The Last of Us 2

Crunch-Kultur bei Naughty Dog: Die Chefs haben Angst vor der Lösung

von Gregor Elsholz (Mittwoch, 08.09.2021 - 14:17 Uhr)

Die beiden Co-Präsidenten von Naughty Dog verstehen zwar, dass Crunch ein Problem ist – mit der Lösung können sie jedoch nichts anfangen. (Bild: Sony Interactive Entertainement)
Die beiden Co-Präsidenten von Naughty Dog verstehen zwar, dass Crunch ein Problem ist – mit der Lösung können sie jedoch nichts anfangen. (Bild: Sony Interactive Entertainement)

Crunch gehört definitiv zu den größten Problemen der Gaming-Industrie. Naughty Dogs Co-Präsidenten haben sich nun zu den knallharten Überstunden der Branche geäußert – und dabei völlig das Ziel verfehlt. Ein Kommentar von Gregor Elsholz.

Naughty Dogs Co-Präsidenten Evan Wells und Neil Druckmann haben sich in einem Interview zur Crunch-Arbeitskultur und der Möglichkeit von Gewerkschaften in der Gaming-Branche geäußert. Ihre Kommentare zeugen von einer fehlgeleiteten Arbeits- und Verantwortungsauffassung und machen deutlich, warum das Problem noch immer nicht gelöst ist.

Gaming-Branche: Unzumutbare Arbeitsbedingungen

Crunch bezeichnet die Arbeitssituation bei Publishern, die meist kurz vor dem Release auftritt, in der die Angestellten absurde Überstunden gegen geringe oder keine Belohnung absolvieren müssen. Die Crunch-Arbeitskultur hat sich bei vielen Entwicklern etabliert und äußert sich in einer oft monatelangen intensiven Drucksituation innerhalb eines Team, die alle Mitarbeiter zu deutlich längeren Arbeitszeiten zwingt.

Bei Naughty Dog ist das Problem leider nur allzu gut bekannt. Vor dem Release von The Last of Us 2 wurde letztes Jahr mehrfach von untragbaren Arbeitsbedingungen bei dem Publisher berichtet: Mitarbeiter mussten oft mehr als zwölf Stunden am Tag und sieben Tage die Woche durcharbeiten. Dennoch halten Wells und Druckmann Gewerkschaften nicht für das richtige Mittel, um Crunch zu verhindern, sondern begegnen dem Thema auf enttäuschend vage Art und Weise.

Crunch Naughty Dog: Keine Lösung in Sicht?

In dem Interview zweifelt Wells an, dass Gewerkschaften eine Lösung gegen Crunch sein könnten. Er sagt, dass es manche Mitarbeiter frustrieren könnte, wenn sie nur 40 Stunden arbeiten dürften. Es gäbe Arbeiter, die von sich aus ihrer Arbeit den Feinschliff verpassen wollen würden und sie würden sich durch eine solche Lösung eingeschränkt fühlen.

Druckmann ergänzt später, dass Crunch zu komplex für eine einzige Lösung sei – es würde immer jemand auf der Strecke bleiben. Stattdessen brauche man mehrere Ansätze, um das Problem anzugehen. (Quelle: GameInformer)

Crunch: Arbeitnehmer müssen geschützt werden

Natürlich ist es immer eine sinnvolle Idee, nach mehreren Lösungen für ein Problem zu suchen. Allerdings sollte das Problem ebenfalls zuerst verstanden und danach darauf geachtet werden, nicht den zweiten oder dritten Schritt vor dem ersten zu machen.

Crunch-Kultur ist im Wesentlichen Ausbeutung von Mitarbeitern, die unter extremen Drucksituationen leiden müssen. Somit ist Crunch ohne Frage ein arbeitnehmerrechtliches Problem und die naheliegendste Lösung dafür wäre es, den Arbeitern Rechte und mehr Schutz zuzugestehen – wie es durch eine Gewerkschaft möglich wäre.

Naughty-Dog-Chefs sind Teil des Problems

Auf solch einer rechtlichen Grundlage aufbauend könnten Einzelfälle und individuelle Bedürfnisse adressiert werden, wie es von Druckmann angeregt wird. Ohne eine Gewerkschaft sind Arbeitnehmer in der Gaming-Industrie dagegen weiterhin auf das Wohlwollen ihrer Manager angewiesen. Und wie die letzten Jahre bewiesen haben, gibt es davon leider weniger als Überlebens-Ressourcen im Survivor-Modus von The Last of Us 2.

Wells zeigt genau dieses Problem mit seiner Aussage nur allzu treffend: Dem massiven Problem von Crunch-Kultur mit der Einstellung zu begegnen, dass manche Arbeiter nun einmal sehr gerne etwas länger arbeiten würden, ist herablassend und schädlich. Damit wird nicht nur die Verantwortung für ein untragbares Arbeitsklima auf die völlig falschen Schultern übertragen, sondern zusätzlich exakt die interne Stresssituation verstärkt, die die Crunch-Kultur ausmacht.

In unserem Video zeigen wir euch, was wir im August in der Redaktion zocken:

Es bleibt zu hoffen, dass Naughty Dog und die Industrie im Allgemeinen einen Weg aus der Crunch-Kultur finden. Dazu müssen in jedem Fall die Arbeitnehmerrechte gestärkt und Mitarbeiter vor exzessiven Überstunden geschützt werden – eine Gewerkschaft wäre hierfür ohne Frage ein sinnvoller Schritt.

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