale Probleme, Konzentrationsschwächen und ein erhöhtes Aggressionspotential können Auswirkungen der hohen Spielzeit sein, etwa drei Prozent der Betroffenen erfüllten darüber hinaus Kriterien der Computerspielsucht mit Entzugserscheinungen, Kontrollverlusten oder Gefährdungen.

Der Studienleiter und Suchtexperte Rainer Thomasius erklärt diesbezüglich: "Elf Prozent der 'Risiko-Gamer' fehlen innerhalb von einem Monat eine Woche oder mehr in der Schule oder Ausbildung. Das ist etwa drei Mal häufiger als bei unauffälligen Spielern." Als Grundlage für die Hochrechnung der Studie wurden insgesamt 1.000 Jugendliche zwischen zwölf und siebzehn Jahren befragt.

"Die Risiko-Gruppe ist deutlich mehr bereit, Geld für Games auszugeben", erklärte Thomasius weiter. Vermeintliche Free2play-Spiele würden betroffene Jugendliche vermehrt zum Kauf von kosmetischen Extras oder anderen Gegenständen animieren.

Aufgrund dieser Tatsache fordert Andreas Storm, Vorstandschef der DAK, nun ein deutschlandweites Verbot von Spielinhalten, welche nur durch eine lange Spieldauer oder die Investition von Echtgeld zu erhalten sind - sprich: Lootboxen. Man wolle verhindern, dass Jugendliche zu viel Zeit oder Geld in Videospiele investieren, da dies schnell zu einer Sucht führen könne, so das Urteil des Vorstandsschef.

Auch wir haben uns bereits in mehreren Beiträgen mit der Gaming Disorder befasst. So beobachtete Autor Micky etwa im Selbstversuch sein eigenes Spielverhalten und fragte sich, ob es problematisch sei.

Hinweise für Betroffene:

Solltet ihr oder Personen in eurem Umfeld einen problematischen Umgang mit Videospielen pflegen, ihr das Gefühl haben, dass infolge eures Spielverhaltens eure oder die Gesundheit anderer in Mitleidenschaft gezogen wird, habt keine Scham, euch an entsprechende Beratungsstellen zu wenden! Eine erste Anlaufstelle bietet euch die deutsche Telefonseelsorge, die ihr unter den Nummern 0800/1110111 und 0800/1110222 kostenfrei erreicht.

Gaming Disorder ist ein Thema, das man auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen sollte. Was haltet ihr denn von den Zahlen, die die Studie ausweist? Schreibt es uns in die Kommentare, wir freuen uns auf eure Meldungen.

Tags: Free 2 play  

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