Age of Empires 4

AoE vs. Anno vs. Stronghold – Experte sagt uns, wer gewinnt

von Michael Sonntag (Montag, 28.03.2022 - 16:52 Uhr)

Age of Empires versus Anno 1800 versus Stronghold: Wir haben Strategie-Experte Udwin gefragt, wer das Spiel der Spiele gewinnt.
Age of Empires versus Anno 1800 versus Stronghold: Wir haben Strategie-Experte Udwin gefragt, wer das Spiel der Spiele gewinnt.

Das Duell der Strategiespiele: Wer gewinnt es? Das haben wir Strategie-Meister Udwin gefragt, der die Welt der Städte, Ressourcen und Heere seit vielen Jahren beobachtet. Um die Antwort zu bekommen, mussten wir uns das gesamte Schlachtfeld der Strategie-Knobler anschauen.

Udwin
• Streamer, YouTuber, Strategie-Experte
• Gütiger oder strenger König? – „So gütig, dass es mir manchmal schadet
• Wünsche für die Zukunft: Ego-Perspektive in Strategie-Spielen, Warcraft 4, ein neues, klassisches Stronghold
• Bestes Strategie-Erlebnis: Schlachten in Total War
• Beste Taktik zum Gewinnen: „Gar nicht erst antreten!“ Alternativ: „Auf Defensive setzen und den Feind beim Belagern verzweifeln lassen
Udwin auf YouTube

Wer gewinnt das Duell der Duelle? – Eine schwierige Frage

Seit fast dreißig Jahren wächst das Imperium der Strategiespiele heran. Viele Spiele kamen, viele gingen und wenige besetzen heute die Spitze. Aber wenn man einen Gewinner ausmachen müsste, wenn es wirklich die beste Strategie-Reihe gäbe, welche wäre das? Eine schwierige, aber auch sehr interessante Frage, die wir Strategie-Experte Udwin gestellt haben.

Das fragen mich sehr viele Leute. Auf dem Markt gibt es viele Kandidaten, von Age of Empires bis Stronghold. Jede Reihe hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, ihre eigene Nische und eigenen Charme. Die einfache Antwort lautet natürlich, dass das von der jeweiligen Person abhängt, worauf sie eben mehr Lust hat. Im Allgemeinen lässt sich das viel schwieriger beantworten“, so Udwin.

Wir schauen uns zusammen mit Udwin die Kandidaten an:

  • Age of Empires:Der Echtzeitstratege. Es kann schnell und knackig zugehen, aber auch sehr lange dauern. Für alle Leute, die kampfbasierte Spiele mögen.

  • Anno:Das ruhige und entspannte Aufbauspiel. Auch wenn es Kämpfe gibt, steht die Wirtschaft im Vordergrund.

  • Civilization:Das rundenbasierte 4X-Spiel, nach dem Motto "Bau dein Reich". Diplomatie, Wirtschaft, Militär – du kannst es spielen, wie du willst. Es überlässt dir komplett die Wahl.

  • Stronghold:Entwickler Firefly existiert deshalb noch, weil er konkurrenzlos ist. Es ist seine Magie, ein Aufbau-Spiel mit einem Kampf-Spiel zu kombinieren. Es ist quasi Anno und Age in einem, vor allem in den alten Teilen.

Die Frage nach der besten Strategie-Reihe werde laut dem Experten zwar häufig gestellt, wolle aber auf keinen direkten Konkurrenzkampf hinaus. Für ein Genre, das so viel mit Krieg und Tod zu tun hat, geht es in den Strategie-Communitys selbst sehr friedlich zu, bemerkt Udwin. Ganz im Gegensatz zum Shooter-Genre, wo die Fans von Call of Duty und Battlefield immer wieder aufeinander eindreschen. „Die Strategie-Spieler leben im Frieden. Die meisten spielen nur ein Spiel und selbst die Leute, die alles spielen, spielen alles gern. Es gibt keinen Beef, alle haben ihre Nische.“ Wenn sich dann doch Debatten ergeben, finden sie eher innerhalb der Franchises statt.

Dabei handelt es sich meistens um die Frage, welcher Teil der beste der Reihe ist und ob ein neuer Teil dem Vorgänger wirklich das Wasser reichen kann. Während in der Civilization-Reihe das Zepter zwischen Civ 5 und Civ 6 pendelt, streiten die Fans bei Age of Empires (zum Zeitpunkt des Interviews) um Teil 2 und 4, erklärt Udwin. Aber selbst wenn der Wettkampf zwischen den Reihen gar nicht oder nur unterschwellig stattfindet, wollen wir eine Antwort auf unsere Frage haben. Um einen Gewinner im gesamten Strategie-Bereich auszumachen, müssen wir mit Udwin also das ganze Schlachtfeld, räumlich und zeitlich, überblicken.

Age of Empires 4 | Trailer mit Spielszenen und Releasetermin

Das goldene Zeitalter der Strategie-Spiele ist vorbei: Viele Entwickler wissen heute nicht mehr, was gut ist

Strategiespiele sind ein schwieriges Genre, das es nicht einfach auf dem hart umkämpften Gaming-Markt hat, erklärt Udwin. Ihr goldenes Zeitalter, das zwischen den späten 1990ern und den frühen 2000ern zu verordnen sei, liege weit zurück.

In den frühen 2000ern erschien ein Strategiespiel nach dem anderen. Ihr Hype wurde dann durch das Aufkommen der MOBAS wie die DotA-Mod (2003) und League of Legends (2009) gebrochen. In Folge dessen nahmen Strategie-Spiele wie Dawn of War 3 ähnliche Elemente auf und verwässerten damit ihre Identität“, erklärt er. „Heute stirbt Strategie aus, da der Mainstream längst weitergezogen ist. Heute erscheinen vielleicht noch ein, zwei Strategie-Spiele pro Jahr. Da manche Spiele gar keine Nachfolger mehr bekommen, gibt es logischerweise auch immer weniger Varianz.

Heutzutage setzen die Entwickler von Strategie-Spielen „den Fokus stärker auf aktuelle Trends statt auf bewährte Tugenden“. Das schadet dem Sektor aber mehr als es ihm nutzt, erklärt Udwin.

Am schlimmsten merkt man es dem neuesten Siedler an. Es ist zu sehr auf den breiten Markt ausgelegt und hat seinen ursprünglichen Fokus verloren, als es vom Aufbau zu stark zum Kampf gewechselt ist. Die Entwickler scheinen nicht wirklich zu verstehen, was die Fans wollen. Sie versuchen zu viele Fans gleichzeitig glücklich zu machen und damit am Ende gar keinen mehr.

Das neue Siedler erntet viel Kritik. Auch wenn Entwickler Ubisoft den Release mehrfach wegen Überarbeitungen verschoben hat, bezweifeln die Fans stark, dass das Spiel ein großer Erfolg wird.
Das neue Siedler erntet viel Kritik. Auch wenn Entwickler Ubisoft den Release mehrfach wegen Überarbeitungen verschoben hat, bezweifeln die Fans stark, dass das Spiel ein großer Erfolg wird.

Alles auf Nostalgie oder Neues setzen? Es gibt keinen garantierten Erfolgsweg

Für das Fortleben der Strategie-Spiele stehen Entwickler vor einer schwierigen Entscheidung: Wollen sie den Anspruch auf ihre spezielle Qualität legen oder lieber auf Massenkompatibilität? Sollten sie die bewährten Formeln behalten oder stattdessen neue entwickeln? Nutzen sie die Stärke ihrer Nische oder verlassen sie diese, um sich im Mainstream zu behaupten? Jede Weiterentwicklung ist riskant, so der YouTuber, da in vielen Fällen die perfekte Formel bereits in der Vergangenheit gefunden wurde. War früher also alles besser?

Ich würde sagen, früher war alles früher. Manche Sachen waren besser, manche Dinge haben sich auch gut weiterentwickelt. Allerdings spielten sich manche Strategie-Spiele einfach fluffiger. Bei Warcraft ist es der dritte Teil. Age of Empires 2 ist besser als der erste. Bei Stronghold lag der Charme in der 2D-Engine. Als der Entwickler den Sprung zu 3D machte, ging es bergab. Das neue Warlords war jetzt zwar nicht schlecht, aber auch nicht gut.

Der Experte kann mehrere Trends auf dem heutigen Strategie-Markt beobachten: „Der vorrangige Fokus auf Multiplayer ist riskant und nicht unbedingt immer langlebig. Wenn der Multiplayer dann floppt, kann der Singleplayer es auch nicht mehr retten.Die erfolgreichen Genre-Größen wie Age of Empires, Anno und Civilization sind ihrer Nische treu geblieben und konzentrieren sich darauf, die Formeln aus der goldenen Zeit zu wiederholen und zu modernisieren. Bei weitem kein Weg aus Bequemlichkeit, sondern ein gut durchdachter, merkt Udwin an. „Das muss nicht immer klappen, das sieht man vor allem an der Katastrophe von Warcraft 3: Reforged.“ Lediglich die Indie-Entwickler probieren etwas Neues aus, fahren aber selten große Erfolge damit ein.

Im Einheitsbrei gibt es auch immer wieder schöne Ausnahmen wie zum Beispiel Iron Harvest von Entwickler King Art Games, das mal wieder eine gute Singleplayer-Kampagne bietet. Leider ging das Spiel schnell unter (Quelle: Steam Charts). Das Setting mit Mechs war den Leuten vermutlich zu abgefahren.

Die Indie-Entwickler haben kaum Kapazitäten und die großen Entwickler wollen kein Risiko eingehen. Somit gibt es kaum Möglichkeiten für neue komplexe Spiele mit eigener Identität. Es ist natürlich auch ein Interessenkonflikt. Einerseits wollen wir keine Mainstream-Spiele, aber andererseits wollen wir natürlich auch, dass ein spezielles Spiel viele Leute erreicht. Das beißt sich und man weiß nicht so recht, was man will.

Iron Harvest brachte frischen Wind in den Strategie-Sektor, verlor kurz nach Release aber immer mehr an Aufmerksamkeit.
Iron Harvest brachte frischen Wind in den Strategie-Sektor, verlor kurz nach Release aber immer mehr an Aufmerksamkeit.

Age of Empires vs. Anno vs. Stronghold: Wer gewinnt?

Auch wenn sich das alles sehr dystopisch anhört, ist Udwin nicht beunruhigt.

Wenn kein neuer Trendwechsel stattfindet, werden Strategie-Spiele auch nicht mehr in den Mainstream kommen. Aber das ist nicht schlimm, da das Strategie-Genre seine eigene Nische gefunden hat. Ich hoffe natürlich immer noch, dass sich die Entwickler mehr trauen. Vor allem wünsche ich mir, dass mal ein Triple-A-Entwickler einen großen neuen Schritt wagt und damit ein leuchtendes Beispiel für alle anderen schafft.

Ja, wir sollten die alte Zeit in Ehren halten, aber auch nach vorne sehen, weil man sich sonst im Kreis dreht. Die größeren Entwickler sollten vor allem auf die Stammspieler hören und verstehen, was die Spiele ausmacht. Um damit ein Spiel zu entwickeln, das der Reihe würdig ist. Eben wie Age of Empires 4, das zwar nicht alle mögen, aber den richtigen Weg gegangen ist.

Udwins Geheimtipps
Northgard: „Ein Wikinger-Spiel, das Die Siedler mit Elementen aus Die Siedler von Catan mixt
Frostpunk: „Ein Survival-Spiel, das ein ähnliches Grundsystem wie Banished nutzt. Permanenter Stress, schwierige Entscheidungen, unglaubliche Atmosphäre, ein Gem der letzten Jahre, das Dark Souls der Strategie-Spiele
Iron Harvest: „Ein kampfbasiertes Echtzeitstrategie-Spiel im Stil von Company of Heroes mit Mechs und Dieselpunk-Setting

Im Kampf der Spiele scheinen die Strategie-Spiele längst verloren zu haben, aber wenn Udwin eine Reihe ausmachen müsste, die sich am besten geschlagen hat, welche wäre es?

Stronghold hat sich leider selbst abgehängt. Civilization und Anno finden ihre Stärken darin, dass sie ihre Komplexität immer weiter ausbauen. Alles in allem wurde aber die Age-Serie am besten gemanagt, denke ich. Teil 4 rückt sich gut ein und will nicht wie Teil 2 sein. Age of Empires geht den Primus-Weg, aber es hat auch nicht jeder die gleichen Ressourcen wie Microsoft. Sie entwickeln sich weiter und holen mit Age 4 auch neue Spieler dazu, veröffentlichen aber gleichzeitig aber auch Definitive Editions für die alten Fans. Age of Empires besitzt irgendwie jeder und spielt auch jeder, das ist ein lustiges Phänomen, es ist gewissermaßen das FIFA der Strategie-Spiele.

Allerdings wartet Udwin gespannt auf die Züge der anderen Entwickler. Wird ein Indie-Entwickler mit einer großen Überraschung um die Ecke kommen? Oder wird Entwickler Firefly Studios endlich seine Trumpfkarte ausspielen?

Wenn Stronghold eine Definitive Edition bekommen würde, wird die den Entwicklern aus der Hand gerissen. Die Fans wünschen sich das, die Entwickler wissen das, aber keiner weiß, warum die das nicht machen. Es könnte darin liegen, dass das mit der 2D-Engine technisch heute gar nicht mehr so leicht umzusetzen ist. Aber wenn die Definitive Edition jemals kommen sollte, könnte das sehr interessant werden.“

Welches ist die beste Strategie-Spiel-Reihe? Eine Frage, auf die es verschiedene Antworten, aber vermutlich keine einzig richtige gibt. In einer Hinsicht hat Age of Empires die Nase vorn, aber morgen könnte es schon anders aussehen. Wir bedanken uns bei Udwin für das charmante Gespräch und wünschen ihm volle Kornspeicher und gute Sicht im Nebel des Krieges.

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