Attentat in Halle | Innenminister fordert strengeren Blick auf die "Gamer-Szene"

von Jascha Ihmann (Montag, 14.10.2019 - 18:21 Uhr)

Nach den tragischen Geschehnissen von Halle fordert Horst Seehofer, Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, einen strengeren Blick auf die - wie er sagt - "Gamer-Szene" zu werfen. Damit zieht er eine Menge Kritik auf sich.

Was wir bisher wussten

Am Mittwoch, dem 9. Oktober 2019, tötete ein 27-Jähriger zwei Menschen bei einem antisemitisch motivierten Attentat in der Nähe einer Synagoge in Halle. Er übertrug seine Tat live auf Twitch und löste dadurch, und durch bestimmte Aussagen, die er währenddessen tätigte, Assoziationen zu Videospielen aus. Viele Medien beschäftigte daraus folgend die Frage nach möglichen Problemen von Rechtsextremismus in Gaming-Communitys. Unter anderem widmete sich Markus Böhm für Spiegel Online der Frage, was das Attentat mit Videospielen zu tun hat - und was nicht.

Was neu ist

Horst Seehofer, seines Zeichens Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, äußert sich, in Bezug auf den tragischen Vorfall in Halle, über Videospiele in einem Interview mit "Bericht aus Berlin":

Der Innenminister spricht dabei von einer "Gamer-Szene" und, dass dieser viele Täter entspringen würden. Diese würden sich die "Simulationen" zum Vorbild nehmen. Wichtig sei es, herauszufinden, ob es sich nach wie vor um ein Computerspiel oder eine verdeckte Planung für einen Anschlag handle. Aus diesen Gründen müsse die "Gamer-Szene" mehr in den Blick genommen werden.

Auf Twitter sorgt das Interview bereits für einiges an Aufsehen. Unter anderem Felix Falk, Geschäftsführer des Verband der deutschen Games-Branche, game, meldet sich folgendermaßen dazu zu Wort:

„Die Games-Community unter einen Generalverdacht zu stellen, zeugt vor allem von Unkenntnis und Hilflosigkeit und lenkt von den wirklichen gesellschaftlichen und politischen Ursachen für solche Taten ab. Games sind längst zu einem festen Bestandteil des Alltags Millionen Deutscher geworden, fast jeder zweite hierzulande spielt.Eigentlich müsste jedem längst klar sein: So wenig wie man Filme oder Bücher für Hass und Gewalt verantwortlich machen kann, so wenig sind Games und ihre Community hierfür die Ursache. Stattdessen haben wir in Deutschland ein beängstigendes Problem mit Rechtsextremismus. Der Bundesinnenminister sollte nicht hilflos einem Medium und dessen Community die Schuld geben, sondern aktiv die gesellschaftlichen Probleme der Radikalisierung und zunehmenden Fremdenfeindlichkeit angehen, die zu solchen furchtbaren Taten wie in Halle führen.“

Der eSport-Bund Deutschland nutzt Twitter für ein kritisches Statement zur Aussage:

Auch zahlreiche Politiker aus verschiedenen Parteien äußern sich zur Aussage von Seehofer. Die Kritik ist recht einstimmig: Mit seinen Aussagen lenke der Minister von dem Problem des Rechtsextremismus ab. So beispielsweise Tiemo Wölken von der SPD:

Für viele Menschen, die Gamer sind oder sich mit dem Thema Gaming beschäftigen, haben die Aussagen von Seehofer den Beigeschmack der unsachlichen "Killerspiel"-Debatte aus den 90ern und frühen 2000ern. Kritik darf sein: Nicht wenige fordern, dass Gaming-Communitys und Betreiber solcher ihrer Verantwortung nachkommen sollen, menschenfeindliche Strömungen im Keim zu ersticken. Und im Gaming-Bereich gibt es dahingehend immer wieder Anlass für berechtigte Kritik. Jedoch erscheinen die Aussagen Horst Seehofers von Unkenntnis getrieben, was sich bereits in der Verwendung des Begriffes "Gamer-Szene" zeigt, zudem wirken sie zahlreichen Menschen sehr undifferenziert und verallgemeinernd. Dadurch entsteht der Eindruck, es wird versucht, von anderen Problemen abzulenken, die solch eine grauenhafte Tat möglich machen.

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