Loot-Boxen: EA findet sie "ziemlich ethisch" und weist Kritik von sich

von René Wiesenthal (20. Juni 2019)

Loot-Boxen in Videospielen haben in den vergangenen Jahren eine zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Bis zu dem Punkt, an dem sogar die Politik sich ihrer angenommen und über mögliche Verbote gesprochen hat. Publisher EA – eine treibende Kraft bei der großflächigen Etablierung von Loot-Boxen – bezeichnet die Zufallskisten in einem aktuellen Statement als "ziemlich ethisch".

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Diese Aussage tätigte Kerry Hopkins, EAs Vizepräsidentin der Abteilung für Rechtsangelegenheiten, gegenüber dem britischen Komitee für Digitales, Kultur, Medien und Sport in einer gestrigen Anhörung. Zu Wort kamen hier auch zwei Mitarbeiter von Epic Games, die zu Kritik von Prinz Harry am Suchtpotenzial von Fortnite befragt wurden.

Die Vertreter der beiden Spielkonzerne wiesen die Kritik von sich. Epic Games' Canon Pence sagte, Prince Harry irre sich und seiner Einschätzung nach sei der Ansatz bei der Entwicklung von Fortnite nicht problematisch. Epic Games sei darum bemüht, mit Fortnite ein spaßiges und faires Spielprinzip anzubieten, das einen gesunden Umgang seitens der Spieler ermögliche. Dem gegenüber stehen Zahlen einer Erhebung der Krankenkasse DAK, die aufzeigen, dass knapp 500.000 Jugendliche allein in Deutschland Risiko-Gamer sind. Darunter zu einem großen Teil Fortnite-Spieler.

Auf die rechtliche Kontroverse um Loot-Boxen angesprochen, die vor allem im Zusammenhang mit Star Wars - Battlefront 2 Fahrt aufnahm, erwiderte EAs Kerry Hopkins, man bezeichne sie im Unternehmen gar nicht als solche:

Wir nennen sie Überraschungsmechaniken.

Im Weiteren verglich sie die mit zufälligen Inhalten bestückten Gegenstandskisten mit Spielwaren, deren konkrete Inhalte man durch die Verpackung nicht sehen kann – wie beispielsweise Überraschungseier:

In Spielzeugläden finden Sie Überraschungsspielzeug und werden merken, dass das etwas ist, das Menschen mögen. Sie mögen Überraschungen.

Hopkins verteidigte Loot-Boxen auch gegen den Vorwurf des Glückspiels. In Belgien und den Niederlanden wurden sie im Zuge der Kontroversen bereits von der Justiz als solche eingeordnet und bestimmte Arten von Loot-Boxen sind in diesen Ländern verboten – so dass Publisher hier in der Lokalisierung gegebenenfalls Anpassungen in den Mechaniken vornehmen müssen. Hopkins teilt diese Einstufung nicht und befindet, dass die "Überraschungsmechanismen" von EA nicht nachweislich als Glücksspiele bezeichnet werden können.

Diese Aussagen der Konzernvertreter kann man als Verharmlosung betrachten. Denn wie sich in Medienberichten immer wieder zeigt, sind es vor allem Kinder und Jugendliche, die durch die gezielt eingesetzten Zufallsmechanismen oft zu unkontrolliertem Spiel- und Bezahlverhalten verleitet werden.

Auf das Problem hin angesprochen, was EA denn davon halte, dass Drittanbieter die spielinternen Mechanismen ausnutzen können, um Items gegen Echtgeld teuer auf anderen Plattformen anzubieten, bekräftigte sie, es seien nicht die Mechanismen, die problematisch sind, sondern die Leute, die sie ausnutzen.

Tags: Politik  

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