The Outer Worlds

Autsch! Fallout-Entwickler zeigt ganz genau, warum Game-Trailer lahm sind

von Mandy Strebe (Dienstag, 15.06.2021 - 13:36 Uhr)

Die "The Outer Worlds"-Macher räumen in ihrem neuen E3-Video lustig mit Trailer-Klischees auf.
Die "The Outer Worlds"-Macher räumen in ihrem neuen E3-Video lustig mit Trailer-Klischees auf.

Die E3 lockt gerne mit dramatischen Trailern, die oftmals nicht die Substanz wiedergeben, die das gezeigte Spiel zum aktuellen Stand hat. Entwickler Obsidian nutzt diesen Umstand für sein neu angekündigtes The Outer Worlds 2 und beschreibt mit viel Komik ein großes Problem, dass ich mit Trailern und Events wie der E3 habe.

The Outer Worlds 2: Selbstironie und brutale Ehrlichkeit

Wer die Macher hinter The Outer Worlds oder auch Fallout: New Vegas kennt, weiß, dass Humor ein wichtiger Bestandteil in diesen Spielen ist. Es wird sich selbst nicht zu ernst genommen und genau diese Selbstironie macht sie so herrlich sympathisch.

Auf der E3 heißt es Auffallen um jeden Preis. Jeder Entwickler, jeder Publisher möchte natürlich aus der Masse herausstechen und sein Baby gut präsentieren. Oftmals ist es nur eine knappe Minute, die darüber entscheidet, ob die Spieler und Presse ein Spiel lieben oder gleich zerreißen. Wie bei dieser E3 schon bei Stranger Paradise: Final Fantasy Origin passiert.

Wer des Öfteren Reveal-Trailer und Presse-Events wie die E3 verfolgt, bekommt ein geschultes Auge und die nötige Erfahrung, um schnell einschätzen zu können, ob uns die Entwickler hier wieder einen generischen Trailer vorsetzen, der große Erwartungen schüren soll, oder ob das Gezeigte ohne die Effekt- und Trailer-Trickkiste auskommt, weil das Gameplay und die Komposition des Trailers alleine überzeugen.

Obsidian Entertainment hat jetzt ein erfrischendes Mittel gewählt, um aus der Masse der teilweise sehr guten, aber sehr ähnlichen Trailer herauszustechen. Einfach dadurch, dass sie euch einen 08/15-Trailer bescheren, aber sich dessen sehr wohl bewusst sind und mit dem Durchbrechen der 4. Wand darauf aufmerksam machen. Sie wissen ganz genau, dass sie – bis auf den Namen – noch nicht viel zu The Outer Worlds 2 vorzustellen wissen und geben das erfrischend ehrlich zu.

Schaut euch den besagten Trailer zum "The Outer Worlds"-Nachfolger in diesem Video einfach einmal selbst an:

The Outer Worlds 2: Erster Teaser-Trailer

Mein Problem mit (E3)-Enthüllungen: Das Event wird größer als die Spiele

Im Vorfeld der E3 konnte ich mich nicht wirklich auf das Event freuen. Meine Erwartungen waren niedrig und ich war mir sehr sicher, dass mich keine Überraschung erwarten würde. Und bis zum jetzigen Zeitpunkt hat sich das leider bewahrheitet. Das hat mehrere Gründe.

Wer etwas länger als Gaming-Redakteur/in unterwegs ist, hat dementsprechend viel gesehen. Es vergeht kein Tag an dem Pressemeldungen, Reveal-Trailer oder heiße Neuigkeiten mein Hirn passieren.

Im Überfluss dieser Informationen fängt jede/r mit gewissen Erfahrungen an zu selektieren. Es entwickelt sich eine geschulte Intuition, die die Marketingtricks der ganz großen Spieler auf dem Feld entschlüsseln kann und somit besser erkennt, was einen wirklich erwarten wird.

Dieses Abstumpfen ist ein Henne-Ei-Problem und es trifft dabei primär erstmal niemand eine Schuld. Bin ich zu unempfänglich geworden? Oder haben die Publisher zu sehr auf die PR-Werbetrommel gehauen? Der Trailer von The Outer Worlds 2 ist ein schönes Beispiel, wie die Abgestumpftheit der Presse (oder auch sehr interessierter Spieler) durchbrochen werden kann.

Um die Wartezeit zum Nachfolger zu überbrücken, empfehlen wir euch einen Blick auf The Outer Worlds im PS Store oder auf Amazon:

The Outer Worlds | Windows 10 - Download Code

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Ein weiterer Grund ist eine Entwicklung, die ich schon seit Jahren im Triple-A-Bereich beobachten und frustriert hinnehmen muss. Videospiele zu produzieren kostet Geld, verdammt viel Geld. Große Studios und Publisher gehen große finanzielle Risiken ein, wenn sie ein Spiel entwickeln.

Demnach gehen sie bei den Ideen, die die Spiele ausmachen, weniger Risiken ein. Wir erleben ein Remake nach dem anderen, sehen die nächste Portierung geschehen und dürfen uns höchstens über einen Nachfolger einer bereits erfolgreichen Reihe oder eines Franchises freuen. Ich bin große Freundin innovativer Ideen und brauche im Gaming häufig Abwechslung. Daher fühle ich mich mit Indie-Spielen pudelwohl und blicke oft mit Skepsis auf Triple-A-Blockbuster. Das bringt mich auch zum nächsten, besonders kritischen Punkt.

Auch der typische Bwaaaaah-Sound, den wir ebenso aus Kino-Trailern kennen, kriegt sein Fett weg.
Auch der typische Bwaaaaah-Sound, den wir ebenso aus Kino-Trailern kennen, kriegt sein Fett weg.

Marketing-Rummel und falsche Versprechen

Jüngstes und prominentestes Beispiel, bei dem die Vorberichterstattung das Endergebnis völlig ruiniert hat, dürfte für viele wohl Cyberpunk 2077 sein. Aufgrund des großen Drucks von Events wie der E3 (und weiteren Gründen), scheint es bei vielen Publishern nötig geworden zu sein, das Spiel noch größer, noch auffälliger, noch geiler zu inszenieren, als es eigentlich ist.

Da werden all die Keanu Reeves und Norman Reeduses über die Bühne gescheucht und ordentlich Alarm gemacht. Und es wirkt: Alle sind begeistert, alle erwarten ein revolutionäres Spiel. Nur um am Ende mit diesen Erwartungen im Regen stehen gelassen zu werden. Das Desaster von Cyberpunk 2077 dürfte allen ja bekannt sein.

Doch CD Projekt Red ist nicht das erste Studio, das mein Vertrauen in Publisher und Entwickler erschüttert hat. In der Vergangenheit haben wir zur Genüge erleben müssen, dass Trailer aufgrund von Effekthascherei schöngefärbt wurden, nur um dann bei Release festzustellen, dass die Framerate runtergedreht wurde, die Ingame-Sequenzen doch gar nicht Ingame waren, und so weiter.

Mit dieser Vortäuschung auf großen Events wie der E3 verspielen die Macher ihre Glaubwürdigkeit. Wer drei Mal lügend "Wolf!" schreit, dem glaubt man beim vierten Mal nicht mehr.

Bitte liebe Entwickler und Publisher, nehmt euch die Zeit, ein Produkt zu schaffen, das uns begeistert und nehmt den toxischen Druck raus, auf jeden Fall etwas präsentieren zu müssen.

Natürlich sind Shows, bei denen hunderttausende Menschen zusammen gespannt vor den Bildschirmen sitzen cool, aber nicht, wenn man nach der Präsentation das Gefühl hat „Joa, da hätte ich meine Zeit auch anders investieren können (beim Zocken zum Beispiel)“. Nur des Spektakels wegen schaut sich kaum einer die E3 an. Sondern wegen der Spiele.

Wenn die großen Ankündigungen ausbleiben, dann bleiben sie eben aus. Aufgeblähte Trailer, die vorgeben, da sei etwas Bestimmtes in der Mache, nur um dann Jahre später festzustellen, dass ein völlig anderes Spiel entstanden ist, oder gar nicht mehr erscheinen wird, sorgen nur für Enttäuschung. Dünnt das Programm von mir aus aus, aber versucht mir nicht etwas zu verkaufen, was einfach nicht ist.

Ihr dürft gerne weniger zeigen, ich bin euch nicht böse, ganz im Gegenteil: Ich freue mich über mehr Substanz und weniger Trailer-Bwaaaah.

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