"Epic Games"-Gründer | Sorgt für Kontroverse um Politik in Games und Lootboxen

von René Wiesenthal (Freitag, 14.02.2020 - 11:57 Uhr)

Bei einer Fachtagung der Videospielbranche äußerte sich "Epic Games"-Gründer Tim Sweeney kritisch zu Lootboxen und Politik in Spielen.

Mit Fortnite hat Epic Games eines der einflussreichsten Spiele aller Zeiten geschaffen.Mit Fortnite hat Epic Games eines der einflussreichsten Spiele aller Zeiten geschaffen.

Tim Sweeney ist der Gründer von Epic Games, dem Studio hinter Fortnite, und der Schöpfer der Unreal Engine. Während einer Rede auf dem DICE Summit, einer Fachtagung der Spielebranche in Las Vegas, äußerte er sich unter anderem zum Thema Lootboxen und Politik in Games und äußerte dabei deutliche Kritik.

Sweeney: Die Branche muss erwachsen werden

Wie der Hollywood Reporter berichtet, stellte er etwa in Bezug auf Lootboxen die Frage in die Runde, was die Spieleindustrie denn werden wolle, wenn sie „erwachsen“ werde.

Wollen wir wie Las Vegas sein, mit Spielautomaten … oder wollen wir überall respektiert werden, als Hersteller von Produkten, denen die Leute vertrauen können? Ich denke, dass mehr und mehr Publisher sich von Lottboxen distanzieren werden.

Der Vergleich, den Sweeney zwischen Lootboxen und Spielautomaten in Las Vegas zieht, kommt nicht von ungefähr. So hält seit einigen Jahren eine Debatte, begleitet von Rechtsstreits, darüber an, ob Lootboxen denn als Glücksspiel zu deklarieren sind. Zuletzt haben Anwälte in Frankreich eine Klage gegen EA angestoßen, in der festgestellt werden soll, ob FIFA Ultimate Team, ein Modus aus FIFA-Spielen, illegales Glücksspiel darstellen könnte.

In diesem Zusammenhang verurteilte Sweeney während seiner Rede auch Pay2Win-Mechaniken. Seiner Ansicht nach sollten Spielehersteller keine Erfahrungen schaffen, deren Ausgang sich durch das Bezahlen von Geld beeinflussen ließen.

Sweeney: Politik raus aus Games

Im direkten Kontrast zu seiner Forderung, die Spieleindustrie müsse erwachsen werden, steht seine Kritik an Politik in Spielen. Zwar erkennt er an, dass Videospiele mittlerweile große Kommunikationsplattformen geworden sind, die mit viel Verantwortung seitens ihrer Schöpfer verbunden sind, jedoch entsteht daraus für ihn eine strittige Forderung: Politische Themen, die möglicherweise das Publikum spalten, müssten aus Spielen herausgehalten werden. Entwickler sollten sich mit ihren Spielen aus gesellschaftlichen Debatten heraushalten. So zitiert ihn IGN:

Die Welt ist ziemlich verkorkst im Moment. Mittlerweile bestimmt unsere politische Orientierung, in welches Fast-Food-Hänchen-Restaurant wir gehen – und das ist ziemlich dumm. Es gibt keinen Grund, überhaupt spaltende Themen in Videospiele zu zerren.

Dabei blendet er aus, dass jedes Spiel weitreichende politische Implikationen besitzt und als Kulturgut, das in einem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und historischen Kontext entsteht, selbst dann niemals unpolitisch sein kann, wenn der Entwickler das möchte. Der Verweis auf das Hühnchenrestaurant spielt auf die amerikanische Kette Chick-fil-A an, die in die Kritik geraten ist, weil ihre Eigentümer für Initiativen gegen die LBGTQ-Community spenden. Viele Amerikaner boykottieren die Kette deswegen.

Nachdem der Artikel von IGN online ging und Sweeneys Aussagen von Lesern und Leserinnen diskutiert wurden, äußerte sich Sweeney auf Twitter nochmals dazu:

So ginge es ihm darum, dass Entwickler politische Themen nur dann umsetzen sollten, wenn eine Absicht von Herzen käme und nicht von der Marketing-Abteilung des Unternehmens. Es solle verhindert werden, dass Unternehmen einen Profit daraus schlagen, Menschen in Lager zu spalten. Er wolle nicht, dass Produkte nur aus ökonomischen Gründen politisch werden. Betreiber von Plattformen und große Publisher sollten sich also auch nicht bei der Erstellung von Inhalten und deren politischen Implikationen einmischen.

Diese weiterführenden Erklärungen von Sweeney bleiben auf Twitter nicht frei von Kritik. So stellt ein User fest, dass auch die Aussage „keine Politik“ eine politische sei. Unternehmen sollten sich im aktuellen politischen Klima lieber genaue Gedanken über ihre politische Haltung machen, als „den Kopf in den Sand zu stecken“. Andere User weisen erneut darauf hin, dass jede Kunst auch politisch ist und Neutralität eigentlich nicht möglich sei. PC Gamer verweist in einem Artikel zum Thema auf die Probleme, die es immer wieder auf Steam gibt, weil sich Valve aus der Verantwortung zieht, klare Positionen einzunehmen. Wer die gesamte spannende Diskussion auf Twitter verfolgen möchte, kann hier im Thread nachlesen.

Was haltet ihr von den Aussagen von Sweeney zum Thema Lootboxen und zu Politik und Videospielen? In welchen Punkten stimmt ihr ihm zu, in welchen widersprecht ihr ihm? Schreibt es uns!

Tags: Politik  

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