Videospielkultur

The Longing: Ein Adventure, das 400 Tage dauert

von Sören Wetterau (Dienstag, 18.08.2020 - 11:59 Uhr)

Klassiker der Weltliteratur lesen, warten bis Moos wächst oder einen richtig langsamen Spaziergang machen: In The Longing geht es vor allem um Zeitvertreib beim Warten.

Allzu spannend ist das Leben in The Longing auf den ersten Blick nicht.
Allzu spannend ist das Leben in The Longing auf den ersten Blick nicht.

The Longing ist eine dieser Geschichten, die nur Indie-Spiele liefern können. Das Adventure des Stuttgarter Entwicklers Studio Seufz verlangt von euch, 400 Tage auf einen schlafenden König aufzupassen. Der große Clou? Die Erzählung verläuft in Echtzeit.

The Longing: Bücher lesen und warten

Warten mag eigentlich niemand. Für den Diener im unterirdischen Höhlenreich von The Longing ist es aber die zentrale Aufgabe, denn der König entscheidet sich dazu, 400 Tage lang zu schlafen. Erst danach soll ihn der Diener und offenbar der einzige andere Bewohner des Reiches wecken. Und dann steht er da, der Diener, und fragt sich und damit den Spieler: Wie soll es jetzt weitergehen?

Obwohl es außer dem Warten keine weitere Aufgabe gibt, könnt ihr euch in The Longing durchaus vielseitig beschäftigen. Zum Beispiel im Schlafzimmer des Dieners Klassiker der Weltliteratur lesen, darunter Moby Dick oder Bücher des Philosophen Nietzsche. Teilweise sind die über 1.000 Seiten lang und werden dem Szenario entsprechend ebenfalls in Echtzeit gelesen. Das könnt ihr selbst machen oder dem Diener überlassen.

Selbst wenn ihr das Spiel beendet und den PC abschaltet, läuft die Zeit in The Longing weiter. Es gibt keinen Pauseknopf, und wer mithilfe der Systemuhr betrügen möchte, wird vom Spiel bestraft. Als Spieler könntet ihr auch einfach die Geschichte starten und nach über einem Jahr wieder reinschauen. Dann erhaltet ihr jedoch nur eines von vielen Enden. Zudem müsst ihr nicht wirklich 400 Tage in Echtzeit warten: Es gibt Möglichkeiten, den Countdown ein wenig zu beschleunigen.

Ein Adventure für geduldige Spieler

Wer hingegen spielerische Geduld mitbringt, der kann in The Longing noch mehr als nur Lesen. Es gibt im unterirdischen Reich jede Menge zu entdecken, obwohl der Protagonist sehr langsam unterwegs ist. Dazu passieren manche Dinge erst nach einiger Zeit, etwa wenn ein Stalaktit von der Decke fällt und somit Zugang zu einem neuen Gebiet ermöglicht. Oder ihr müsst erst eine Spitzhacke finden, um bestimmte Kristalle aus den Felsen zu brechen. Alternativ legt ihr einen kleinen Pilzgarten an.

Bei den Spielern kommt diese Art von Adventure sehr gut an. Auf Steam fallen 91 Prozent von 1.312 abgegebenen Nutzerbewertungen positiv aus. Die ruhige aber doch spannende Atmosphäre und das ungewöhnliche Spielprinzip werden oft gelobt.

Wir erraten aus welchem Teil von Deutschland ihr kommt, anhand der Spiele die ihr zockt

Nicht nur bei den Spielern überzeugt The Longing. Beim Deutschen Computerspielpreis 2020 hat Studio Seufz den Nachwuchspreis für das beste Debüt gewonnen. Pläne für die Zukunft des noch jungen Entwicklerstudios gibt es bislang aber noch nicht.

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