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eFootball 2022: Ex-Fußballkönig wird zum schlechten Scherz

von Jens-Magnus Krause (Dienstag, 19.10.2021 - 10:46 Uhr)

Konamis einstiges Licht am Fußball-Simulatoren-Himmel ist erloschen. Ihre Neuausrichtung von Pro Evolution Soccer verkommt zu einer echten Lachnummer. Doch nicht wegen dem Free-to-Play-Modell von eFootball 2022, sondern vielmehr, weil die Gameplay-Substanz mit diesem Teil erheblich bröckelt.

Lustige Mimik ist in eFootball 2022 nur ein kleiner Teil des Desasters. Bild: Konami, Getty Images/SIphotography.
Lustige Mimik ist in eFootball 2022 nur ein kleiner Teil des Desasters. Bild: Konami, Getty Images/SIphotography.

Gute Entscheidungen vor eFootball 2022 führen nicht zum Erfolg

eFootball 2022 ist der neueste Teil aus der spielerisch erfolgreichen Pro-Evolution-Soccer-Reihe. Auf dem Weg zu diesem neuen Markennamen, haben die japanischen Entwickler kluge und mutige Entscheidungen getroffen.

Vor zwei Jahren erschien mit eFootball PES 2020 das letzte Vollpreis-Spiel. Ein Jahr später hat Konami spielerisch alles beim Alten gelassen, aber für einen fairen Upgrade-Preis Mannschaften und Spieler aktualisiert. Das kam bei Fans gut an. Soweit - so klug.

Der Ansatz des am 30. September dieses Jahres veröffentlichten eFootball 2022 geht mutig noch einen Schritt weiter: aus Vollpreis wird Free-to-play. Clever, stehen Sportspiele doch jährlich in der Kritik, zu teuer für zu wenig neue Inhalte zu sein.

eFootball: Official Reveal-Trailer

Der Haken an der Sache: Während Konkurrent FIFA 22 in der Öffentlichkeit und auch in unserem eigenen Test gut wegkommt, versagt eFootball 2022 in jeder der folgenden Disziplinen. Leider auch dort, wo man der Konkurrenz überlegen war.

eFootball 2022 ist ein optischer „Kleckerbissen“

Die Next-Gen-Version von eFootball 2022 sieht in nahezu allen Belangen schlechter aus als die der letzten Generation vor zwei Jahren. Angefangen beim Rasen, der eine unruhige, unscharfe, matschige und hässliche Fläche ohne echte Grashalm-Struktur ist.

Noch schlimmer steht es um die Akteure auf dem Feld. Deren Mimik ist teilweise seltsam verzogen. Dort eine Grimasse wie ein Zombie, hier ein steifer, lebloser, ja beinahe schon toter Gesichtsausdruck.

Die sechs offiziell lizenzierten Stadien wissen als Gesamtkomposition zu überzeugen. Die optisch unschönen Zuschauer dagegen nicht.
Die sechs offiziell lizenzierten Stadien wissen als Gesamtkomposition zu überzeugen. Die optisch unschönen Zuschauer dagegen nicht.

Die einstige Stärke im Vergleich zur FIFA-Serie, nämlich die handmodellierten Spielergesichter, ist keine mehr. Das Gegenteil ist der Fall.

Nicht schön anzusehen sind auch die Zuschauer, die aus der Distanz eher wie zusammenhängende Farbpunkte aussehen und nicht wie individuelle Personen. Unschön anzuhören sind sie leider auch. Die eintönigen, wenigen und immer selben Fangesänge sind am besten, wenn ihr sie stumm schaltet.

(K)eine Präsentation von eFootball 2022

Der Soundtrack im Menü geht in Ordnung und täuscht den Ohren eine hohe Produktqualität vor. Wenn ihr aber eure Augen einsetzt, stellen sich eure Nackenhaare auf. Alleine das Menü wirkt so, als würde es nur mit Windows 95 mithalten müssen: graue Fenster mit schwarzem Text auf buntem Hintergrund.

Ein Mini-Trostpflaster ist die verbesserte Präsentation vor dem Anstoß. Die TV-Kameras gewähren Einblicke in die Kabine eurer Mannschaft, in der sich die Kicker gegenseitig motivieren und auf den Weg zum Spielertunnel machen. Zusätzlich gefallen die Aufwärmsequenzen eurer Fußballer vor dem Anstoß.

Ja, das ist ernst gemeint. Die Menüs von eFootball 2022 sind keine Schönheit.
Ja, das ist ernst gemeint. Die Menüs von eFootball 2022 sind keine Schönheit.

Richtige Stadionatmosphäre kommt jedoch zu keiner Zeit auf. Dafür ist es dauerhaft viel zu ruhig im Stadion. Und die altbekannten Kommentatoren Marco Hagemann und Hansi Küpper betreiben erneut phrasenhaftes Sprüche-Recycling der letzten Jahre.

eFootball 2022 verschlimmbessert sich spielerisch

Es ist nicht klar, ob die Ursache allen Übels der Umstieg von der hauseigenen Fox- auf die Unreal Engine 4 ist. Fest steht aber: die große Stärke der Spielbarkeit ist jetzt eine weitere Schwäche unter vielen.

Das verlangsamte Spieltempo fühlt sich wie eine etwas schnellere Zeitlupe an. Spätestens dann, wenn es zu leichten Slowdowns kommt. Dazu steuern sich eure Kicker im Allgemeinen schwerfällig.

In Zweikämpfen verkeilen sich die Spieler häufiger mal. Das führt zu ungewollt komischen Szenen.
In Zweikämpfen verkeilen sich die Spieler häufiger mal. Das führt zu ungewollt komischen Szenen.

Bei Drehungen im Speziellen sind die Kicker wie Schwergewichte. Bewegungen, wie Sprints oder Dribblings, sind träge und oftmals rennt ihr ins Aus, ohne dies zu wollen.

Teilweise reagieren die Fußballer nicht auf eure Controller-Eingaben oder lassen den Ball an sich vorbeirollen. Dadurch ist an ein schnelles oder überhaupt an irgendein Aufbauspiel nicht zu denken.

Selbst Pässe über fünf Meter erreichen die Mitspieler oftmals nicht. Eine Pass-Stafette hängt mehr vom Zufall ab als ein Jackpot am Spielautomaten. Und wollt ihr schnell zu einem anderen Spieler wechseln, funktioniert das auch nicht zuverlässig.

Vom Umfang her ist eFootball 2022 eine Demo

Vor der Veröffentlichung hat Konami fairerweise kommuniziert, dass die aktuelle Version 0.9 im Prinzip eine Demo-Version ist.

Die nackten Zahlen untermauern diesen Charakter: zwei Spielmodi, neun Mannschaften und sechs Stadien. Jetzt dürft ihr dabei nicht vergessen, dass das Spiel kostenlos ist, aber andere Free-to-play-Spiele bieten da deutlich mehr Umfang.

Ein Tritt gegen den Ball erinnert akustisch an eine Blechbüchse. Das Geräusch klingt wirklich billig.
Ein Tritt gegen den Ball erinnert akustisch an eine Blechbüchse. Das Geräusch klingt wirklich billig.

Offline könnt ihr in Freundschaftsspielen gegen den Computer oder einen Freund auf der Couch antreten. Leider nur mit einer kurzen Halbzeitlänge von fünf Minuten. Und leider auch nur auf zwei der eigentlich sechs Schwierigkeitsgrade: Fortgeschritten und Superstar.

Letzterer ist der höchste Schwierigkeitsgrad überhaupt. Muss man nicht verstehen diese Entscheidung. Alle anderen Optionen sind zwar da, aber ausgegraut. So drückt euch Konami das Fehlen dieser Einstellungen regelrecht ins Gesicht.

Wenig bekannte Mannschaften und rudimentäre Taktik-Einstellungen

Wer alle Original-Lizenzen erleben möchte, sollte zu FIFA 22 greifen. Immerhin sind alle neun auswählbaren Mannschaften komplett lizenziert, darunter der FC Bayern, Juventus Turin, Manchester United, Arsenal London und der FC Barcelona, sowie vier Mannschaften aus Südamerika.

Eure Spiele tragt ihr in den fünf ansehnlichen Stadien der europäischen Clubs aus oder im fiktiven eFootball-Stadion.

Eine Formation wie 4-4-2 oder 4-3-3 könnt ihr aktuell noch nicht auswählen. Ihr könnt nur mit Schnelltaktiken arbeiten.
Eine Formation wie 4-4-2 oder 4-3-3 könnt ihr aktuell noch nicht auswählen. Ihr könnt nur mit Schnelltaktiken arbeiten.

Online tretet ihr in Partien gegen menschliche Gegner aus aller Welt an. Mit voreingestellten Teams. Aber auch dieser Modus bringt wenig Freude, denn häufige Verbindungsabbrüche und lange Wartezeiten auf den nächsten Gegner frustrieren.

Nichts für Taktik-Liebhaber: Ihr könnt eure Formation aktuell nicht frei wählen. Ob ihr mit einer Dreier- oder Viererkette verteidigen oder eine Raute im Mittelfeld bilden wollt, ist nicht einstellbar. Lediglich die bekannten Schnelltaktiken wie „Konter“ oder „langer Ball“ sind auswählbar.

Wie geht es weiter mit eFootball 2022?

Konami hat bereits für Ende Oktober den ersten Patch angekündigt, der primär Probleme beheben soll. Clever, gibt es davon ja mehr als genug. Das wird dann übrigens Version 0.9.1 sein und nicht etwa 1.0.

Im Winter dieses Jahres soll dann die erste Erweiterung erscheinen. Diese soll den kostenlosen Editor für Mannschaften enthalten, ebenso den aus anderen Spielen bekannten und hier Match Pass genannten „Battlepass.“

Abgesehen von den Spielern wirken die Kabinen zu steril, kommen ihren echten Vorbildern aber nahe.
Abgesehen von den Spielern wirken die Kabinen zu steril, kommen ihren echten Vorbildern aber nahe.

Noch offen ist, wann das eigentliche Herzstück in Sachen Spielmodi erscheint. Es soll zwar wieder den Meister-Liga-Modus geben, jedoch ist noch unklar, wann er erscheint und wie viel er kosten soll.

Der Creative-Modus, als Ersatz für MyClub, soll dagegen kostenlos im Herbst erscheinen. Weitere Mannschaften sollen erst ab Winter spielbar sein.

Meinung von Jens Magnus Krause

Ich bin einfach nur fassungslos. Als PES-Spieler der ersten Stunde blutet mir das Herz. Wie hat Konami es geschafft, nach zwei Jahren Entwicklungszeit nur eine halbgare Demo zu veröffentlichen, die in nahezu jedem Bereich schlechter ist als der zwei Jahre alte Vorgänger?

Die Optik, das Gameplay und der Umfang sind trotz des Free-to-play-Konzepts einfach viel zu schlecht und wenig. Obwohl das Spiel kostenlos ist, ist es den Download nicht wert. Ein User auf Steam dazu: „Die Deinstallation funktioniert einwandfrei und schafft sogar noch 27 GB Platz.“ Da kann ich mich leider nur anschließen.

Ich bekomme es sogar mit der Angst zu tun, denn meine Sorge wächst, dass dieses epochale Desaster kurz- oder langfristig meine geliebte PES-Serie in die Bedeutungslosigkeit oder Nichtexistenz führt.

Zum Schluss möchte ich mich mit einer einzigen Frage an Konami wenden: Warum?

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