Videospielkultur

Peinlich, sexistisch und homophob: Das ZDF-Zockerhaus ist eine Blamage (Kommentar)

von Martin Hartmann (Montag, 27.09.2021 - 14:56 Uhr)

Eine neue ZDF-Serie über Gaming-Freundschaften blamiert sich mit alten Klischees. Bildquelle: Getty Images/ Ozge Emir/ ZDF
Eine neue ZDF-Serie über Gaming-Freundschaften blamiert sich mit alten Klischees. Bildquelle: Getty Images/ Ozge Emir/ ZDF

Sechs Online-Freunde, die zusammen in einem Haus leben, Videospiele spielen und witzige Aufgaben erfüllen. "Das Zockerhaus" des ZDF klingt eigentlich nach harmlosem Spaß. Umso nerviger ist es, dass die Sendung die jungen Gamer dann mit sexistischen und homophoben Klischees in Verbindung bringt.

"Das Zockerhaus": Worum geht es in der ZDF-Kindersendung?

Das Fernsehen hat es doch schon fast begriffen: Menschen aller Altersgruppen und natürlich vor allem junge Leute zocken gerne Videospiele und daran ist gar nichts falsch. Die Zeit peinlicher RTL-Berichte über die Gamescom sollte eigentlich vorbei sein. Die im September erschienene Serie "Das Zockerhaus" auf ZDFtivi blamiert sich dann aber doch wieder, indem sie diesmal keine Vorurteile über das Gaming, sondern sexistische und homophobe Klischees aufwärmt.

Der Grundgedanke der Kindersendung ist eigentlich nicht schlecht. Sechs junge Gamer im Alter von 15 bis 16 Jahren, die bisher nur online Zeit miteinander verbracht haben, ziehen zusammen ins Zockerhaus und müssen dort erproben, wie stark ihre Freundschaft in der realen Welt ist. In den acht Folgen der Serie absolvieren die drei Teams dafür sowohl online als auch analog Challenges wie Bogenschießen oder Fußball.

Eine Herausforderung im Zockerhaus: Einen hohen Turm in Minecraft bauen. Bildquelle: ZDF"
Eine Herausforderung im Zockerhaus: Einen hohen Turm in Minecraft bauen. Bildquelle: ZDF"

Glitzertattoos und Einhorn-Bettwäsche als "fiese Bestrafung"

Die Probleme fangen mit den "fiesen Bestrafungen" an, die auf das Verliererteam warten. Schon in Folge 1 sollen die Jugendlichen ihre "Zocker-Bettwäsche" durch pinke Einhorn-Bettwäche austauschen und Bilder davon an Freunde zuhause schicken. In späteren Folgen wird ihnen unter anderem aufgetragen sich die Nägel zu lackieren, Kleider und rosa Perücken zu tragen, sich Glitzertattoos ins Gesicht zu kleben oder einen Freund mit Maulsperre anzurufen und ihm sagen, dass man ihn liebt.

Und warum das alles? Die Verantwortlichen hinter der Serie glaubten wohl, dass es für Jungs nichts Unangenehmeres geben würde, als lackierte Nägel zu haben oder in einem Bett mit rosa Bettwäsche zu schlafen, weil das ja wohl nur Mädchen machen. Tatsache ist, dass daran natürlich überhaupt nichts falsch oder "unmännlich" ist. Wirklich peinlich ist stattdessen, wie "Das Zockerhaus" diese sexistischen und homophoben Klischees in einer Serie für Kinder normalisiert und auf seine Protagonisten ablädt, damit sich diese gegenseitig auslachen.

Einhorn-Bettwäsche zur Bestrafung. Die Gamer gehen cool damit um. Bildquelle: ZDF
Einhorn-Bettwäsche zur Bestrafung. Die Gamer gehen cool damit um. Bildquelle: ZDF

"Das Zockerhaus" ist verspieltes Potenzial

Ein billiger Plan, der auch noch gehörig nach hinten losgeht, denn die jungen Gamer zeigen, dass sie deutlich weltoffener sind als die Verantwortlichen hinter der Serie. Die Einhorn-Bettwäsche finden sie beispielsweise "cool" und "gemütlich". Nein, das Problem ist, dass die Aufgaben acht Folgen lang konsistent als peinliche Bestrafungen dargestellt werden, die auf einer Stufe damit stehen, Müll in der Stadt einzusammeln oder Socken mit der Hand zu waschen.

Es ist keine Verbesserung, wenn Fernsehsender zwar damit aufhören Gamer als ungewaschene und gewaltbereite Spinner darzustellen, nur um sich jetzt darüber lustig zu machen, wenn sechs Jungs "Mädchensachen" machen müssen. Dabei ist es schade, dass die Bestrafungen die wirklich schönen Momenten der Serie so entwerten, in denen die Jungs beispielsweise einen querschnittsgelähmten Gamer treffen, der mithilfe eines speziellen Controllers mit seinem Mund zockt.

Der Verein klische*esc kritisiert die schwulen- und frauenfeindlichen Botschaften der Serie ebenfalls in einem offenen Brief. Er fordert, dass die Serie eingestellt wird und die Folgen in der Mediathek gelöscht werden. Das ZDF sollte seine Idee, die Freundschaften zwischen Gamern zu zeigen jedoch nicht vollkommen aufgeben. Aber komm schont, lasst doch einfach diese dummen Klischees weg. Und noch besser: Ladet vielleicht sogar mal ein Mädchen ein.

Unsere Gaming-Tipps für den September:

Eine neue ZDF-Serie will die Freundschaft zwischen Gamern zeigen. "Das Zockerhaus" bedient sich dafür dann aber sexistischer und homophober Klischees. Beispielsweise werden die Protagonisten "bestraft", indem sie in rosa Bettwäsche schlafen müssen. Wir sagen: Auch das ZDF sollte sich dringend mit dem Gedanken anfreunden, dass die Welt sich mittlerweile weitergedreht hat und in einer besseren Zeit angekommen sein sollte. Wir hoffen, dass die Verantwortlichen etwas aus der Kritik lernen und uns endlich eine gute Serie über das Gaming liefern.

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