Videospielkultur

China greift durch: "Unmännliche" Spiele sind bald Geschichte

von Johannes Repp (Dienstag, 14.09.2021 - 12:36 Uhr)

China sorgt mit dem Kampf gegen LGBTQ-Inhalte in Videospielen für viel Furore. (Bild: Getty Images / ajr_images).
China sorgt mit dem Kampf gegen LGBTQ-Inhalte in Videospielen für viel Furore. (Bild: Getty Images / ajr_images).

Chinas Politik bleibt in Bezug auf Videospiele weiterhin knallhart. Nachdem chinesische Kinder nur noch zu bestimmten Zeiten Online-Spiele spielen dürfen, gibt es jetzt ein weiteres Verbot. Aktuell geht es den "unmännlichen" Spielen an den Kragen.

China: "Verweiblichung und Geldanbetung" in Games sind ab sofort tabu

Die chinesische Regierung sorgt immer wieder mit ihrer Einstellung Videospielen gegenüber für Kontroversen. So trat am 1. September ein Gesetz in Kraft, das Personen im Alter von unter 18 Jahren Freitags, Samstags und Sonntags je eine Stunde Online-Gaming zugesteht. Für den Rest der Woche sind alle Server tabu.

Das Gesetz sollte der wachsenden Spielsucht in China entgegenwirken. Doch das war erst der Anfang – jetzt gehen die Behörden auch gegen "verweichlichte Männer" in den Medien vor. So wurden bereits viele Inhalte im chinesischen Fernsehprogramm zusammengestrichen, um den ideologischen Standards der Regierung zu entsprechen.

Auch den Videospielen geht es an den Kragen. Hier hat die Regierung "obszönen und gewalttätigen" Inhalten sowie "ungesunden Tendenzen wie Geldanbetung und Verweiblichung" den Kampf angesagt. Was genau das für den chinesischen Gaming-Markt bedeutet, ist noch nicht vollständig geklärt. (Quelle: tagesschau.de)

Tencent und NetEase – zwei chinesische Gaming-Giganten bedroht?

Die Regularien betreffen besonders die in China ansässigen Gaming-Firmen. Eines der größten Unternehmen ist Tencent, das Anteile an Activision Blizzard, Epic Games, Ubisoft, Paradox Interactive und vielen anderen Studios hält.

Riot Games – das Studio hinter dem MOBA-Hit League of Legends – gehört dem Gaming-Riesen sogar komplett. Und das könnte Tencent jetzt zum Verhängnis werden. In LoL outete sich beispielsweise der spielbare Charakter Varus als homosexuell.

Mittlerweile sind in vielen Spielen LGBTQ+-Charaktere vertreten, die alle von dem neuen Gesetz betroffen sein könnten. Für einige Studios könnte das bedeuten, dass für den chinesischen Markt eigene Spiel-Versionen erstellt werden müssen. Oder sie erscheinen eben nicht in China – was unter Umständen große finanzielle Verluste für das jeweilige Entwicklerstudio bedeuten kann.

Gaming-Verbote in China – was bedeutet das für euch?

Da Firmen wie Tencent eine gewaltige Marktmacht haben, könnte auch der europäische Markt von diesem Gesetz betroffen sein. Wird ein Videospiel in China unter Berücksichtigung der neuen Gesetze produziert, müsste vielleicht auch die europäische Version dieses Spiels ohne LGBTQ+-Charaktere auskommen. Für einige Games wäre das ein echter Verlust.

Stellt euch beispielsweise Life is Strange ohne die LGBTQ-Thematik vor. Das Spiel wäre ein komplett anderes. Das Studio hinter Life is Strange – Dontnod Entertainment – gehört zu 23 Prozent Tencent. Und der Gaming-Gigant könnte daran interessiert sein, auch für den chinesischen Markt "taugliche Spiele" zu produzieren.

Somit wäre es möglich, dass die Entwicklung von Spielen mit queeren Inhalten erschwert wird, um den Anforderungen des riesigen chinesischen Marktes zu entsprechen. Inwiefern wir die Auswirkungen der neuen Gaming-Gesetze tatsächlich zu spüren bekommen, bleibt aber abzuwarten.

Nach einer drastischen Einschränkung der Online-Spielzeiten für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sagt China nun den "unmännlichen Inhalten" in Film, Fernsehen und Videospielen den Kampf an. Mit der Meldung sorgten die chinesischen Behörden weltweit für viel Aufsehen. Inwiefern das Verbot den europäischen Markt beeinflussen wird, muss sich zeigen.

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