FIFA 22

Lootboxen in FIFA 22: EA hat den Schuss nicht gehört

von Gregor Elsholz (Mittwoch, 13.10.2021 - 10:15 Uhr)

EA verteidigt die Lootboxen in FIFA mit bizarren Argumenten. (Bildquelle: Deagreez, Getty Images)
EA verteidigt die Lootboxen in FIFA mit bizarren Argumenten. (Bildquelle: Deagreez, Getty Images)

FIFAs Verwendung von Lootboxen bringt dem Fußball-Franchise konstant laute Kritik ein. Publisher EA ist sich jedoch offensichtlich immer noch keiner Schuld bewusst und versucht, das Feature mit schrägen Ausreden zu verteidigen. Eine Kolumne von Gregor Elsholz.

FIFA ist ein Spiel bei dem über 25 Millionen Spieler hinter einem Ball herjagen – und am Ende gewinnt immer EA. Das Franchise ist unfassbar erfolgreich und für den Publisher nicht zuletzt wegen der Einnahmen aus Lootboxen aus dem FIFA-Ultimate-Team-Modus extrem lukrativ.

Während die Mikrotransaktionen des Fußball-Franchises seit Jahren für völlig berechtigte Kritik sorgen, versucht sich EA immer wieder mit fragwürdigen rhetorischen Tricks aus der Verantwortung zu ziehen – und agiert dabei im Wesentlichen wie Sergio Ramos in seiner Zweikampfführung. EAs Chief Experience Officer Chris Bruzzo hat in einem Interview nun einige besonders abstruse Argumente abgeliefert, die garantiert keinen Pokal gewinnen.

FIFA 22: Lootboxen haben lange Beine

In dem Interview mit Eurogamer wird Bruzzo explizit zu den Lootbox-Mechaniken in den FIFA-Spielen befragt. Seine Haltung dazu ist wie bei einem spektakulären Fallrückzieher äußerst akrobatisch: Laut Bruzzo würden Lootboxen wie das Fußballgeschäft im echten Leben funktionieren und somit zum Realismus der Reihe beitragen.

Den Pay-to-Win-Vorwurf, der ebenfalls völlig zurecht immer wieder in Diskussionen über den FUT-Modus aufkommt, interpretiert Bruzzo dagegen kurzerhand in eine Spieler-Ermächtigung um: Gamer hätten die Wahl, Geld für (die Chance auf) bessere Spieler auszugeben – und diese Wahl sei etwas Positives.

Um seine Argumentationskette abzurunden, betont Bruzzo zudem mehrfach, dass 9 von 10 Lootboxen mit Ingame-Coins erworben werden und überhaupt nur 22 Prozent aller FIFA-Spieler reales Geld im FUT-Modus ausgeben. (Quelle: Eurogamer).

Keine Überraschung: EA verteidigt Mikrotransaktionen

Selbst mit viel Fantasie funktioniert das Transfergeschäft im Profifußball natürlich keinesfalls so, dass Manager Geld für Überraschungspakete auf den Kopf hauen und sich dann darüber ärgern, denselben, bestenfalls akzeptablen, Mittelstürmer nun schon zum fünften Mal gezogen zu haben – obwohl sie eigentlich einen linken Außenverteidiger haben wollten.

Mit den Mechanismen des echten Transfermarkts haben die Lootboxen im FUT-Modus rein gar nichts zu tun. Die einzige, realistisch nachempfundene Gemeinsamkeit ist die eklatante und rücksichtslose Geldgier, die beiden Systemen zu Grunde liegt – eine Parallele, die EA eher ungern zugeben würde.

FIFA: Lootboxen sind nicht Spieler-freundlich

Bruzzo stellt Lootboxen in dem Interview jedoch als ein positives Feature dar, von dem Spieler durch größere Wahlfreiheit und Realismus profitieren könnten – Aussagen, die angesichts der teilweise finanziell-ruinösen Konsequenzen für Gamer im echten Leben wie Hohn klingen.

Lootboxen sind und bleiben Glücksspiel-Mechaniken, die anfällige Spieler ins Visier nehmen. Daran ändert auch die Statistik nichts, dass die Mehrheit der FIFA-Spieler kein Geld für FUT ausgibt. Als ausbeuterisches System muss es schließlich nicht zwangsläufig von allen Gamern ein bisschen nehmen, sondern von einigen Wenigen besonders viel. Die einzige wirklich Spieler-freundliche Alternative für EA wäre es, auf Lootboxen zu verzichten.

Hier ist der Trailer zu FIFA 22 im Video:

Lootboxen sind in FIFA seit Jahren ein echtes Problem. EA scheint dies aber immer noch nicht anzuerkennen – in einem neuen Interview versucht der Publisher vergeblich, das Feature zu verteidigen, mit dem er jährlich riesige Summen verdient.

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