GameStop | Mitarbeiter klagen über Druck von oben und aggressive Kundenansprache

von René Wiesenthal (Freitag, 21.02.2020 - 17:16 Uhr)

Dass es der Videospielladenkette GameStop nicht besonders gut geht, hört man seit einiger Zeit in vielen Berichten. Jedoch hält sich der Händler trotz aller Unkenrufe weiterhin am Markt. Eine aktuelle Reportage zeichnet nun aber ein verheerendes Bild vom Zustand des Unternehmens, der vor allem den Mitarbeitern zur Last wird.

Mitarbeiter klagen über die Arbeitsbedingungen bei GameStop.Mitarbeiter klagen über die Arbeitsbedingungen bei GameStop.

Veröffentlicht hat diese Reportage das Magazin Polygon. Dessen Autoren führten mehrere Interviews mit Verkäufern und Filialleitern von GameStop in Amerika, um nach deren Befinden und einer Einschätzung des Unternehmens zu fragen.

Das Bild, das sich dadurch ergibt, ist katastrophal: Geringer Umsatz, wenig Kundschaft und zu allem Überfluss ein stetig wachsender Druck aus der Management-Ebene. Aufgrund der Tatsache, dass sich der Verkauf von Videospielen immer mehr ins Netz verlagert und auch dort zunehmend auf digitale Versionen umgestiegen wird, versucht GameStop sein Sortiment immer mehr auszuweiten. In Deutschland seht ihr in Filialen wahrscheinlich immer häufiger Merchandise- und Fan-Artikel. Polygon berichtet, dass in den USA stark auf den Verkauf gebrauchter Handys gesetzt wird.

Dort worden im letzten Jahr auch bereits wegen sinkender Zahlen über 100 Angestellte entlassen. Weltweit, so berichtete Gamesindustry im September 2019, gebe es bis zu 200 Filialen, die nicht profitabel seien und daher geschlossen werden müssen.

„Ich würde gerne nicht jeden Kunden fragen, was für ein Handy er hat.“

Zu dem Druck, dem die Mitarbeiter in den Filialen in den USA ausgesetzt sind, zähle unter anderem die Anweisung, potenzielle Kunden geradezu aggressiv anzusprechen. Dazu gehöre vor allem der besagte Verkauf von Handys. Filialleiter seien dazu angehalten, einen Nachweis über mindestens 50 Preisangebote für Handys zu erbringen – fünf davon müssten erfolgreich sein.

"Wenn wir diese Unternehmensziele nicht erreichen, sind wir abgeschrieben.", berichtet ein Filialleiter.

Zeitgleich sei aus Sicht des Konzerns jeder Mitarbeiter ersetzlich – Bewerbungen würden jeden Tag zuhauf eingehen. Der damit entstehende Druck, dem Kunden immer wieder Tauschaktionen und Handykäufe anzubieten, ist nicht nur vielen Spielern unangenehm, die einfach nur in Ruhe das Sortiment begutachten wollen. Auch die Mitarbeiter hätten das gern nicht mehr. So sagt die selbe Führungskraft:

"Ich würde gerne nicht jeden Kunden fragen, was für ein Handy er hat, wer sein Anbieter ist und wie viel Speicher er auf seinem Gerät hat, damit ich ihm ein Tauschangebot machen kann, während er nach einem Spiel schaut."

Das klingt alles nicht rosig und reiht sich ein in eine Kette aus Berichten über das Unternehmen, die nachdenklich stimmen. So sehr sich manch einer gern über GameStop aufregt, so sehr sollte man sich auch immer wieder bewusst machen, dass Menschen, die dort arbeiten, dem Unternehmen vielleicht ähnlich kritisch gegenüberstehen und nicht ohne Weiteres ihren Job dort aufgeben können.

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