Gaming Disorder: Games-Industrie bezieht Stellung zur Videospielsucht, kritisiert WHO

von René Wiesenthal (Montag, 27.05.2019 - 12:22 Uhr)

Die Gaming Disorder ist von der WHO offiziell als Krankheitsbild anerkannt. Damit können Ärzte auch in Deutschland künftig eine entsprechende fachliche Diagnose stellen. Ganz zum Ärger der Spieleindustrie. Deren Vertreter äußern sich öffentlich kritisch zur Anerkennung der Krankheit.

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Vor kurzem wurde bekannt, dass die Weltgesundheitsorganisation (kurz WHO) die so genannte Gaming Disorder offiziell als Krankheit anerkennt. In der nächsten Fassung des internationalen Index zur Klassifizierung von Krankheiten, dem ICD-11, wird die Videospielsucht enthalten sein. Am 1. Januar 2022 tritt diese planmäßig in Kraft.

Für viele Menschen mit psychischen Leiden kann das eine Chance sein, eine angemessene Diagnose und Behandlung zu erhalten. Kritiker befürchten durch diesen Schritt jedoch eine pauschale Stigmatisierung von gesundem, aber häufigem Spielekonsum. Einer dieser Kritiker ist der Videospielbranchenverband IGEA - die Interactive Games & Entertainment Association.

In einem gemeinsamen Statement mit der amerikanischen ESA, der europäischen ISFA, einer kanadischen, einer südkoreanischen Vertretung und eines Verbands des Vereinigten Königreiches heißt es:

Es gibt eine wichtige Debatte unter Experten über die Entscheidung der WHO. Wir sind besorgt, sie könnte ihren Entschluss ohne einen Konsens aus akademischen Kreisen gefasst haben. Die Konsequenzen dieser Entscheidung könnten weitreichend und unbeabsichtigt sein und denen schaden, die ernsthaft Hilfe brauchen.

Dem Branchenverband sei daran gelegen, die Gesundheit von Spielern zu wahren. Jedoch nicht, indem Gaming Disorder als Krankheitsbild beschrieben wird. So sagt das Statement weiter:

Wir ermutigen zu und unterstützen gesundes Spielverhalten durch Bereitstellung von Informationen und Hilfsmitteln wie elterliche Kontrollen, die Milliarden an Menschen weltweit darin bestärken, ihr Spielverhalten zu regulieren und um sicherzustellen, dass es genussvoll und bereichernd bleibt. So wie mit allen guten Dingen im Leben ist das Maß entscheidend, und die richtige Balance zu finden, ist ein essenzieller Teil sicheren und sinnvollen Spielens.

Renés Kommentar zur Nachricht findet ihr hier: "Gaming Disorder: Die Spieleindustrie redet ein großes Problem klein"

Hinweise für Betroffene:

Solltet ihr oder Personen in eurem Umfeld einen problematischen Umgang mit Videospielen pflegen, ihr das Gefühl haben, dass infolge eures Spielverhaltens eure oder die Gesundheit anderer in Mitleidenschaft gezogen wird, habt keine Scham, euch an entsprechende Beratungsstellen zu wenden! Eine erste Anlaufstelle bietet euch die deutsche Telefonseelsorge, die ihr unter den Nummern 0800/1110111 und 0800/1110222 kostenfrei erreicht.

Der Branchenverband sieht also nicht den Bedarf nach einer Pathologisierung von riskantem Spieleverhalten und ist der Ansicht, dass es ausreicht, Spieler durch Hilfestellung zu verantwortungsbewusstem Spielen zu motivieren und sich selbst zu regulieren. Seht ihr das ähnlich oder haltet ihr die Entscheidung der WHO für sinnvoll? Sagt es uns in den Kommentaren!

Tags: Politik  

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