Videospielkultur

Remake-Tragödien & Co.: 7 Dinge, die mir 2021 die Gaming-Augen geöffnet haben (Kolumne)

von Nathan Navrotzki (Dienstag, 28.12.2021 - 10:00 Uhr)

Pokémon, GTA und Co. haben dieses Jahr für ordentlich Aufruhr gesorgt. (Bild: The Pokémon Company, Toby Fox, Behaviour Interactive, Rockstar Games, Gtty Images / VPanteon)
Pokémon, GTA und Co. haben dieses Jahr für ordentlich Aufruhr gesorgt. (Bild: The Pokémon Company, Toby Fox, Behaviour Interactive, Rockstar Games, Gtty Images / VPanteon)

Ein weiteres chaotisches Gaming-Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Zwischen den vielen Verschiebungen und den unzähligen anderen Skandalen rund um problematische Spiele-Publisher, verstecken sich aber auch ein paar Lehren, die wir aus dem Jahr 2021 mitnehmen können. Oder ich zumindest. Denn die folgenden sieben Punkte sind meine persönlichen Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr.

7 Lehren, die wir aus dem Jahr 2021 ziehen können

Ja, es ging dieses Jahr mal wieder drunter und drüber in Sachen Gaming. Aber: Zumindest können wir einiges daraus lernen. Ob nun positiv oder eher negativ: Das sind die Lehren, die ich für mich aus dem Gaming-Jahr 2021 ziehe.

1. Remasters sind hier, um zu bleiben

In Sachen Remasters war dieses Jahr einiges los. Ein katastrophaler Zustand von GTA Trilogy: The Definitive Edition und nur minimale Änderungen in The Legend of Zelda: Skyward Sword – solche Remasters mit Minimalaufwand häufen sich immer mehr.

Und selbst Remakes sind nicht immer so qualitativ hochwertig wie im Falle von Final Fantasy 7 aus dem vorherigen Jahr. Pokémon: Strahlender Diamant und Leuchtende Perle haben dieses Jahr klar gezeigt: Entwicklerstudios müssen sich keine große Mühe mit ihren Neuauflagen von alten Kamellen machen. Gekauft wird es nämlich sowieso.

Da Publisher sich so – ohne viel Aufwand – eine goldene Nase verdienen, wird dieser Trend wohl auch noch eine Weile anhalten.

2. Online-Communities sind tatsächlich toxisch

Hättet ihr nicht gedacht, oder? Nein, im Ernst. Eigentlich bin ich eher so der typische Single-Player. Dieses Jahr war jedoch das erste Mal, dass ich so richtig tief in ein Online-Multiplayer-Game abgetaucht bin – und zwar in Dead by Daylight. Und zu niemandes Überraschung musste ich leider feststellen: Gamer können echt toxisch sein und den Spielspaß mindern.

Anfangs hatte mich im Chat niemand angemeckert, wenn ich als Anfänger mal Mist gebaut hatte. Doch schon bald kamen die ersten Beleidigungen, wenn ich oder Mitspielende unbeliebte „Perks“ oder Items benutzten, die der Gegenseite nicht passten. Oder wenn jemand eben als unerfahrener Spieler doch noch ein bisschen vorsichtiger ist.

Gut, den Chat kann man ignorieren. Was man aber nicht ignorieren kann, sind Camper und anderes Trolling in den Matches selbst. Es nervt einfach nur und ich will mir gar nicht erst vorstellen, wie schlimm es in anderen Online-Games zur Sache geht.

3. Gamification funktioniert

Seit 2020 habe ich keinen Fuß mehr ins Fitnessstudio gesetzt – was sich natürlich nach ein paar Monaten Pandemie bemerkbar macht. Eine gute Alternative für zu Hause sind tatsächlich, wie ich gemerkt habe, Fitness- und Sportspiele.

Ring Fit Adventure für die Nintendo Switch hat mich echt gut fit gehalten und ich kann mir mittlerweile vorstellen, dass auch Games wie Just Dance oder Fitness Boxing etwas für mich wären. Von daher mein Tipp an alle Gym-Muffel: Probiert’s mal damit!

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Preis kann jetzt höher sein. Preis vom 25.05.2022 13:55 Uhr

4. Die Pokémon-Community ist … ein schwieriges Publikum

Ohne Frage: ILCA hat mit den Sinnoh-Remakes Mist gebaut. Der Stil mag Geschmackssache sein, aber die unzähligen Bugs lassen sich kaum entschuldigen. Trotzdem beschleicht mich oft das ungute Gefühl, dass es egal ist, was The Pokémon Company tatsächlich verbockt oder auf die Beine stellt – Fans suchen nämlich regelrecht nach Schwachpunkten, die sie bemängeln können.

New Pokémon Snap? „Wer braucht denn diesen Müll, man fotografiert ja nur Pokémon.“ Pokémon-Legenden: Arceus? „Die Grafik sieht schrecklich aus, das kann man doch nicht gutheißen.“ Und im Endeffekt wird doch wieder alles mit dem Label „Pokémon“ gekauft.

Meine persönliche Meinung: Kauft euch die Spiele einfach nicht und lasst damit Taten statt Worte sprechen. Oder kauft es euch eben doch und beschwert euch dann nicht darüber. Denn große Spielefirmen verstehen eh oft nur eine Sprache: Geld.

5. Indie-Spiele werden noch immer unterschätzt

Seit 2020 kommt es immer wieder zu Verschiebungen und ausbleibenden Spielen. Ausweichen konnte man aber auch in diesem Jahr auf genügend gute Indie-Spiele. Besonders Deltarune Chapter 2, das zweite Kapitel zum Undertale-Nachfolger, hatte es ordentlich in sich.

Aber auch Perlen wie das psychologische Horror-RPG Omori oder entspannende Spiele wie Unpacking und Dorfromantik haben mich und viele andere Spieler und Spielerinnen in ihren Bann gezogen. Auch ältere Spiele, wie Spiritfarer und To the Moon, haben mich dieses Jahr besser unterhalten als so manch ein Vollpreisspiel.

6. Wir brauchen mehr queere Repräsentation in Spielen

Um gleichgeschlechtliche Romanzen oder gar Repräsentation für trans Personen in Spielen zu erleben, muss man immer noch tief in der Indie-Kiste kramen. Klar, ein Life is Strange: True Colors gibt euch die Möglichkeit eine lesbische Beziehung aufzubauen – und weiter? Was hat sich in AAA-Spielen dieses Jahr sonst in dem Bereich getan? Nicht viel.

Ein kleines Spiel namens Gnosia für die Nintendo Switch hat mir diesbezüglich die Augen geöffnet. Denn in dem „Among Us“ ähnlichen Singleplayer wurde mir zum ersten Mal in einem Spiel die Option gegeben, das Geschlecht meines Charakters als „nicht-binär“ festzulegen.

Sogar im Spiel selbst gibt es zwei nicht-binäre Charaktere, die mit ihren eigenen Macken und liebenswürdigen Eigenheiten zeigen, dass ihr Gender nur einen Bruchteil ihrer Persönlichkeit ausmacht.

Aber auch queere Geschichten wie die eines bestimmten Nier-Charakters, werden heutzutage immer noch viel zu selten erzählt. Dabei sind diese Stories nicht nur extrem wichtig, sondern auch richtig interessant.

7. Zu viele Gamer sind noch immer zu rückschrittlich

Habt ihr euch beim Lesen von Punkt 6 gedacht „Nee, sowas brauchen wir nicht.“ oder euch vielleicht sogar ein bisschen darüber aufgeregt? Dann seid vielleicht auch ihr Teil des Problems.

Was queere Repräsentation in Videospielen nämlich oft verhindert, ist die übertrieben dramatische Reaktion einiger Gamer. „Politik in meinen Spielen? Nicht mit mir!“ Ja, ist ja nicht so, als wären Videospiele schon immer politisch gewesen.

Aber der diesjährige Pride-Month und Kommentare zu unseren Beiträgen zum Thema, haben gezeigt, wie sehr sich viele Spieler noch immer gegen Fortschritt auflehnen. Auch in Sachen Frauenfeindlichkeit hielten sich Gamer dieses Jahr nicht zurück.

Egal ob es um das „maskuline“ Design der „Horizon: Forbidden West“-Protagonistin ging oder um ein paar Frauen in Bikinis auf Twitch – Frauen wurden mal wieder, so wie LGBTQ+ Personen, eifrig beleidigt. Das war einfach nur traurig mit anzusehen.

Um diesen Rückblick aber auf keiner allzu negativen Note enden zu lassen, besinnen wir uns doch darauf, dass es in Zukunft besser werden kann. Das Gaming-Jahr 2022 steht immerhin vor der Tür und hält mit Krachern wie Elden Ring, Pokémon – Legenden: Arceus, Breath of the Wild 2 (hoffentlich), God of War: Ragnarök und vielen anderen Games ein paar tolle Spiele bereit. Vielleicht besänftigt das ja auch die Gemüter einiger toxischer Individuen.

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