Gamergate | Bewegung instrumentalisiert Tod eines Entwicklers

von Sören Wetterau (Dienstag, 03.09.2019 - 15:11 Uhr)

Wenige Tage nach den öffentlichen Anschuldigen wegen körperlichen und emotionalen Missbrauchs beging der "Night in the Woods"-Entwickler Alec Holowka offenbar Suizid. Eine Tragödie, die von den Anschuldigungen überschattet wird und seitens gewisser Kreise instrumentalisiert wird.

Was passiert ist

Der Indie-Entwickler Alec Holowka, unter anderem beteiligt an Night in the Woods und Towerfall: Ascension, ist verstorben. Dies hat seine Schwester Eileen Mary Holowka am Samstag via Twitter bekanntgegeben, wie die englischsprachige Webseite Polygon berichtet.

"Alec Holowka, mein Bruder und bester Freund, ist heute Morgen gestorben. Alec war ein Opfer von Missbrauch und er kämpfte sein Leben lang gegen Stimmungs- und Persönlichkeitsstörungen. Ich will nicht so tun, als wäre er nicht auch dafür verantwortlich, anderen Leid zugefügt zu haben, aber tief im Inneren war er jemand, der den Menschen Fürsorge und Gutherzigkeit bieten wollte. Er brauchte eine Weile, um herauszufinden, wie das geht", schreibt Mary Holowka.

Nur wenige Tage zuvor hat ihn die Spieleentwicklerin Zoë Quinn öffentlich des körperlichen und emotionalen Missbrauchs beschuldigt. In einem Statement auf Twitter, welches zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr verfügbar ist, hatte Quinn ausführlich beschrieben, wie Holowka ihr einst sowohl physische als auch psychische Schäden zugefügt habe. Nachdem sie die Bekanntschaft zu ihm beendet habe, solle Holowka außerdem versucht haben, ihre Karriere zu beeinträchtigen. Unter anderem solle sie auf seinen Wunsch hin nicht mehr zu bestimmten Events und Indie-Messen eingeladen worden sein.

Das Entwickler-Team von Night in the Woods hatte nach den Vorwürfen die Arbeitsbeziehung zu Alec Holowka mit sofortiger Wirkung beendet. In einem ausführlicheren Statement auf Kickstarter (via Reddit) heißt es zudem wie folgt:

"Ich [Scott Benson] sage, dass genug von den Anschuldigungen äußerst plausibel sind, und wir haben fast alles durch andere Quellen gestützt."

Die Entscheidung, zukünftig nicht mehr mit Holowka zusammenzuarbeiten, sei nicht ausschließlich wegen der Anschuldigungen Quinns getroffen worden. Stattdessen sei es eine "Kombination aus vielen Dingen [...] und eigenen langjährigen Erfahrungen" gewesen.

Eileen Mary Holowka, die Schwester des Verstorbenen, die ihren Twitter-Account mittlerweile auf privat gestellt hat, ließ zudem verlauten, dass aufgebrachte Fans Zoe Quinn in Ruhe lassen sollen:

"Alec sagte ausdrücklich, dass er Zoe und allen anderen nur das Beste wünscht, also nehmt unsere Trauer nicht als Entschuldigung, um Leute zu belästigen."

Ein Wunsch, der anscheinend nicht völlig in Erfüllung geht. Zoe Quinn hat mittlerweile ihren Twitter-Account gelöscht, nachdem Anhänger der Gamergate-Bewegung die Spieleentwicklerin erneut ins Visier genommen haben. Dies berichtet der Autor A. Khaled in einem Beitrag auf Medium. Unter anderem wurden neben Beleidigungen und Drohungen Vorwürfe laut, dass Quinn diese Situation besser hätte lösen müssen.

Wieso ist das wichtig für euch?

Der Fall Alec Holowka ist in vielerlei Hinsicht eine Tragödie, die nicht hätte schlimmer enden können. Auf der einen Seite steht der Tod eines jungen Videospielentwicklers, der sich den Aussagen seiner Kollegen nach bessern wollte, und auf der anderen Seite Frauen, die nach Jahren den Mut gefunden haben, über ihre schlimmen Erlebnisse zu sprechen.

Eine Situation, die an und für sich schon schlimm genug für alle Beteiligten ist und auf die es keine einfache Antwort gibt. Außer für die Gamergate-Bewegung, die in Zoe Quinn die absolut Schuldige sieht, welche für den Tod Holowkas verantwortlich ist. Und wer ihr glaubt, der mache sich ebenso schuldig.

Anders gesagt: Die umstrittene Gamergate-Bewegung zeigt erneut ihr Gesicht, ohne dabei Rücksicht auf die Komplexität der Situation oder die Gefühle der Beteiligten zu nehmen. Das ist nicht das erste Mal, dass Gamergate-Anhänger versucht haben, Ereignisse und Phänomene in der Videospielbranche für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren.

Hinweise für unsere Leser und Leserinnen:

Sollten eure oder Gedanken von Personen in eurem Umfeld um das Thema Suizid kreisen oder dieses Thema Unwohlsein oder andere unangenehme Gefühle in euch auslösen, habt keine Scham, euch an entsprechende Beratungsstellen zu wenden! Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist für euch da. Eine gute Anlaufstelle bietet euch auch die deutsche Telefonseelsorge, die ihr unter den Nummern 0800/1110111 und 0800/1110222 jederzeit kostenfrei erreicht.

Meinung

Ehrlich gesagt fällt es bei einer solchen Geschichte schwer, die entsprechenden Worte zu finden. Es ist tragisch, dass Quinn und alle anderen Betroffenen Jahre benötigt haben, um überhaupt über ihre Vergangenheit reden zu können. Und es ist ebenso tragisch, dass ein junger und talentierter Entwickler den Tod gefunden hat.

Lasst daher die Personen trauern. Alle Beteiligten haben nun selbst mit der Situation zu kämpfen und diese zu bewältigen. Beleidigungen und Drohungen sind angesichts eines solchen Falles vollkommen fehl am Platz.

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