Ion Fury | Entwickler lassen homophoben Witz im Spiel, "weil es sonst Zensur wäre"

von Sören Wetterau (Mittwoch, 28.08.2019 - 13:32 Uhr)

Die Kontroverse rund um den Retro-Shooter Ion Fury geht in die nächste Runde. Die Entwickler haben mittlerweile ihre Meinung geändert und wollen einen Schwulen-Witz nun doch nicht entfernen. Ihrer Ansicht nach wäre das Zensur.

Ion Fury sieht aus wie ein Retro-Spiel und spielt sich auch so:

Was ist passiert

Mit Ion Fury, ehemals Ion Maiden, haben Entwickler Voidpoint und der Publisher 3D Realms vor wenigen Wochen einen klassischen Retro-Shooter im Stile von Duke Nukem 3D veröffentlicht. Während die spielerische Seite in den meisten Tests und der Nutzerbewertung überzeugt, ist der Shooter jedoch aktuell in einer unschönen Kontroverse gefangen.

Die Debatte hat ihren Lauf im offiziellen Discord-Channel von Ion Fury genommen. Dort, so zeigen es zahlreiche Bilder im Forum ResetEra, ist es zu einigen transphoben Kommentaren seitens Mitarbeitern von Voidpoint gekommen. Unter anderem stand die Aussage im Raum, dass Eltern, die ihre Kinder von Geburt an als transgender bezeichnen, "geisteskrank" seien.

Wenig später haben Spieler dann auch noch im Spiel zwei durchaus kontroverse Inhalte entdeckt, die die Debatte zusätzlich befeuert haben. So wurde etwa an einer Tür die englische Bezeichnung "Fagbag" und auf einer Seifenflasche "Ogay" entdeckt. Bei Letzterem handelt es sich um eine Anspielung auf die Gesichtspflegeprodukte der Marke Olay, nur halt mit dem Wort gay für "schwul".

Im Spiel lässt sich eine Seifenflasche mit der Bezeichnung "Ogay" finden.Im Spiel lässt sich eine Seifenflasche mit der Bezeichnung "Ogay" finden.

(Bildquelle: ResetEra)

Voidpoint und 3D Realms haben sich aufgrund der öffentlichen Debatte sowohl für die Kommentare auf dem Discord-Channel als auch für die beiden Spielinhalte entschuldigt. Die Mitarbeiter sollen zukünftig an entsprechenden Schulungen teilnehmen und die beiden Bezeichnungen im Spiel via Patch entfernt werden. Zudem werde das Team 10.000 US-Dollar (circa 9.000 Euro) an die Nonprofit-und LGBTQ-Organisation "The Trevor Project" spenden.

Eigentlich wäre damit das Thema vom Tisch, allerdings ist es nun zu einer erneuten Wendung gekommen. Über Steam haben die beiden zuständigen Studios ein weiteres Statement veröffentlicht. Aufgrund des Review-Bombings seintens der Community und den Vorwürfen, man unterwerfe sich der Zensur und sogenannten "Gutmenschen" oder "Social Justice Warriors", habe sich das Team dazu entschlossen, die "Ogay"-Flasche nicht zu ändern.

"Wir werden keinesfalls Ion Fury oder eines unserer anderen Spiele zensieren, weder jetzt noch in Zukunft, einschließlich, aber nicht beschränkt auf das Entfernen von Gags wie die umstrittene Gesichtsseife innerhalb des Spiels"

Die Spende und die Schulungsmaßnahmen sollen jedoch weiterhin umgesetzt werden.

Wieso ist das wichtig für euch

Witze auf Kosten von Minderheiten sind leider immer noch alltäglich, auch in Videospielen. Obwohl sich in der Branche in den vergangenen Jahren ein zarter Trend zum Gegenteil erkennen lässt, ist das Thema noch lange nicht begraben. Queere Spieler haben es bekanntlich in Online-Spielen nicht gerade leicht, wie unter anderem das Special "Online-Gaming: Die Erfahrungen queerer Spieler" zeigt.

Im Falle von Ion Fury treffen nun gleich zwei sehr unterschiedliche Gruppen aufeinander. Auf der einen Seite stehen die Spieler, die Respekt für Minderheiten einfordern, auf der anderen Seite die Spieler, die sich von solchen Forderungen eingeengt fühlen. Voidpoint und 3D Realms liefern ausgerechnet für diese Debatte Antworten, die genau diese Spaltung bedienen: Erst eine Entschuldigung für die Kommentare, dann nur wenige Tage später eine Entschuldigung für Teile des vorherigen Statements.

Statt also die Kontroverse ein für alle Mal zu beenden, geht die Debatte schlichtweg weiter.

Meinung

Die "Ogay"-Flasche von Ion Fury ist aus meiner Sicht an und für sich gar nicht mal das große Problem. Das lässt sich am Ende noch als wenig kreativen und unlustigen Witz (gewiss, Humor ist ein Streitthema) abstempeln, der genau zu einem 90-er Jahre Shooter passt. Wahrscheinlich hätten das sogar die meisten Spieler mit einem Schulterzucken abgehakt und es wäre nie zu einer solch brennenden Debatte gekommen.

Das wesentlich größere Problem sind für mich die Kommentare der Entwickler. Diese lassen durchaus die Rückschlüsse zu, dass es sich bei Ogay nicht nur um einen blöden Witz handelt, sondern er vielleicht wirklich homophob gemeint sei. Hierfür erhalten die Entwickler dann gerechtfertigt Kritik, die sie mit ihrem ersten Statement gut verarbeitet haben. Schade nur, dass sie mit der zweiten Entschuldigung dann wieder daneben greifen.

Toll, dass die Entwickler dennoch Geld spenden möchten und auch den Schulungsmaßnahmen teilnehmen möchten. Fraglich nur, ob dieser Lehrgang tatsächlich etwas bringt, wenn es einigen Entwicklern offensichtlich relativ egal ist.

Tags: Politik  

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