VR | Mutter begegnet verstorbener Tochter in einer Simulation

von Nathan Navrotzki (Montag, 10.02.2020 - 17:37 Uhr)

Im Rahmen einer koreanischen Fernsehsendung arbeitete ein Team an der Simulation eines kleinen, verstorbenen Mädchens, um es in virtueller Realität abzubilden. Vier Jahre nach dem Tod des Mädchens sieht die Mutter nun zum ersten Mal ihr Kind wieder.

Eine koreanische Mutter trifft ihre verstorbene Tochter in virtueller Realität wiederEine koreanische Mutter trifft ihre verstorbene Tochter in virtueller Realität wieder

Was wirkt wie eine Folge von Black Mirror, wurde letzte Woche in Südkorea zur Wirklichkeit: Eine Mutter trifft in der virtuellen Realität auf ihre verstorbene Tochter. Das Mädchen, Nayeon, verschied 2016 krankheitsbedingt im Alter von gerade einmal sieben Jahren, natürlich zum großen Leid der Hinterbliebenen.

Nun wurde die Familie des Mädchens ins koreanische Fernsehen eingeladen, um der Mutter ein Wiedersehen zu ermöglichen. Für die Sonderausstrahlung namens „Meeting You“ wurde das Kind über die vergangenen acht Monate komplett in 3D modelliert, mithilfe von Motion Capturing einer Kinderschauspielerin animiert und anschließend vertont. Auch der Park, in dem das virtuelle Wiedersehen stattfand, entstand nach dem Abbild eines realen Parks, in welchem Mutter und Kind oft Zeit miteinander verbrachten.

Hier seht ihr den Mitschnitt der Sendung:

Echtes Paradies oder moralisch fragwürdig?

Das Video vom Treffen zeigt die Mutter, Jang, mit VR-Brille und berührungssensitiven Handschuhen. Mit diesen streicht sie ihrer simulierten Tochter durch die Haare bevor sie aus Überwältigung in Tränen ausbricht. Die einprogrammierten Sätze des Mädchens, wie „Mama, Mama, Mama! Wo warst du?“ sind genauso herzzerreißend wie man sie als manipulativ bezeichnen könnte.

Auch bei den anderen Familienmitgliedern verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Virtualität: während die Familie das Geschehen beobachtet, kommentiert eine Schwester der Verstorbenen, dass das Mädchen anders aussieht. Ob sie versteht, was in dem Video genau passiert, ist unklar.

Auch ob das Treffen den Trauerprozess unterstützen kann oder ihn vielleicht sogar aufhält, ist für Außenstehende wohl schwer einzuschätzen. Die psychische Verarbeitung von Interaktionen wie dieser wurden in der Vergangenheit noch nicht genug erforscht, um die Auswirkung auf Betroffene einzuschätzen. Moralisch fragwürdig ist die Wiederbelebung des verstorbenen Kindes via VR damit auf jeden Fall.

Auch deswegen, weil die Verstorbene ihr Einverständnis nicht geben kann für die Worte, die ihr in den Mund gelegt werden. Dass dieser eigentlich intime Moment der Mutter mit ihrem „Kind“ im nationalen Fernsehen ausgestrahlt wird, ist ebenfalls kritisch zu betrachten. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Mutter mehr positive als schlechte Gefühle von dieser Erfahrung mitnehmen konnte. Über das Geschehene sagt sie zumindest auf Rückfrage:

„Vielleicht ist das ein echtes Paradies. Ich traf Nayeon, welche mich mit einem Lächeln rief. Es war nur für eine kurze Zeit, aber eine sehr glückliche Zeit. Ich denke, ich hatte den Traum, den ich mir immer gewünscht habe."

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