The Legend of Zelda - Skyward Sword

Zelda-Fan äußert kontroverse Meinung: Dieses Spiel hasst ihr zu Unrecht (Kolumne)

von Nathan Navrotzki (Samstag, 15.01.2022 - 08:30 Uhr)

Sogar Link kocht schon vor Wut wegen der ganzen Kritik. (Bild: Nintendo)
Sogar Link kocht schon vor Wut wegen der ganzen Kritik. (Bild: Nintendo)

Ein Zelda-Fan verteidigt eines der meist gehassten Spiele der Reihe und erklärt – Achtung, jetzt wird‘s kontrovers – warum The Legend of Zelda: Skyward Sword tatsächlich eines der besten ist. Achso, Spoiler: Der Zelda-Fan bin ich.

Warum steht Skyward Sword in der Kritik?

Zelda-Fans sind Gewohnheitstiere. Sobald ein neues Spiel der legendären Reihe mal etwas anders macht als seine Vorgänger, wird es sofort mit einer gewissen Skepsis empfangen. Dabei zeigen Abweichungen von der gewohnten Zelda-Formel immer wieder: Veränderungen tun der Reihe gut – siehe Breath of the Wild.

Und trotzdem war der Shitstorm zu dem etwas anderen The Legend of Zelda: Skyward Sword im Jahr 2011 riesig. Nicht nur damals, sondern teilweise auch heute noch. Die größten Kritikpunkte? Eine unausgereifte Bewegungssteuerung, langweilige Bosskämpfe, nervtötende Begleiter und eine Menge Backtracking. Aber wie viel ist da tatsächlich dran?

Ist die Kritik gerechtfertigt?

Schauen wir uns die einzelnen Punkte einmal genauer an.

Bewegungssteuerung

Auf der Wii hat sich Nintendo in Sachen Motion Controls so richtig ausgetobt. Neben Klassikern wie Wii Sports und Super Mario Galaxy, bekam natürlich auch das neueste Zelda-Game seine Portion an Fernbedienungsfuchtelei ab. Aber hat Nintendo das Gimmick der Konsole zu sehr in den Fokus gerückt?

Leider konnte man damals nicht, wie im HD-Remaster für die Switch, auf eine normale Button-Steuerung umschalten. Dass das viele Fans am Gameplay genervt hat, ist klar. Immer wieder musste die Wii-Fernbedienung neu kalibriert werden – und trotzdem wurden die eigenen Bewegungen oft nur schwammig ins Spiel übertragen.

Da ist der Frust bei einer Niederlage umso größer, wenn man nicht selbst schuld ist, sondern eben der Sensor der Konsole. Also: Die Motion Controls sind ein berechtigter, wenn nicht sogar der wichtigste Kritikpunkt.

Langweilige Bosskämpfe

Was kritische Stimmen damit meinen, sind eigentlich nur die Kämpfe mit dem Verbannten. Den Riesengegner müsst ihr drei Mal im Verlauf des Spiels besiegen, dabei unterscheiden sich die Kämpfe nur leider kaum voneinander. Das ist auf jeden Fall verpasstes Potenzial, aber es ist auch kein Beinbruch. Immerhin haben die anderen Gegner im Spiel interessante Designs und Kniffe – und Ghirahim ist ja wohl einer der besten Zelda-Gegner aller Zeiten.

Jede Begegnung mir Ghirahim ist lustig, nervenaufreibend oder andersartig spannend. (Bild: Nintendo)
Jede Begegnung mir Ghirahim ist lustig, nervenaufreibend oder andersartig spannend. (Bild: Nintendo)

Nervige Begleiterin

Okay, ich sag’s gerade heraus: Phai ist die schlimmste Begleiterin in einem Zelda-Spiel. Der Geist des Master-Schwerts scheint nicht nur keine eigene Persönlichkeit zu haben, sondern geht Spielenden auch noch mit nervtötenden Sprüchen auf den Geist.

Vor jedem Betreten eines Dungeons gibt Phai euch eine Einschätzung dazu, wie wahrscheinlich es ist, dass ihr dort auch findet, was ihr sucht. Mal besteht die Chance angeblich zu 82 Prozent, mal zu 95 Prozent. Ratet mal wie oft ihr tatsächlich am richtigen Ort seid? Jedes Mal. Das Master-Schwert sollte einfach nicht reden. Gebt mir lieber Ghirahim.

Backtracking

Vielen sei das Backtracking, also dass ihr die gleichen Orte mehrmals besucht, zu viel gewesen. Aber wieso? Ich glaube viele vergessen, dass die Gebiete sich drastisch verändern zwischen den Besuchen. Einen Ort vor und nach einer riesigen Flut oder einem Vulkanausbruch zu erleben, macht einen großen Unterschied. Ich hatte zumindest selten das Gefühl, dass ich ein und dasselbe Gebiet doppelt und dreifach erkunden muss.

Auch merkwürdig an diesem Kritikpunkt: Beinahe alle großen Zelda-Spiele sind vollgepackt mit Backtracking. In Ocarina of Time besucht ihr die gleichen Orte zwei Mal – erst als Kind, dann als Erwachsener. Und in Majora’s Mask müsst ihr ganze Tempel von vorne beginnen, wenn ihr sie nicht in der gegebenen Zeit schafft. Das ist meiner Meinung nach sehr viel nerviger als ein Davor-Danach-Szenario.

Und was macht Skyward Sword dann so besonders?

Die größte Stärke der Zelda-Reihe ist für mich, wie die einzelnen Spiele alle ihre ganz eigene, besondere Atmosphäre erzeugen. Und Skyward Sword erschafft schon zu Beginn mit seinem unbeschwerten Setting im Wolkenhort einen besonderen Ort, der den Ton für den Rest des Spiels angibt. Die Orte, die ihr im Laufe eurer Reise entdeckt, sind nämlich zum Großteil wunderschön und wirken, trotz unzähliger Monster, einladend.

Alles daran gibt einem das Gefühl abschalten zu können – im Gegensatz zu einem Majora’s Mask, das einen mit einem beklemmenden Gefühl zurücklässt. Oder einem Twilight Princess, das mit seinen 50 Graustufen vor allem vergessenswerte Orte und Charaktere hervorbringt.

Der Wolkenhorst ist eine verträumte kleine Stadt über den Wolken. (Quelle: Nintendo)
Der Wolkenhorst ist eine verträumte kleine Stadt über den Wolken. (Quelle: Nintendo)

Das ist, wie gesagt, nur meine persönliche Meinung, die wahrscheinlich vor allem darauf basiert, dass ich mit The Legend of Zelda: The Wind Waker in die Reihe eingestiegen bin. Für mich steht Zelda seitdem eben für bunte Spiele, die den Erkundungsdrang wecken und trotz einiger düsterer Themen im Allgemeinen bunt, fröhlich und entspannend sind.

Noch dazu finde ich den Story-Aspekt von Skyward Sword wichtig. Nachdem Nintendo die Zelda-Zeitlinien offiziell erklärt hatte, brauchte es eben ein Skyward Sword, das den Anfang des gesamten Kreislaufs von Link, Zelda und Ganon erzählt. Und bei dem Versuch, diesem Zeitstrahl-Chaos einen Ursprung zu geben, ist, wie ich finde, eine wirklich schöne Geschichte herausgekommen, die euch zu Beginn sogar erlaubt Zelda ein bisschen kennenzulernen.

Und zu guter Letzt: Mit seinen ersten Schritten Richtung Crafting und einem Ausdauerbalken hat Skyward Sword ein paar Grundpfeiler für Breath of the Wild – das offensichtlich beste Spiel der Reihe – gelegt. Es gibt aber trotzdem ein paar Minuspunkte dafür, dass Nintendo das Spiel vergangenes Jahr nicht als richtiges Remake, sondern nur als Remaster auf die Switch gebracht hat. Zum 10. Jahrestag wär‘ da doch noch mehr gegangen. Zeitgemäße Grafik und einwandfreie Steuerung zum Beispiel.

Einen Trailer zum Switch-Remaster könnt ihr euch hier zu Gemüte führen:

The Legend of Zelda: Skyward Sword | Ab dem 16. Juli in HD für Switch erhältlich

Trotz allen Kritikpunkten ist Skyward Sword bis heute eines dieser unterschätzten Spiele, die etwas mehr Liebe verdienen. Sowohl Handlung, als auch Atmosphäre verdienen ein bisschen mehr Anerkennung von der Community.

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