Bioshock 4

BioShock 4: Um gut zu werden, muss es viel BioShock opfern

von Michael Sonntag (Sonntag, 30.01.2022 - 12:00 Uhr)

BioShock 4 steht vor einer schwierigen Entscheidung: Nostalgisches Recycling oder riskanter Sprung in die Zukunft?
BioShock 4 steht vor einer schwierigen Entscheidung: Nostalgisches Recycling oder riskanter Sprung in die Zukunft?

Angesichts der ganzen Remaster- und Remakefluten ist es eigentlich schön zu sehen, wenn zur Abwechslung auch mal alte Reihen mit einer Fortsetzung zurückkehren wollen. Aber ausgerechnet BioShock 4? In meinen Augen steht das verantwortliche Studio Cloud Chamber vor einer sehr schwierigen Herausforderung.

Keine Frage: Die abgedrehten First-Person-Actionspiele haben bis heute einen unglaublichen Charme behalten, allein wegen ihrer dystopischen Welten, ihrer abgedrehten Waffen und Charaktere. Aber jetzt – fast neun Jahre später nach BioShock Infinite – muss ich allerdings sagen: Auch wenn die Story weiterhin Wow!-Momente verursacht, hat mich das Gameplay damals schon oft gelangweilt und würde heute in einer Fortsetzung umso verbrauchter auf mich wirken.

In den Augen aller Spieler, denen es ähnlich ergeht, steht Entwickler Cloud Chamber also vor folgendem Problem: Wie viel BioShock kann überhaupt noch mit in BioShock 4 einfließen, damit es modern und gut wird, aber trotzdem noch BioShock bleibt? Meiner Meinung nach bedarf es hier einer Totalüberholung des Gameplays, bei dem aber weiterhin die Essenzen der Reihe beibehalten werden müssen.

BioShock- The Collection - Ankündigungstrailer

BioShock 4: Das Gameplay wird die größte Herausforderung

Ob ich in der BioShock-Reihe jetzt die Unterwasserstadt Rapture oder die Wolkenstadt Columbia erkunde und einen hirnsprengenden Twist nach dem anderen erlebe, das Gameplay besteht für mich in allen Teilen aus Storyschläuchen und monotonen Kämpfen. Lauf dahin, drücke einen Kopf oder setze einen eingesammelten Gegenstand ein, überlebe diese Feindwelle, erledige noch etwas, bevor du die nächste Welle überleben und dann wieder irgendwohin laufen musst. Während BioShock das noch mit seiner Atmosphäre kaschiert und BioShock 2 mich mit einem extrem coolen Big Daddy als Spielfigur ablenkt, kann ich es bei den zähen Massenschlachten von BioShock Infinite nicht mehr ignorieren.

Trotz der Vielzahl an Fähigkeiten mündet mein Kampf immer in den gleichen Flaschenhals. Ich entdecke die effektivste Taktik und Kombination und behalte diese unbewusst bis zum Ende bei, da alle Gegner gleich bekämpft werden können und niemand von ihnen mich wirklich mal zu einem Taktikwechsel drängt. Draufhalten und tot, ausweichen und nicht selbst sterben. Manche Gegner fressen mehr Kugeln, das war es aber auch schon. Die hackbaren Geschütze können das zwar etwas auflockern, aber nicht für die gesamte Spieldauer. Alle RPG-angehauchten Features darüber hinaus – Tonika, Waffenverbesserungen, Kleidung mit Effekten, ein aufladbarer Schild – verschnellern und erleichtern höchstens den Kampf, fügen dem Ganzen aber keine neue taktische Ebene hinzu. Lediglich der großartige Seebestattungs-DLC machte Stealth und Ressourcenmanagement mal notwendig.

BioShock: Die Story ist ein philosophischer Koloss, das Gameplay aber besteht aus stumpfen Arenakämpfen.
BioShock: Die Story ist ein philosophischer Koloss, das Gameplay aber besteht aus stumpfen Arenakämpfen.

Und das ist für mich das große Problem in BioShock: Das Gameplay ist niemals so clever wie das gesamte Setting drum herum. Es besteht ein gigantischer Spalt zwischen der vor Innovationen strotzenden Welt und den wenigen möglichen Interaktionen in dieser. So verkommt die Welt zur Kulisse, so sehr das auch alles auf Erfindungen, Philosophien und politischen Vorstellungen basieren mag. Aber wo spiegelt sich das genau in meinen Handlungen wider? Ich schaue nur zu, laufe herum und arbeite Gegner ab. Ich interagiere immer auf dieselbe Weise und tue exakt das, was das Spiel mir sagt, damit die großartige Geschichte fortgesetzt wird. Das wirft für mich allerdings auch die Frage auf: Ist diese großartige und lineare Geschichte nicht auch gleichzeitig dafür verantwortlich, dass auf der spielerischen Ebene so wenig los ist?

BioShock 4: Der Spieler muss mehr mitspielen!

Für mich ist klar, BioShock 4 kann diese Formel weder fortsetzen noch sich damit begnügen, einfach die Kämpfe anspruchsvoller zu gestalten. Stattdessen sollte das nächste Spiel das Potenzial seines abgedrehten Settings viel stärker nutzen, um die Missionen, die Welt und das Gameplay stärker ineinander greifen zu lassen und den Spielern und Spielerinnen mehr Möglichkeiten zu geben, sich vielseitiger im Spiel einzubringen. Ich bin kein Entwickler, aber das wäre für mich die logische Weiterentwicklung: Cloud Chamber sollte sich vom klassischen Ablauf und Gameplay lösen und das Ganze auf ein komplett offenes Weltkonzept ausrichten. Aber wie könnte das aussehen? Ich denke, das Survival-Spiel Subnautica kann hier als gute Inspiration herangezogen werden.

Für Michael könnte BioShock 4 den Weg von Subnautica gehen und den Fokus auf Erkundung und Experimentieren legen. Und den Kampf optional machen.
Für Michael könnte BioShock 4 den Weg von Subnautica gehen und den Fokus auf Erkundung und Experimentieren legen. Und den Kampf optional machen.

Genauso wie ich dort lernen muss, mich selbständig mit der Welt, ihren Ressourcen, Kreaturen und Mechaniken zu arrangieren, könnte BioShock 4 mich ebenfalls in seiner dystopischen Stadt aussetzen und von da an selbst meinen Weg suchen lassen. Diese Neuausrichtung verwandelt den konstruierten Storyschlauch in eine komplett selbstmotivierte Erkundungsreise. So könnte ich beispielsweise die Verwendung von Laboren oder Fahrzeugen (mittels Crafting, Reparatur, Ressourcen beschaffen, etc.) erst freispielen, um so etappenweise meinem großen Ziel immer näher zu kommen. Gleichzeitig könnte diese Neuausrichtung Kämpfe als Spielfüller ablösen und sogar die Möglichkeit bieten, sie weniger, aber interessanter im Spiel zu platzieren, wenn sie nicht sogar je nach Spielstil komplett vermieden werden können. Dabei dürfte die Geschichte weiterhin ihr übliches Episches tun, nur über mehr Standorte und Charaktere verteilt, die ich in der Welt vorfinden kann.

Unabhängig, was da jetzt noch alles hinzukommen könnte, RPG-Elemente, Rätsel, etc. – das wäre für mich eine gute Basis, um BioShock nicht einfach nur zu modernisieren, sondern der Reihe mit den aktuellen technischen Möglichkeiten dazu zu verhelfen, vielleicht ein Potenzial zu nutzen, das es bereits in seinem Grundkern hatte. Vielleicht ist es dann nicht mehr das BioShock, das wir kennen, aber meiner Meinung nach ein viel besseres, in dem ich nicht nur so clever wie seine Geschichte sein kann, sondern auch muss. Also Cloud Chamber, wärest du so freundlich, auf mich zu hören?

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