Naughty Dog - Ehemalige Mitarbeiter berichten von extremen Arbeitsbedingungen

von Sören Wetterau (Mittwoch, 04.09.2019 - 14:54 Uhr)

Die Spiele von Naughty Dog gelten gemeinhin als Kritiker- und Fan-Lieblinge. Doch zu welchem Preis? Frühere Mitarbeiter des Entwicklers berichten von sehr harten Arbeitsbedingungen.

In spieletalks haben wir darüber gesprochen, ob man Spiele kaufen sollte, für die Entwickler gelitten haben:

Was ist passiert?

Ob Uncharted 4: A Thief's End oder The Last of Us: In den letzten Jahren war Naughty Dog überaus erfolgreich unterwegs. Allerdings, so berichten ehemalige Mitarbeiter und Contractor (quasi freie Mitarbeiter) anonym in einer Reportage der Webseite COG Connected, basiert dies auf Kosten der Arbeitsbedingungen. Von extremen Crunch-Phasen, also Tagen und Wochen in denen die Mitarbeiter unzählige Überstunden arbeiten mussten, und einer Zwei-Klassen-Gesellschaft ist die Rede.

Ein ehemaliger freier Mitarbeiter berichtet davon, dass bei Uncharted 4: A Thief's End ein normaler Arbeitstag von zehn Uhr morgens bis zehn Uhr abends gedauert hat. Hin und wieder ist es sogar vorgekommen, dass bis Mitternacht oder ein Uhr nachts gearbeitet werden musste. Zum Ende hin habe es sogar Sieben-Tage-Wochen gegeben, bei denen manche Mitarbeiter 24-Stunden-Schichten eingeworfen haben, um das Action-Spiel fertigzustellen. "Ich hatte während der großen Crunchphase acht bis neun Monate lang nicht wirklich ein Leben außerhalb der Arbeit", so der Contractor.

Wie üblich würde es zwar seitens des Managements keine Verpflichtung zu den Überstunden geben, aber sie würden dennoch erwartet werden und zuweilen sogar benötigt. Aufgrund des Contractor-Lohns, welcher nur minimal über dem Mindesteinkommen gelegen haben soll, sei man wegen der Lebenshaltungskosten vor Ort quasi indirekt dazu verpflichtet, mehr zu arbeiten.

Eine andere Quelle berichtet wiederum davon, dass vor allem der Gruppenzwang unter den Kollegen zu den Überstunden geführt hätte. So heißt es etwa wie folgt: "Gruppenzwang entsteht durch ein Team von brillanten, talentierten und engagierten Menschen, die hart an einem gemeinsamen Projekt arbeiten."

Zu guter Letzt erwähnt ein ehemaliger Mitarbeiter eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft. Für festangestellte Mitarbeiter gäbe es Yoga-Kurse und Betriebsfeiern, während die Contractor beim Catering erst später hätten dazustoßen dürfen.

Wieso ist das wichtig für euch?

Das Thema Crunch ist längst keine Neuigkeit mehr. Weder bei Naughty Dog, noch bei anderen Studios wie Rockstar Games oder Epic Games. Immer wieder kommt es meist zu anonymen Berichten über extreme Arbeitsbedingungen innerhalb der Branche, die mitunter sogar physische oder psychische Folgen nach sich ziehen.

Die zuständigen Management-Abteilungen der Entwickler erklären die hohe Crunch-Time oft mit Ehrgeiz und Leidenschaft der Angestellten. Das mag zwar durchaus vorkommen, allerdings sollten Arbeitgeber auch ihre Mitarbeiter schützen, wenn diese immer öfters von einem kaum ertragbarem Druck erzählen. In nicht wenigen Berichten heißt es schließlich sogar, dass selbst Beziehungen aufgrund der Arbeitsbedingungen kaputt gegangen seien.

Es ist daher umso wichtiger, dass man solche Berichte und Reportagen kritisch unter die Lupe nimmt und seine Meinung kundtut - auch als Spieler. Wenn die eigene Zielgruppe zur Kritik greift, ist das oftmals ein Warnzeichen für Unternehmen.

Meinung

Als Spieler übersieht man gerne die Hintergründe, wenn man gerade am 100-Stunden-Rollenspiel Spaß hat oder sich über gewisse Fehler frustriert aufregt. Das ist auch erst einmal nicht verwerflich, denn schließlich handelt es sich am Ende des Tages um Unterhaltungsprodukte.

Nichtsdestotrotz ist die Crunch-Kultur innerhalb der Branche ein zunehmendes Problem. Wenn immer mehr Mitarbeiter verbrannt werden, ist das auf gar keinen Fall ein gutes Zeichen - weder für die Studios selbst noch für die potentielle Qualität der Spiele. Womöglich wäre es besser und zukunftsträchtiger, wenn Entwickler sich wieder mehr Zeit für die Entwicklung nehmen könnten und selbst Verschiebungen nicht verteufelt werden. Gleichzeitig muss auch unbedingt ein Umdenken innerhalb der Management-Abteilungen stattfinden, und das am besten so früh wie möglich.

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