Ubisoft kann Assassin's Creed retten – mit einem radikalen Neuanfang

von Michael Sonntag (Samstag, 01.05.2021 - 11:00 Uhr)

19 Teile, 19 Zeitreisen mit Assassin's Creed – aber die Hardcore-Fans sind mittlerweile müde. Was sie brauchen, ist ein Neuanfang.19 Teile, 19 Zeitreisen mit Assassin's Creed – aber die Hardcore-Fans sind mittlerweile müde. Was sie brauchen, ist ein Neuanfang.

Was empfindet ihr, wenn ihr den Begriff "Assassin's Creed" hört? Vermutlich zuerst ein Unwohlsein, dann eine nostalgische Freude und dann wieder ein Unwohlsein. Ja, der Erfolg der Reihe ist nicht aufzuhalten, aber ihr guter Ruf ist weitesgehend wie ihr Themenbereich: Geschichte. Um Assassin's Creed wiederzubeleben, kann Ubisoft meiner Meinung nach nur eines tun: Zurück zum Anfang reisen und alle Fehler ungeschehen machen.

Assassin's Creed muss sich von seiner schwierigen Vergangenheit trennen

Mittlerweile umfasst die "Assassin's Creed"-Reihe 19 Teile und fast genauso viele Zeitalter – und Entwickler Ubisoft scheint noch lange nicht daran zu denken, die meuchelnden Zeitreisenden in den Ruhestand zu schicken. Sein Erfolgsmarsch muss dabei aber eher als "Erfolgskampf" bezeichnet werden, ein Kampf darum, alle alten und neuen Fans mit einem wachsenden Kosmos immer wieder zufriedenzustellen: Dabei schwankte AC3 bereits und ließ viele Fans enttäuscht zurück, AC Unity war zu fehlerhaft, AC Syndicate zu uninspiriert, bis AC Origins den schon lange notwendig gewesenen Neuanfang mit sich brachte. Ob das funktionierte, bewertet jeder Fan anders. Ein Neuanfang von was genau?

Seine Nachfolger AC Odyssey und AC Valhalla gelten als gute Spiele (der erste größer, der zweite fokussierter) und haben Verkaufsrekorde gebrochen, aber hört man auf die Meinungen der ältesten Fans, entfernt sich Entwickler Ubisoft seit zwölf Jahren mit jedem weiteren Meuchelabenteuer immer weiter von seinem besten Teil weg: Assassin's Creed 2 aus dem Jahr 2009, dessen DNS klar definiert war, während die jüngsten Teile alles umfassen – historische Open World, Templer, Assassinen, Meucheln, RPG, Schiffskampf, Quests, Einheiten befehligen – nur eben nicht mehr Assassin's Creed. Jeder weitere Schritt nach vorn scheint die Identitätskrise nur zu verschlimmern, also was kann noch helfen? Kurz gesagt: Ein radikaler Reboot.

Ein "Assassin's Creed"-Reboot: Ubisoft muss alle erlernten Stärken in den Ursprung einfließen lassen.Ein "Assassin's Creed"-Reboot: Ubisoft muss alle erlernten Stärken in den Ursprung einfließen lassen.

"Assassin's Creed"-Reboot: Kern nicht ersetzen, sondern verbessern

Die "Assassin's Creed"-Formel hat mittlerweile deshalb so wenig Identität, weil Entwickler Ubisoft sie in den letzten Jahren um jeden großen Gamingtrend erweitert hat, sei es nun beispielsweise die organische Welt aus Red Dead Redemption 2 oder das questgetriebene RPG aus The Witcher 3: Wild Hunt. Für das rettende Reboot muss jeglicher Fremdeinfluss gestrichen werden, der die Grund-DNA von Assassin's Creed verwässert hat. Übrig bleiben dann also: eine Verschwörungsstory, der Schattenkrieg zwischen Assassinen und Templer sowie der historische Schauplatz als spaßiges Parkour-Gelände.

Weiße Haube, weißes Blatt: Ein neuer erster Teil muss entwickelt werden, ein neues Assassin's Creed, in welchem Desmond Miles erneut über den Animus in die Erinnerungen seines Vorfahren Altaïr eintaucht, um ein mächtiges Artefakt zu erlangen. Aber hierbei sollte es nicht darum gehen, den ursprünglichen Kern bloß aufzuhübschen oder durch etwas völlig anderes zu ersetzen, sondern diesen Kern mit allen "Assassin's Creed"-eigenen Elementen aus den späteren Teilen zu verbessern. Ich zeige euch, wie das aussehen könnte:

  • Die Geschichte orientiert sich nur leicht am Original und fällt länger sowie wendungsreicher aus

  • Assassin's Creed bleibt trotz Open World stark storygetrieben, alle Quests bilden eine lange Hauptquest, es gibt keine Nebenquests, ein Areal wird nach dem anderen bereist

  • Die Open World umfasst alte und neue Städte sowie die Außenareale, aber diese sind gemäß aktueller Standards ausgebauter und detailreicher

  • Altaïr ist ein vielschichtigerer Charakter, mit Freundschaften, Feindschaften (und vielleicht einer heimlichen Beziehung), um Ezios größte Stärke zu nutzen: Persönlichkeit

  • Das Mitgliederverwaltungssytem aus AC Brotherhood muss zurückkehren und weiterausgebaut werden: Der Spieler kann andere Assassinen trainieren, mit auf Missionen nehmen oder sie auf externe Einsätze schicken

  • Gesammelte Rohstoffe können eingesetzt werden, um das Assassinenhauptquartier auszubauen

  • Das mit AC Origins eingeführte Roleplay-Element und der Skilltree müssen entfernt werden. Stattdessen erhält Altaïr mit jeder Assassinenstufe und jedem Storypunkt neue Waffen

  • Die neue Kampfmechanik mit Ausweichen und Kontern bleibt erhalten

  • Das Hauptgameplay besteht mit Abweichungen aus schleichender Assassinenarbeit: Anreise, Informationen auf verschiedene Weisen beschaffen, Planen, ein Attentat mit hohen Anforderungen durchführen (wie "Nicht entdeckt werden" oder "Keine Wachen töten" aus AC Brotherhood) und der Flucht – das alles wahlweise allein oder mit Hilfe

  • "Vermasselt" der Spieler eine Vorbereitungsmission, kann dies die finale Attentatsmission erschweren, verändern oder sogar vereiteln

  • Die Gegenwartsgeschichte außerhalb des Animus wird erweitert: Desmond kann mittels "Watch Dogs"-artiger Hacking-Missionen die Abstergo-Firma erkunden und Informationen beschaffen - und, und, und ...

Das Reboot von Assassin's Creed muss sich zwar an heutigen Grafik- und Spielweltstandards orientieren, aber im Grunde sollte es sich auf die eigentlichen Stärken von Assassin's Creed konzentrieren und sie mit über die Jahre erworbenen Nebenelementen verbessern. Oder kürzer: In Assassin's Creed spielt ihr Assassinen. Alles daran kann ausgebaut oder verbessert, nur eben nicht ausgetauscht werden.

  • Ihr mögt die modernen AC-Teile lieber als die alten? Dann solltet ihr unbedingt Assassin's Creed Valhalla ausprobieren:
Assassin's Creed Valhalla (PS4, Xbox One, PC, PS5, Xbox Series)

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11 Geheimnnisse, die nur wenige kennen

Nur mit einem radikalen Reboot kann Ubisoft alle Widersprüche und gebrochenen Versprechen ungeschehen machen und die Grund-DNS der Spielereihe wiederherstellen, auf der dann auch zukünftig Fortsetzungen entwickelt werden können, die zurecht den Namen der Reihe tragen. Das oder Ubsioft sollte einen neuen Namen etablieren, wie zum Beispiel History Wars.

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