Videospielkultur

Zaubern in Games: "Vom ultimativen Spiel sind wir weit entfernt"

von Michael Sonntag (Mittwoch, 29.09.2021 - 12:43 Uhr)

Für Magie-Expertin Akazie existieren bereits die besten Zutaten für das ultimative Zauberer-Spiel, aber kein Entwickler hat sich bisher getraut, sie in einen Topf zu werfen.
Für Magie-Expertin Akazie existieren bereits die besten Zutaten für das ultimative Zauberer-Spiel, aber kein Entwickler hat sich bisher getraut, sie in einen Topf zu werfen.

In Videospielen könnt ihr nahezu alles tun: das Universum retten, eine Tankstelle führen – oder auch eine Ziege steuern. Was allerdings Zauberer und Hexen angeht, tauchen sie zwar überall auf, aber das Spiel, das ihnen wirklich würdig wird, existiert noch nicht. Das findet zumindest Akazie, eine Expertin für magische Videospiele, mit der wir über ihre Suche nach der ultimativen Magie-Offenbarung gesprochen haben. Die Zutaten wären bereits da.

Von Harry Potter bis Skyrim: "Es fühlt sich selten magisch an"

Zauberei, Tränke, übernatürliche Wesen – wo ein Fantasy-Spiel entwickelt wird, darf die Magie nicht fehlen. Für Zauberer-Fans wie Akazie bleiben die meisten dieser Auftritte allerdings enttäuschend. Sie versteht nicht, warum die Entwickler das magische Feld so langweilig behandeln, da laut ihr so viel mehr möglich wäre.

Hexen und Zauberer kommen oft in Spielen vor, aber dann sie sind meistens nur Kämpfer mit besonderen Fernkampf- oder Beschwörungsangriffen, eben irgendeine Rollenspielklasse wie der Schwertkrieger oder der Dieb. Die Magie selbst wird dabei immer nur sehr oberflächlich behandelt. Für mich bedeutet Magie aber, Zugang zu einer besonderen Welt zu erhalten, die ganz eigenen Regeln folgt und die vor allen anderen geheimgehalten werden muss.

Die Lebensweise von Magiern umfasst für Akazie weitaus mehr Bereiche, die in Videospielen selten behandelt werden. Die perfekte Videospielmagierin stellt sie sich dagegen so vor: Eine Dorfhexe mit eigenem Laden oder eine Magierin in einer viktorianischen Stadt, die durch die Welt reist, um Zutaten zu sammeln, Experimente durchzuführen und sich in der magischen Gemeinschaft einzusetzen. Also nicht nur Magierhut tragen, sondern auch magisch leben – mit diesem Ideal als Schablone hat sich Akazie über die Jahre verschiedene Magie-Spiele angesehen und dabei viele misslungene, aber auch viele bemerkenswerte Vorstöße entdeckt.

Harry Potter, Die Sims 4 - Reich der Magie und Skyrim: Welches Spiel hat Magie wirklich verstanden?
Harry Potter, Die Sims 4 - Reich der Magie und Skyrim: Welches Spiel hat Magie wirklich verstanden?
  • Die "Harry Potter"-Spiele

Dieses Franchise hat sich im Gegensatz zu allen anderen auch mit frischen Bereichen wie zum Beispiel der Ausbildung von Hexen und Zauberen beschäftigt. Die Spiele selbst sind leider durch ihre Filmvorlage zu stark eingeschränkt. Im Gegensatz zu den späteren Teilen, wo es nur noch ums Kämpfen geht, konnte ich in den frühen Adventure-Teilen zumindest – ja, das mag Nostalgie sein – noch viel mehr die magische Welt erkunden und auch Geheimwege entdecken. Das gibt dem Ganzen ein unglaubliches Spielgefühl.

  • Die Sims 4: Reich der Magie (Gameplay-Erweiterung)

Ja, mit Die Sims 4 ist das so eine Sache. Es sieht zwar alles magisch aus, aber es fühlt sich nicht magisch an. Zaubersprüche sind in erster Linie nur Fähigkeiten, die das Bedürfnis-Spiel vereinfachen, also quasi Cheats. Die magische Welt selbst ist nur eine kleine, hübsche Location, genauso wie der Stadtpark. Das Grundproblem ist aber, dass Die Sims die falsche Bühne für Magie ist. Es bleibt im Kern immer noch die witzige Lebenssimulation und das macht es unglaublich schwer, das Magische wirklich ernst zu nehmen.

  • The Elder Scrolls 5: Skyrim

Skyrim ist ein guter Anfang, auch wenn Bethesda leider mit der Akadamie von Winterfeste abseits der Kampagne überhaupt nichts macht. Vor allem, wenn hier bestimmte Quests nie fertiggestellt worden sind. Aber: Auch wenn es sich nur um ein kleines Gameplay-Element handelt, bildet das Tränkebrauen ein absolutes Highlight für mich. Das Experimentieren mit Zutaten und Entdecken von Effekten entspricht genau dem, was ich meine. So kann ich meine Roleplay-Hexe spielen, weil ich eine persönliche Motivation habe, durch die Welt zu reisen. Skyrim wäre eine gute Vorlage für das Traumspiel.

Von Potion Craft bis Hogwarts Legacy: "Es ist nicht weit genug gedacht"

Nachdem lange Zeit keine neuen Magie-Videospiele mehr erschienen sind, überraschte Entwickler niceeplay games nun im September die Spieler mit Potion Craft: Alchemist Simulator, das prompt auch die Steam-Charts stürmte. Jetzt steht die Magie plötzlich ganz im Fokus: Ihr sollt Zutaten sammeln und Tränke für eure Kundschaft brauen. Wir haben Akazie gefragt, wie nah dieses Spiel an das ultimative Magie-Spiel heranreicht.

Zunächst: Die Grundidee ist cool. Das Handeln mit den Leuten macht Spaß, auch wenn es immer dieselben Leute und Probleme sind. Das Brauen selbst mag auf den ersten Blick kompliziert aussehen, aber dahinter verbirgt sich leider nur ein Minispiel, in dem die Spieler sich mit Zutaten als Straßen (hoch, runter, links, rechts) auf einer Map zu den fertigen Tränken bewegen. Es lässt mich nicht experimentieren oder Fehler machen, es übernimmt die ganze Arbeit. So simuliert es, dass es extrem einfach wäre, Tränke zu brauen, und so stelle ich mir das nicht vor.

Ein schönes Magie-Spiel zum Entspannen, aber Akazie hätte sich mehr Herausforderung gewünscht:

Zaubern, Fliegen, Tränke brauen – Akazie wünscht sich in Spielen mehr Magie-Bereiche und vor allem eine bessere Gameplay-Einbettung, das am Ende auch für das spezielle Spielgefühl sorgt. Ihre nächste Hoffnung ist das für 2022 angekündigte Hogwarts Legacy, das sich glücklicherweise nicht mehr strikt an Vorlagen halten muss, auch wenn Akazie der alleinige Fokus auf Hogwarts Sorgen macht. Sie fragt sich, wann sich endlich ein Spiel nicht mehr nur einem Teil, sondern der gesamten magischen Welt annimmt. Alle Zutaten zusammen würden das ultimative Spiel ergeben.

Das ultimative Spiel wäre ein Magier-Roleplay-MMO. Die Schule ist der Start und danach geht es in die Welt, mit einem von vielen Berufen. Ihr müsstet euch vor den Nicht-Magischen (also den NPCs) verstecken und im Falle des Auffliegens eure Zelte abreißen. Der eigene Laden, die magische versteckte Welt, die Community, das Leben als Zauberer. Ich weiß, dass das zu viel ist und dass eher Modder das umsetzen werden als Entwickler.

Aber könnte es auch sein, dass es dieses Spiel längst schon gibt und wir es einfach nicht mitbekommen haben? Jein. Tatsächlich hat das PC-Spiel Citadel: Forged with Fire aus dem Jahr 2019 diese Vorstellung weitesgehend so umgesetzt, auch wenn es laut den durchwachsenen Rezensionen an der Technik und am Gameplay scheitert. Sollte man die Hoffnung doch irgendwann aufgeben? Akazie stellt sich diese Frage nicht.

Ich freue mich über alle Versuche, auch wenn sie nicht an das Ideal heranreichen. Ehrlich gesagt - und das ist jetzt vielleicht eine steile Aussage: Die Fantasie, wozu Magie imstande sein kann, ist unendlich, während Videospiele technisch begrenzt sind. Daher kann das perfekte Spiel auch nicht existieren, aber die Suche danach macht dennoch Spaß.

Du willst keine News, Guides und Tests zu neuen Spielen mehr verpassen? Du willst immer wissen, was in der Gaming-Community passiert? Dann folge uns auf Facebook, Youtube, Instagram, Flipboard oder Google News.

  1. Startseite
  2. News
  3. Zaubern in Games: "Vom ultimativen Spiel sind wir weit entfernt"
Impressum & Kontakt Team & Jobs Datenschutzerklärung Datenschutz-Manager CO2 neutrale Website