World of Warcraft

Die WoW-Community ist nie zufrieden – Ist das wirklich wahr?

von SabrinaCharne (Sonntag, 02.01.2022 - 09:00 Uhr)

Ob im Spiel selbst, in den dazugehörigen Foren oder den regelmäßigen News, überall begegnet man einer Menge unterschiedlicher Gefühle, die von der „World of Warcraft“-Gemeinschaft laut und offen verkündet werden. Eines haben alle Spieler des im Jahre 2005 in Europa erschienenen Online-Rollenspiels gemeinsam: Sie sind nie zufrieden. Aber warum? Unsere Kollegin Sabrina geht der Situation auf den Grund und hat sich in der Community umgehört.

Die Community schimpft und schrumpft

Was einst das beliebteste MMORPG (kurz MMO) war und von über zwölf Millionen Spielern gespielt wurde, verfügt heute nur noch über ungefähr zwei Millionen Spieler. Dabei stellt sich die Frage, ob dieser Rückgang wirklich nur auf die Fehler der Entwickler bei Blizzard in der Vergangenheit zurückzuführen ist. Oder spielt die Community mit ihren unterschiedlichen Erwartungen und ihr Umgang miteinander auch eine große Rolle?

Hybrid-Klassen Liebhaber Bonofisto spielt seit 2005/2006 und meint:

„Die Rüstung muss gut genug sein, um in Dungeons mitgenommen zu werden, man muss jeden Tag viel Ruf farmen, um besondere Gegenstände kaufen zu können. Ohne diesen „Progress“ verliert man schnell den Anschluss an die anderen. Deshalb wollen viele gute Spieler nicht mit den „Kleinen“ oder Casual-Spielern spielen, verlassen die Gruppen oder werden beleidigend. Jedoch ist der Inhalt des Spiels auch genau darauf orientiert: Höher, weiter, schneller. Wenn du da nicht mitziehst, läuft niemand mehr mit dir. Wenn man auf zufällige Spieler in der WoW-Welt angewiesen ist, trifft man leider nur noch selten auf Spielspaß. Wer allerdings etwas Mühe in die Suche einer passenden Gilde steckt, kann eine gute Community genießen.“

Die Gilden zerbrechen und Spieler fühlen sich alleine

Was ein MMO von einem Singleplayer-Game unterscheidet, ist die Möglichkeit mit anderen Spielern zusammen zu spielen und zu interagieren. Umso wichtiger ist es, dass ein freundliches, hilfsbereites und umgängliches Klima innerhalb der Community herrscht. Doch wie auch im realen Leben, sieht es in der fiktiven Welt von WoW leider ganz anders aus. Denn immerhin treffen auch hier die unterschiedlichsten Charaktere mit ihren verschiedenen Ansichten und Ansprüchen aufeinander.

Mit Shadowlands erschien bereits vor einem Jahr die bisher jüngste Erweiterung von WoW:

World of Warcraft: Shadowlands | Neue Zonen, Dungeons und mehr vorgestellt

Da gibt es zum einen die sogenannten Pro-Player und Progress-Spieler, die eine hohe Messlatte für die Leistungen im Spiel vorgeben. Zum anderen finden sich dort aber auch Casual-Zocker, die gemütlich ihre alltäglichen Aufgaben verrichten wollen, sowie Wiedereinsteiger und Neulinge, die gerade erst ins Spiel finden. Alle haben dabei eine gemeinsame Intention: Sie wollen erfolgreich sein, anerkannt werden und mit den besten Spielern ihrer gespielten Klasse mithalten können. Doch diesen Anspruch haben die meisten nicht nur an sich selbst, sondern stellen noch höhere Anforderungen an andere Spieler.

Der Worgen-Druide Rôôstbeef hat schon öfter für eine Weile das Spiel pausiert:

„Es war oft der fehlende Anschluss oder weil die Gilden zerbrochen sind, in denen man früher Mitglied war. Für viele zog sich der Content zu sehr in die Länge. Das führte dazu, dass einige Mitglieder aufhörten oder die Gilde sich wegen Streitigkeiten oder Uneinigkeiten trennte. Ein freundlicherer Umgang miteinander wäre schön.“

Durch einen Kollegen kam Dämonenjäger Tsuris zu WoW. So empfindet er die Community:

„Die Community wird immer toxischer und die Leute denken immer, sie seien die Besten. Neulinge und Wiedereinsteiger haben kaum noch eine Chance hier Fuß zu fassen, da vorausgesetzt wird, dass man schon voll ausgerüstet ist und mindestens 17 Jahre Erfahrung mitbringt."

Wenn diesen hohen Erwartungen nicht entsprochen wird, kommt bei allen Parteien schnell Frust auf. Der Leistungsdruck steigt und dämpft die Stimmung bei vielen so sehr, dass der Spielspaß darunter leidet oder ganz verschwindet.

Umso wichtiger erscheint es, dass man im Spiel gute Rüstungsteile bekommt oder die Fähigkeiten der eigenen Klasse sehr stark sind. Ist die Ausbeute dagegen nicht die gewünschte gewesen oder hat ein Mitspieler was Besseres bekommen, werden meist die Entwickler von Blizzard an den Pranger gestellt und beschimpft. Doch kann man diese wirklich dafür verantwortlich machen oder setzen sich die Leute selbst unter Druck?

Der Druide Seelenbaron erklärt es:

„Durch das ständige Vergleichen der DPS-/HPS-Zahlen (Schaden/Heilung pro Sekunde) von anderen mit den eigenen, fühlen sich viele unter Druck gesetzt. Wenn dann noch die Jagd nach Ausrüstungsgegenständen, welche jene Zahlen verbessert, durch Zufall bestimmt wird, wächst der Druck immer weiter an und das Frustrationslevel steigt.

Wer trägt jetzt die Schuld an dieser Situation?

Im hauseigenen Forum von Blizzard kocht die Stimmung hoch. Dort findet man allerlei geschriebene Gefühlsausbrüche der WoW-Gemeinde, neben traurigen Abschiedsnachrichten und hoffnungsschwangeren Wünschen auch verzweifelte Anmerkungen bis hin zu wutgefüllten Kritiken. Diese richten sich aber nicht nur gegen Blizzard, sondern immer öfter gegen die Community selbst. Obwohl man im Spiel auf einige Mechaniken und Umsetzungen trifft, die als weniger gut durchdacht gelten mögen, versuchen die Spieleprogrammierer das Gameplay deutlich zu verbessern. So treten sie jetzt vermehrt mit der Community in Kontakt und orientieren sich bei der Entwicklung an den Wünschen der Spieler.

Die Blizzard-Entwickler bemerken den Unmut ihrer Fan-Gemeinde und gehen nicht nur im eigenen Forum mit einigen Meldungen auf die Stimmung ein, sondern wenden sich sogar direkt mit einer Nachricht an die Community. Schließlich wollen sie nach eigenem Bekunden „Azeroth zum besten Ort für alle machen.“ (Quelle: Blizzard)

Leistungsdruck: Viele Spieler und Spielerinnen fühlen sich genötigt, stets ganz vorne mit dabei sein zu müssen.
Leistungsdruck: Viele Spieler und Spielerinnen fühlen sich genötigt, stets ganz vorne mit dabei sein zu müssen.

Doch ist die Community nach den Anpassungen endlich entspannter? Ganz bestimmt nicht. Es wird immer etwas geben, was dem einen oder anderen nicht gefällt. Manche empfinden es sogar als traurig, dass Blizzard versucht es jedem recht zu machen und appellieren an die Community, ihre Denk- und Handelsweise zu überdenken.

Die Heiler-Schamanin Lafirn sieht die Sache so:

„Ich habe immer noch Spaß an WoW. Mich stört am meisten das Geheule der Leute. Blizzard sollte nicht immer versuchen, es allen recht zu machen. Dafür sollte die Community lieber wieder mehr an das Miteinander denken und nicht so egoistisch und toxisch sein.“

Sind wirklich alle Spieler frustriert oder unzufrieden mit dem Spiel?

Darauf gibt es eine einfache Antwort, nämlich ein ganz klares „Nein“. Viele Spieler sind immer noch mit Herzblut dabei und versuchen den negativen Vibes und der toxischen Community entgegen zu treten. Sie haben gute Ideen und Ansätze, wie man die WoW-Gemeinde und die Entwickler wieder auf die richtige Spur bringt, so dass dieses einst weltweit beliebteste Spiel wieder zu einem solchen werden kann. Einem Spiel, in dem heroische Schlachten gewonnen und das Ur-Böse besiegt werden kann.

Der Paladin-Tank Lichterloh erinnert sich an seine Anfänge im Jahre 2015:

„Am Anfang teilte ich mir mit meinem Freund seinen alten Laptop, der immer abstürzte. Wir wechselten uns damals immer ab mit unseren Charakteren und wurden dabei vollends in die Welt von WoW aufgesogen. Heute macht mir das Spiel noch immer Spaß, auch wenn andere alles nur noch pessimistisch sehen. Ich finde es gut, dass Blizzard die Raid-Encounter sowie die diversen Klassen-Designs gut durchdacht und entwickelt hat. Allerdings wäre eine genauere Erklärung im Spiel über bestimmte Spielmechaniken gut. Das würde den Spielern, erstens helfen zu verstehen, wie sie ihre Fähigkeiten am besten einsetzen können und zweitens, wie andere Spieler ihre nutzen. Das sorgt für mehr Verständnis untereinander.“

Wie kann das Klima und der Spielspaß verbessert werden?

Die Zauberwörter lauten: Kommunikation, Verständnis und Respekt. Vielleicht sollten die Spieler lernen, besser mit ihren Gefühlen umzugehen, sich und andere nicht so ernst zu nehmen und wieder Spaß am Spiel und am Miteinander entwickeln. Ein höflicherer Umgang untereinander ist dabei genauso wichtig wie die Kommunikation. Alle machen Fehler, die Spieler genauso wie die Entwickler. Das ist menschlich. Doch es hilft nichts, sich das immer vorzuhalten.

Jeder Einzelne in der Community, sowie auch die Entwickler stehen im selben Team und verfolgen das gleiche Ziel: Das World of Warcraft ein gutes und schönes Spiel ist. Ein Spiel, das Spaß macht und das vom Alltag ablenkt. Wo man Freunde trifft und gemeinsam etwas erreicht.

Es bleibt zu hoffen, dass die Community versucht, in Zukunft, mehr ihrer positiven Gefühle und Gedanken zu verkünden und die Entwickler vermehrt auf ihre Fans sowie die Spielintegrität achtgeben. Das muss nicht von heute auf morgen passieren, aber wie die Entwickler bei Blizzard es in ihrer Glanzzeit immer so schön kommentierten: Soon™

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