Diablo 2: Resurrected

Diablo 2: Resurrected hat mich an den größten Fehler von Diablo 3 erinnert

von Tobias Glombik (Dienstag, 12.10.2021 - 17:35 Uhr)

Nach dem Facelift: Diablo so grauenvoll wie noch nie. Bild: Blizzard / Getty Images - francescoch
Nach dem Facelift: Diablo so grauenvoll wie noch nie. Bild: Blizzard / Getty Images - francescoch

Beinahe pünktlich zum 25. Geburtstag erhielt der Herr des Schreckens eine optische Generalüberholung, die für Klassik-Fans fast nicht hübscher hätte ausfallen können. Eine liebevolle, beinahe versöhnliche Hommage an die gute alte Diablo-Zeit, die 1996 ihren düsteren Anfang mit ausgefeilter musikalischer Untermalung eines 12-Saiters nahm und mich damals als Jugendlichen gleichermaßen fesselte und wortwörtlich erschaudern ließ. Umso mehr frage ich mich: Waren die Hürden bis dahin wirklich notwendig, Blizzard?

Aus den Ursprüngen des Diablo-Franchise

Um meiner Antwort darauf näher zu kommen, reisen wir zunächst gedanklich einen Moment lang zu meinem damaligen Ich zurück. Bereits die Demo-Version des ersten Teils bestach mit einer beklemmenden, grotesken und düsteren Utopie, die zu dieser Zeit einfach ihresgleichen suchte. Und obwohl ich bis dato noch nie von Diablo hörte, geschweige denn Bildmaterial gesehen habe, hat mich genau dieser dunkle Aspekt des Spiels von der ersten Sekunde an wahnsinnig fasziniert.

Diablo 1 hat die optische Identität der Reihe geprägt.
Diablo 1 hat die optische Identität der Reihe geprägt.

Alles wirkte so abgrundtief böse, dass ich regelrecht den Eindruck bekam, mein Rechner würde mich augenblicklich verschlingen. Da war diese negative Aura, die sich übertrug, sobald das Spiel startete. Hätte ich damals ein Headset besessen, ich hätte es nicht angerührt. Die halbaufgedrehten Boxen allein waren schon mehr als genug, um mich mitten im Inferno wiederzufinden – kein Dolby Atmos, kein DTS:X.

So nahm mein Interesse für ein Genre und natürlich vor allem für diese eine Marke in den kommenden Jahren und Jahrzehnten immer weiter Fahrt auf. Als interessierter Leser diverser Spielezeitschriften von früher verfolgte ich den Entwicklungsprozess von Diablo 2, soweit das möglich war, um später selbst abermals in die Welt von Sanktuario einzutauchen. Mit dem Sequel wurde das bekannte Erfolgsrezept auf eine neue Stufe geführt und fesselte mich über eine lange Zeit erneut ans Fegefeuer. Diesmal auch online über das noch heute genutzte Battle.net.

Blizzard: Die Comic-Schlacht in Diablo 3

Na ja, bis dann eines Tages schließlich das erste Gameplay-Material von Diablo 3 den Öffentlichkeitsweg fand. Rückblickend betrachtet war meine erste Reaktion darauf zunächst überwiegend positiv. „Endlich! Der nächste Teil steht in den Startlöchern! Wird sicher gut. Blizzard macht das schon!“, dachte ich. Aus heutiger Sicht gesehen hat mir der liebe Belial damals einen ordentlichen Grafikblender aufgetischt.

Leuchtende Farben, bestenfalls schummrige Beleuchtung. Diablo 3 ist vielen zu bunt.
Leuchtende Farben, bestenfalls schummrige Beleuchtung. Diablo 3 ist vielen zu bunt.

Nicht nur, dass die Gesamtdarstellung viel von dem eingebüßt hat, was so bezeichnend für das Franchise ist, nein, viel schlimmer: Da zwischen der Veröffentlichung von Lord of Destruction, der Erweiterung für Diablo 2 und Diablo 3 satte elf Jahre liegen, war zum einen der grafische Sprung, aber auch meine Freude über den neuen Teil so gewaltig, dass ich zu Beginn gar nicht erkannte, wie stark die optischen Änderungen zu diesem Zeitpunkt tatsächlich waren. Ehe ich mich's versah, bewegte ich meine Charaktere auch schon in einem eher farbigen, als düsteren Szenario durch die Gegend.

Frustriert darüber hat mich im Nachhinein aber vor allem die Tatsache, dass die CGIs auf der einen Seite zwar – für Blizzard typisch – hervorragend inszeniert sind, auf der anderen Seite aber eigentlich wenig mit dem echten Grafiksetting zu tun haben. Nicht nur, dass hier eine Menge visuelles Potenzial verschenkt wurde, die Entscheidung für eine Comic-Optik wird dem, wofür Diablo von Beginn an steht, nämlich dunkle und furchteinflößende Ästhetik, absolut nicht gerecht.

Spätestens beim Trailer zu Diablo: Immortal war dieser Unterschied noch deutlicher erkennbar. Auch hier ist die Diskrepanz in meinen Augen unverhältnismäßig groß. Das Blizzard mit der Ankündigung auch einen massiven strategischen Fehler gemacht hat, möchte ich an dieser Stelle aus thematischen Gründen nicht weiter kommentieren.

D2: Resurrected – Diablo ist zurück

Vergleicht man nun das Remaster von Diablo 2, wird deutlich, welche Optik Diablo 3 damals leider nicht zuteil wurde. Obwohl es die Entwickler aus Irvine zumindest geschafft haben, stellenweise eine vergleichbare auditive Atmosphäre zu erzeugen, kann der dritte Teil in Sachen visueller Aufmachung lange nicht jene bedrückend finstere Gangart von Resurrected mitgehen.

Diablo 3: RoS (s. o.) und Diablo 2: Resurrected (s. u.) im direkten Grafikvergleich. Bild: Blizzard
Diablo 3: RoS (s. o.) und Diablo 2: Resurrected (s. u.) im direkten Grafikvergleich. Bild: Blizzard

Durch die mehr als ungeschickte Darstellungswahl leidet Teil 3 vor allem an einem: Dem Verlust von Ernsthaftigkeit. Damit wirkt es schon fast wie ein farbenfroh-verblümtes Slapstickgemetzel. Möchten echte Diablo-Fans über so einen Scherz wirklich viele Jahre hinwegsehen?

Meine Meinung dazu ist eindeutig: Nein, so etwas passt nicht in ein Universum hinein, das ganz klar Angst und Schrecken verbreiten soll und Spieler in die dunkelsten Abgründe der Hölle schickt. Fans sollen das Gefühl bekommen, an einem Ort der Finsternis zu sein und nicht im Vergnügungspark um die Ecke in einer Geisterbahn für Zwölfjährige. Schon gar nicht, wenn es darum geht, haufenweise Teddybären und Einhörner in einem Regenbogenland zu töten. Diese Anspielung auf ein Level, dass es offiziell nicht gibt, lässt das Spiel endgültig zur echten Lachnummer werden – auch wenn die Idee als solche nett gemeint war.

Beide Seiten der Medaille sollten sich auf sinnvolle Art und Weise ergänzen. Genau an diesem Punkt geht die Scherre im dritten Ableger leider zu stark auseinander. Selbst die Klassik-Version von D2 hat trotz 2D-Sprites und der maximal möglichen Auflösung von damals 800x600 Bildpunkten für mich eindeutig das bessere Gesamtpaket zu bieten. Wollt ihr deutlich höhere Auflösungen realisieren, könnt ihr das sogar selbst mit einem simplen Workaround.

Dank dynamischer Lichteffekte, Echtzeitspiegelungen und neuer 3D-Modelle sieht die überarbeitete Version des Horror-Slashers nun umso besser aus und zieht in diesem dunklen Gewand endgültig davon. Wie gut D2: Resurrected tatsächlich aussieht, fällt mir vor allem über den Zoom-Modus und die Charakterauswahl auf.

Ein anderer Punkt, den ich in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen möchte, verträgt sich genauso wenig mit der Idee eines bunten Diablo. Die Rede ist von der durchaus beachtlichen Romanwelt, die das Franchise über viele Jahre hinweg aufgebaut hat. Zur Verdeutlichung ein kurzer Auszug aus dem ersten Buch der Sündenkrieg-Trilogie:

„... ein groteskes, mit abscheulichen Schuppen überzogenes Wesen. Ein Wust feurigen Gefieders anstelle von Haaren hing vom Kopf hinab [...] bis zu dem Reptilienschwanz, der zu einem tückischen Haken auslief. Anstelle von Händen sah er [Uldyssian] Klauen mit vier, statt fünf Krallenfingern. Die Füße wirkten wie gespaltene Hufe.“

Sollte euch der Launch-Trailer von Diablo 4 noch präsent sein – und das wird er – wisst ihr spätestens jetzt, um welche Antagonistin sich diese Beschreibung dreht. Nun stellt euch vor, ihr würdet exakt diese Szene in eurem Kopf ausmalen. Die wenigsten von euch würden dabei wohl an einen Cartoon-Look denken oder? Umso erstaunlicher ist es, dass Blizzard eine derartige Richtungsänderung einschlug.

Diablo 3: Das verzerrte Bild eines Klassikers

Wie ist dieser Stilbruch zu erklären? Laut damaliger Entwickleraussagen wollte man weg vom schwarzen Mittelalter-Setting hin zu einer stärkeren Fantasy-Optik. Damit verlor das Spiel quasi über Nacht aber ein großes Stück seines Fundaments, das darauf abzielte ein Element namens Horror in einer einzigartigen Weise – zum Teil bis in den Grenzbereich hinein – einzufangen.

Sicherlich spielte dabei das Thema Zugänglichkeit in mehrfacher Hinsicht eine wesentliche Rolle. Obwohl Diablo 2 ein großer Erfolg war, wollte Blizzard den Weg für weitere Spieler ebnen. Immer wieder wurde entwicklerseitig betont, dass Diablo 3 so einsteiger- und benutzerfreundlich wie möglich werden soll.

Letztlich wurden dafür gleich bei mehreren Erfolgsbausteinen die Schrauben gelockert, um das gesamte Spielkonzept deutlich stärker auf Casual-Gamer hin auszurichten – zum Unmut des Community-Kerns von Diablo 2. Zusätzlich könnte man mit diesem Vorgehen gehofft haben, einen künftigen Spielerschwund bei World of Warcraft abzufedern, was zum Release des dritten Teils bereits etwa drei Millionen weniger Abonnenten hatte. Das würde die Grafikverschiebung hin zu einem WoW-ähnlicherem Stil zumindest unterstreichen.

Dunkelheit am Ende des Lichts – Diablo 4

Wie ja bereits seit der BlizzCon 2019 bekannt ist, kamen die Entwickler – glücklicherweise – wieder zur Vernunft und gingen zumindest in puncto Grafik den, in diesem Fall, wörtlichen Weg zurück zur Finsternis. Das beliebte Medievil-Gesicht hält wieder Einzug in die Welt von Sanktuario und macht zumindest im aktuellen Entwicklungsstadium einen bislang hervorragenden Eindruck. Alleine diese Tatsache sorgte für mehre gedankliche Luftsprünge in meinem Kopf.

Diablo 4 | Mit Dreien sie kommen - Ankündigungstrailer

Diesmal soll sich vieles auch wirklich zum Besseren verändern, speziell im Vergleich zu den Fehlern des Vorgängers. Die zahlreichen Informationen und Multimedia-Inhalte machen schon jetzt ausgeprägte Lust auf mehr. Der Fehltritt mit Diablo 3 scheint – jedenfalls optisch – überstanden und der kommende Teil des Hack-and-Slash-Epos kann aus dieser Sicht schon mal gerne bei mir einziehen. Am liebsten heute noch.

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