Xbox Series X

Xbox muss aufpassen, sich an Activision nicht zu verbrennen (Kommentar)

von Gregor Elsholz (Donnerstag, 20.01.2022 - 12:40 Uhr)

Xbox: Bei der Activision-Übernahme steht viel auf dem Spiel. (Bildquelle: Khosrork, Getty Images)
Xbox: Bei der Activision-Übernahme steht viel auf dem Spiel. (Bildquelle: Khosrork, Getty Images)

Die geplante Übernahme von Activision stellt alle bisherigen Deals in den Schatten. Allerdings ist sie auch mit viel Risiko verbunden. Für Xbox stehen bei Weitem nicht nur 69 Milliarden US-Dollar auf dem Spiel.

In den letzten Jahren hat Xbox mühsam sein Saubermann-Image kultiviert. Phil Spencer hat stets sein bestes Schwiegersohn-Lächeln aufgesetzt und in PR-tauglichen Phrasen gesprochen. Xbox konnte somit seine Position als eine Art freundlicher Außenseiter in der Gaming-Branche festigen – neu auf der Schule, manchmal mit Anschlussschwierigkeiten, aber immer mit einem gepflegten Aussehen und außerdem richtig reichen Eltern.

Die Umstände der Activision-Übernahme sind allerdings von solch explosiver Brisanz, dass Xbox seine bewährte Marketing-Maske abnehmen und sein wahres Gesicht zeigen müssen wird.

Activisions Pulverfass ist eine Herausforderung für Microsoft

Selbst in einer Industrie, die so toxisch ist und in vielerlei Hinsicht von Misogynie, Rassismus, Homophobie, destruktiver Faulheit und endloser Geldgier dominiert wird, ist Activision Blizzard King ein geschasstes Unternehmen. Der Publisher hat mit CEO Bobby Kotick an der Spitze ein solch desaströses, menschenfeindliches Arbeitsumfeld aufgebaut, dass Activision sogar vom Staat Kalifornien verklagt wurde. (Quelle: GIGA)

Microsoft muss sich bei der Übernahme eindeutig dazu positionieren. Verantwortliche wie Kotick sollten den Publisher so schnell wie möglich verlassen müssen, ohne auf pompösen Abschiedsfeiern mit warmen Worten bedacht zu werden. Es ist zwar davon auszugehen, dass Kotick nach dem Abschluss des Deals seinen Hut nehmen wird, doch die Art und Weise wird ebenfalls wichtig sein. (Quelle: Wall Street Journal)

Im Anschluss daran muss die Struktur bei Activision Blizzard umgekrempelt und eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse eingeleitet werden. Die Übernahme könnte somit für die Angestellten des Publishers eine echte Chance sein – solange sich Xbox nicht zu fein ist, die Ärmel hochzukrempeln und beim Saubermachen mitzuhelfen.

Geldgierige Publisher: Die größten Aufreger

Xbox: Wie viele Mikrotransaktionen verkraftet das Image?

Während Activision Blizzard hinter den Kulissen extrem viel Arbeit bedarf, muss auch der Spiele-Output kritisch gesehen und verändert werden. Der Fokus auf Lootboxen passt ebenso wenig zu dem Xbox-Bild wie die überstürzten jährlichen CoD-Releases. PR-Fehltritte wie die nachträglich hinzugefügten Mikrotransaktionen in Crash Team Racing sollten darüber hinaus unbedingt vermieden werden.

Auch für Gamer könnte die Xbox-Übernahme somit positive Folgen haben – wenn Spielereihen mehr Zeit für die Entwicklung bekommen sollten und aggressive Monetarisierungen zurückgestellt werden.

Die Frage der Konsolen-Exklusivität bleibt allerdings weiter bestehen und könnte Microsofts Weste nachhaltig beschmutzen. Gigantische Multiplayer-Franchises wie Call of Duty von der PlayStation-Plattform zu entfernen, wäre vor Millionen von Gamern unmöglich zu rechtfertigen.

Nach dem Milliarden-Deal: Welches Gesicht zeigt Microsoft?

Dass Microsoft überhaupt in der Lage ist, Activision Blizzard für die Spielgeld-Summe von knapp 69 Milliarden US-Dollar zu kaufen, ist Zeichen eines gebrochenen Systems, das sich selbst weder ernstnehmen noch zur Rechenschaft ziehen kann.

Doch Xbox hat sich nun einmal dafür entschieden. Das Unternehmen hat seine Schuluniform zurecht gerückt, die Haare gekämmt, sein starres Gewinnerlächeln aufgesetzt und das Geld der Eltern auf den Tisch gelegt.

Aber damit ist es dieses Mal nicht getan. Wegen der Dimensionen des Deals steht nun auch noch der so sorgfältig etablierte Ruf von Xbox auf dem Spiel – und diesen zu verlieren, könnte zusätzlich zu den 69 Milliarden US-Dollar längerfristig richtig teuer werden.

Xbox sorgt mit der geplanten Übernahme von Activision für Aufsehen. Der Deal könnte Microsoft große Gewinne einbringen – birgt jedoch für das Unternehmen auch ein durchaus beträchtliches Risiko.

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