Attentat in El Paso - Politiker gibt Videospielen die Schuld an den Morden

von René Wiesenthal (05. August 2019)

Wieder erhebt ein amerikanischer Politiker im Zuge eines Amoklaufs Vorwürfe gegen Videospiele. Dan Patrick, Vizegouverneur von Texas, unterstellt der Videospielindustrie, jungen Menschen das Töten beizubringen.

spieletalks #16 Gewalt und Sex in Videospielen - ist eines schlimmer als das andere?

Was ist passiert?

Wie zahlreiche Medien am Wochenende berichteten, eröffnete ein 21-Jähriger in der texanischen Grenzstadt El Paso das Feuer auf Menschen in einem Einkaufszentrum. Nach aktuellen Berichten kamen dabei 20 Menschen ums Leben, weitere sind verletzt worden. Aus Meldungen von unter anderem der Tagesschau geht hervor, dass es sich dabei um ein Verbrechen aus Hass handelte – der Täter hatte offensichtlich rassistische Motive, sei Unterstützer von US-Präsident Donald Trump und in Foren wie 8chan bereits mit eindeutig fremdenfeindlichen und extremen Äußerungen aufgefallen. Dort habe er auch ein Manifest veröffentlicht, in dem er von einer lateinamerikanischen Invasion in Texas und vom Bevölkerungsaustausch gesprochen habe.

Dan Patrick, Vizegouverneur von Texas, äußerte sich gegenüber dem Nachrichtensender Fox News zu der Tat und verurteilte sie als böse. Im gleichen Interview stellte er einen Zusammenhang zwischen dem Verbrechen und Videospielen her, indem er unter anderem sagte:

Wie lange dauert es, [...] bis wir etwas gegen die Videospielindustrie machen können?

Konkret meint er, dass der Attentäter in dem vermeintlich von ihm stammenden Manifest beschreibe, Supersoldaten-Fantasien wie in Call of Duty auszuleben. Den Ausschnitt könnt ihr hier sehen:

Patrick fragt darin weiter:

Was hat sich verändert in unserem Land? Wir hatten immer Waffen, wir hatten immer Böses. Was hat sich verändert bei dieser Zunahme an Attentaten? Ich sehe eine Videospielindustrie, die jungen Leuten das Töten beibringt.

Wieso ist das wichtig für euch?

Die Zusammenhänge zwischen Gewalt in Videospielen und reeller Gewalt beziehungsweise Aggressionen sind ein laufendes Forschungsthema und nicht abschließend geklärt. Fakt ist, dass Spiele zwar negative Einflüsse auf Menschen haben können, Wortmeldungen wie die von Dan Patrick aber unwissenschaftlich und pauschal ausfallen. Damit werden gewalthaltige Games, und damit auch deren Spieler, allgemein stigmatisiert und pathologisiert.

Vor allem in Amerika kommt es nach Attentaten immer wieder dazu, dass Videospiele für Gewalt verantwortlich gemacht werden. Politische Vorstöße reichen dann von Steuern auf Gewaltspiele bis zu Forderungen einer generellen Kriminalisierung von brutalen Spielen.

Meinung von René Wiesenthal

Es hat sich bei mir eine traurige Routine eingestellt, wenn es um tödliche Attentate in den USA geht. Ich bin jedes Mal aufs Neue entsetzt, davon zu lesen, werde jedes Mal wütend darüber, dass die laxen Waffengesetzte in den USA so viele Opfer fordern. Gleichzeitig weiß ich augenblicklich, welche Choreographie sich in deren Folge abspielen wird: Thoughts and prayers, aufschreiende Waffengegner, rechtfertigende Lobbyisten und politischer Stillstand. Und natürlich wird ignorant und stur am bescheuerten Second Amendment, dem zweiten Verfassungszusatz, festgehalten. Und natürlich muss wieder irgendein einflussreicher Hanswurst (wie der wütende Orangene) Videospielen die Schuld geben.

Lohnt es da noch, sich ernsthaft darüber aufzuregen und den offensichtlichen Einwand zu erheben, dass Games nicht das große Problem an solchen schrecklichen Taten sind? Ich weiß es nicht – aber es muss wohl immer wieder gesagt werden, um diesen Ablenkungsversuchen nicht die Bühne zu überlassen. Deshalb sage ich es auch diesmal: Den Einfluss von Spielen auf das Aggressionsniveau zu untersuchen, ist richtig und wichtig. Aber die Menschen in den USA müssen nicht vor Videospielen beschützt werden, sondern vor Waffen. Die Frage von Dan Patrick, was sich denn verändert habe, kann ich auch gern beantworten: Ihr habt seit 2016 einen impulsiven Rassisten im höchsten Amt sitzen, der durch seine Hetze ebensolche Menschen wie den Todesschützen von El Paso anstachelt – der seine rassistische Ideologie salonfähig macht. Dieser Mensch und seine Sinnesgenossen sind, es die den Jugendlichen Hass beibringen.

Tags: Politik  

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