Days Gone

Days Gone 2 abgesägt: Gamer trifft keine Schuld! (Kolumne)

von Gregor Elsholz (Montag, 26.04.2021 - 15:44 Uhr)

Days Gone wird wohl kein Sequel bekommen - sind Gamer daran schuld? (Bildquelle: Darren_Robb, Getty Images)Days Gone wird wohl kein Sequel bekommen - sind Gamer daran schuld? (Bildquelle: Darren_Robb, Getty Images)

Days Gone wird nach aktuellem Stand kein Sequel erhalten. Aber wer ist eigentlich daran schuld? Hätten Gamer das Spiel zum Release stärker unterstützen müssen?

Anfang dieser Woche gab John Garvin, ehemaliger Creative Director von Days Gone, ein vierstündiges Interview. Darin sprach er unter anderem über die Gründe für die Absage von Days Gone 2 – und sorgte für einen Shitstorm. Was ist passiert?

Garvin gab zu Protokoll, dass Gamer ein Spiel "zum verdammten Vollpreis kaufen sollten, wenn sie es wirklich liebten". Nur so sei es möglich, die Entwickler entsprechend zu unterstützen. Wenn Gamer ein Spiel erst später im Rahmen einer Rabatt- oder PS-Plus-Aktion kaufen, sollen sie sich nicht fragen, warum es kein Sequel erhält.

Es sollte niemanden, der mit dem Internet vertraut ist, überraschen, dass Garvins Äußerungen nicht auf allzu viel Gegenliebe gestoßen sind. Dabei ist sein Interview (bis auf die fast schon obszöne Länge) inhaltlich keineswegs im Olymp der Videospiel-Skandale zu verorten. Zumindest die Motivation hinter seiner Meinung ist nachvollziehbar.

Trotzdem sollten seine Aussagen diskutiert werden, da sie zwei Fragen berühren, die zu oft übergangen werden: Welche Konsum-Verantwortung kommt Gamern eigentlich zu? Und wer hat am Ende Schuld an allem?

Hier findet ihr Days Gone im "PlayStation"-Store:

Cyberpunk, Cyberpunk, Cyberpunk ...

Garvin suggeriert in dem Interview, dass Days Gone vor allem zum Release eine stärkere Unterstützung durch Gamer gebraucht hätte, um Chancen auf ein Sequel zu haben. Die These klingt zwar zunächst logisch, doch die Schlussfolgerung daraus verfehlt ihr Ziel und ignoriert eine der ärgerlichsten Sollbruchstellen in der heutigen Gaming-Industrie.

Sogenannte "Day One"-Käufe – also Käufe direkt zum Release eines Spiels – sind für Gamer in den letzten Jahren zu einer Partie Russischen Roulettes verkommen, die oft übel endet – und in jedem Fall Narben hinterlassen hat. Wie kann nach den Erfahrungen mit Cyberpunk 2077, No Man's Sky, Mass Effect: Andromeda oder Fallout 76 erwartet werden, dass überhaupt jemand jemals wieder ein Spiel am Release-Tag zum Vollpreis kaufen wird?

Diese Aussage von Garvin setzt bei Gamern nicht nur ein in Großteilen von Publishern bereits verzocktes Vertrauen voraus, sondern verkennt darüber hinaus die Beziehung zwischen Entwicklern und ihrem Publikum.

Gaming: Zocken hat einen Preis

Wer diese Beziehung zumindest im Ansatz realistisch einordnen möchte, kann nicht ignorieren, dass Gaming für viele ein teures Hobby ist – insbesondere wenn (Last-Gen)-Spiele zum Vollpreis von saftigen 70 Euro gekauft werden sollen. Für echte "Next Gen"-Spiele dagegen werden sogar teilweise noch 10 Euro mehr fällig.

Während diese Preise für viele in Kombination mit dem oben geschilderten Release-Risiko bereits Grund genug zum Abwarten sind, werden sie zusätzlich noch von Season-Passes, Lootboxen und weiteren Mikrotransaktionen unterfüttert. Als Konsequenz sollte es nicht überraschen oder als verwerflich angesehen werden, wenn sich Gamer mit dem Kauf eines neuen Spiels bis zum erstbesten Rabatt gedulden.

Allerdings erscheint es nicht nur aufgrund dieser gängigen Profit-Strategien fehlgeleitet, die Verantwortung für die Produktion eines Spiels auf die Schultern der Gamer abzuwälzen.

Gaming und Verantwortung: Am Ziel vorbeigeschossen

Die Verantwortung für den Output eines Unternehmens an die Konsumenten abzuschieben, ist in unserer Gesellschaft leider weit verbreitet. Es wird in vielen Bereichen als Argument für Projekte genutzt, die sich Kritik gegenüber sehen – von der fehlenden PlayStation-Abwärtskompatibilität, über unnötige "Star Wars"-Filmfortsetzungen bis hin zur kurzlebigen European Super League.

Es wird dann gern argumentiert, dass Fans etwas eben so wollen oder nicht wollen und Unternehmen damit dem Wunsch der Öffentlichkeit folgen. Dabei nutzen diese einfach nur bestehende strukturelle Mängel und Probleme in ihren jeweiligen Systemen aus und reichen die Verantwortung und Schuld für eine mindestens kontroverse Entscheidung an ein hilfloses Publikum weiter.

Dass in der Gaming-Branche ebenfalls strukturelle Probleme schwelen, ist weitläufig bekannt. Insbesondere zwischen Entwicklern und Publishern gibt es mit Crunch-Kultur, falschen Marketing-Versprechen, unrealistisch angesetzten Ansprüchen und einseitigen Verträgen diverse strukturelle Risse, die für Frust und Schlimmeres sorgen – und Einfluss darauf haben, ob ein Spiel produziert wird beziehungsweise ein Sequel erhält.

Es ist aus diesen Gründen nicht sinnvoll oder hilfreich, die Verantwortung für solch ein kaputtes System an die Konsumenten abzutreten. Dies lenkt nur den Blick von den tatsächlich Verantwortlichen ab: den Unternehmen, in diesen Fällen milliardenschwere Publisher.

Gamer als Konsumenten: Keine Aktion ohne Reaktion

All dies soll jedoch nicht verschleiern, dass wir uns als Gamer unserer Rolle innerhalb der Branche bewusst sein sollten. Unsere Aktionen, wie zum Beispiel Kommentare, Bewertungen und Vorbestellungen, finden nicht im Vakuum statt, sondern werden von Entwicklern und Publishern ausgewertet und zur Orientierung genutzt. Deswegen lohnt es sich in jedem Fall, den eigenen Konsum zu analysieren und zu hinterfragen.

Ein mögliches Sequel durch spekulative "Day One"-Käufe zu erzwingen, liegt hingegen nicht in unserem Verantwortungsbereich. Doch auch andere Wege könnten Erfolge bringen: Kürzlich wurde eine Petition gestartet, die Sony in Bezug auf Days Gone 2 doch noch zum Umdenken bringen soll. Bisher haben bereits knapp 70.000 Gamer unterschrieben.

Auch wenn es trotzdem unwahrscheinlich ist: Es wäre eine schöne Geschichte, wenn diese Petition ein "Days Gone"-Sequel erwirken könnte. Wer es dann wirklich nicht abwarten kann, darf sich die Fortsetzung natürlich auch zum verdammten Vollpreis am Release-Tag holen. Alle anderen könnten ohne Weiteres auf die ersten Rabatt- oder PS-Plus-Aktionen warten.

Welcher Publisher wärt ihr? Findet es in unserem Test heraus!

Was ist eure Meinung zu den Aussagen von John Garvin? Wie nehmt ihr eure eigene Konsumenten-Verantwortung wahr? Besucht uns auf unserer Facebook-Seite und schreibt uns dort eure Meinung in den Kommentarbereich!

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