The Last of Us

The Last of Us-Remake: 3 Gründe, warum es unnötig ist oder es jeder haben muss

von Michael Sonntag (Sonntag, 26.06.2022 - 14:00 Uhr)

Must-Have oder Profitgier? – Das Remake von The Last of Us spaltet die Community.
Must-Have oder Profitgier? – Das Remake von The Last of Us spaltet die Community.

Als Entwickler Naughty Dog auf dem Summer Game Fest über seine aktuellen Projekte sprach, bestätigte er auch dasjenige, worauf viele Gerüchte bereits hingedeutet haben: The Last of Us soll ein Remake für PS5 bekommen. Wir haben mit der Community und Redaktion darüber gesprochen, wie die Gamingwelt diese Ankündigung bewerten soll. Denn wirklich einfach ist es nicht.

The Last of Us: Part 1 – Geht es Naughty Dog wirklich um Verbesserung oder nur um Geld?

Mittlerweile kein Trend mehr, sondern ganz normaler Alltag: Anstatt neue Spiele zu entwickeln, setzen viele Entwickler vermehrt darauf, erfolgreiche Klassiker mit Remaster oder Remakes in die Gegenwart zurückzuholen. Die Community reagiert seit jeher zwiegespalten auf diese digitalen Wiederbelebungen. Zum einen heißen die Fans es willkommen, wenn alte Spiele, die vielleicht heute schwer zugänglich geworden sind, aufgehübschte und zeitgemäße Versionen bekommen, die auch neue Fans dazuholen können. Zum anderen seufzen sie zu Recht, da Entwickler mit solch wirtschaftlich sicheren Nummern etwas den Mut zum Fortschritt vermissen lassen und scheinbar auch die Gefahr in Kauf nehmen, sich im Kreis zu drehen und somit das Spielervertrauen aufs Spiel zu setzen. Welches der beiden Gefühle eintritt, hängt stark vom Spiel ab.

The Last of Us: Part 1, das am 2. September exklusiv für PS5 und später auch für PC erscheinen soll, stellt diesen Zwiespalt vor eine völlig neue Situation. Nachdem das Original im Juni 2013 erschien, folgte das Remaster im Juli 2014 – und nun ist es acht Jahre später bereits Zeit für ein Remake? Viel Material zum Beurteilen gibt es aktuell noch nicht. Neben dem gezeigten Trailer, der sich vor allem auf Story-Sequenzen konzentriert, erklärt Naughty Dog im PlayStation Store, was die Spieler für den stolzen Preis von 79,99 Euro vom Remake erwarten dürfen (Quelle: PlayStation Store).

Wir konzentrieren uns hierbei auf das Wesentlichste:

  • „Überarbeitet für PS5: Komplett von Grund auf erneuert mit Naughty Dogs neuester Technologie für die PS5-Engine, die modernste visuelle Wiedergabetreue, voll integrierte DualSense Wireless-Controller-Funktionen und vieles mehr ermöglicht.“

  • Ein originalgetreues Remake“ – Enthält das Hauptspiel und den DLC Left Behind

  • „Brandneues Erlebnis: Eine vollständige Überarbeitung des ursprünglichen Erlebnisses, das originalgetreu nachgebildet wurde, aber modernisierte Gameplay-Mechaniken, eine verbesserte Steuerung und erweiterte Barrierefreiheitsoptionen bietet.“ – Effekte, Gesichtsanimationen, Erkundung, Kämpfe und Umgebungs-Storytelling sollen verbessert werden.

  • Hier könnt ihr euch noch mal den Ankündiungstrailer zu The Last of Us: Part 1 ansehen:

The Last of Us Part 1| Deutscher Trailer zum Remake

Irgendwo zwischen "vollständiger Überarbeitung" und "originalgetreuer Nachbildung": The Last of Us soll mit dem Remake vor allem grafisch und gameplaytechnisch auf den Stand von The Last of Us 2 gebracht werden. Aber brauchen wir dieses Remake wirklich? Rechtfertigen die Verbesserungen den Kaufpreis? Mit diesen und weiteren Fragen haben wir uns in eine spannende Diskussion mit der spieletipps-Community und der Gaminggemeinschaft begegeben.

1. Braucht The Last of Us ein Remake, wenn es bereits ein Remaster hat?

  • Facebook-User Steven Fehlau: „Remakes von "neueren" Spielen finde ich unnötig. Die Remakes von Spyro und Crash haben Sinn ergeben, weil das damals geile Spiele waren und sie einfach dem technischen Standard angepasst wurden. Nintendo hätte den Zug mit Mario 64 etc. ebenso gut fahren können, aber sie haben es vermasselt (...) Die sollen mal Klassiker remaken und dem heutigen Standard anpassen! Und nicht ein zehn Jahre altes Spiel, das damals schon top aussah, aus meiner Sicht, nochmal remaken. Ich steh ja total auf Remakes. Aber halt nur, wenn die Sinn machen und nochmal Nostalgie in die Jetztzeit bringen. Ansonsten: unnötige Geldmacherei:

  • Facebook-User Björn Stöhr: „Ich glaube nicht, dass der Mehrwert da sein wird, die Geschichte ändert sich ja nicht, weil die Grafik zum Original besser ist.

Nach wie vielen Jahren ist ein Remake sinnvoll? Hätte nicht erst The Last of Us 2 ein Remaster bekommen müssen? Ist das neue Remake wirklich besser als sein Remaster? Der direkte Vergleich spaltet nicht nur die spieletipps-Community, sondern auch viele Fans in anderen "Social Media"-Foren (Quelle: Reddit, Twitter). Twitter-Userin @ayeharmony schreibt: „Die Grafik sieht unglaublich aus, das wird so großartig“, Twitter-User @AngelusHector entgegnet: „Ihr seid alle verrückt, das sieht nicht viel besser als das Remaster aus.Der grafische Unterschied pendelt bei den Fans zwischen gigantisch und minimal. Einige Fans finden einen Kompromiss und argumentieren, dass beide Spiele gut aussehen, jedes auf seine ganz eigene Weise.

Remake gegen Remaster – ein interessantes Duell. Während das Remake aber einen Vollpreis verlangt, kostet das Remaster aktuell 19,99 Euro und ist darüber hinaus für "PS Plus"-Mitglieder auf der PS5 kostenlos über die 19-teilige "PS Plus-Collection" verfügbar. Mit diesem attraktiven Angebot steht Naughty Dog vor der Herausforderung, mit dem Remake ein noch besseres Angebot machen zu müssen. Denn was bietet das Remake, was das Remaster nicht bietet? Die subjektiv verbesserte Grafik alleine rechtfertigt den Titel "Remake" noch nicht (jetzt mal im direkten Vergleich mit den wirklichen Remakes zu Resident Evil 2 und Final Fantasy 7). So wirkt es erstmal so, als ob Spieler mit The Last of Us: Part 1 ein Re-Remaster bekommen.

2. Verbessern oder verfälschen die Änderungen das Original?

  • Facebook-User Daniel Sei: „Ich fand das Gameplay nicht überragend, aber wie die Story erzählt wurde, fand ich echt stark. Die Szene mit den Giraffen bleibt bis heute im Kopf. Für meinen Teil muss ich sagen, dass der Hype damals (PS3) gerecht war, aber mittlerweile sollte ein bisschen Ruhe um das Spiel einkehren.

  • Facebook-User Johannes Riebler: „Also als Grafikfan finde ich es eine gute Idee. Wenn sie das Gameplay vom zweiten Teil übernehmen, ist es auch nicht ganz so repetitiv. Dadurch, dass es auch für PC auch kommen soll, bin ich sowieso dafür. Das Spiel ist auch heute noch seine 60 Euro wert.

Einen wichtigen Punkt kann das Remake wirklich gut machen: Das Gameplay von The Last of Us, egal ob Original oder Remaster, war damals schon teilweise sperrig und monoton. Das ständige Leitertragen, die hakeligen Kämpfe, die eingeschränkte Bewegungsfreiheit: Ein Remake könnte diese Passagen deutlich verbessern, einen wirklichen Mehrwert liefern und vielleicht auch ein Spiel bieten, das die eigentliche Vision von The Last of Us umsetzt, die technisch damals noch nicht umgesetzt werden konnte.

Das wirft die Frage auf, wie viel Naugthy Dog wirklich am Gameplay ändern wird und wie viel Einfluss dies wiederum aufs Spielgefühl haben wird. Gleichtzeitig, wie viel darf der Entwickler überhaupt ändern, ohne dabei das Original zu verfälschen? Ein Beispiel: Die angepassten Charaktermodelle sollen nun deutlicher den Original-Schauspielern entsprechen, was den Fans allerdings missfällt: Laut ihnen verändern sie das Original zu sehr. Wie viel Fanliebe wird das Remake noch anzapfen können, wenn es sich gleichzeitig zu sehr vom Ursprung dieser entfernt? Nostalgie vs. Gameplay-Komfort, im besten Fall ist das Remake eine Verbesserung, im schlimmsten Fall könnte es als Klon auftreten, der Spieler komplett irritiert, weil er zwischen den Zeiten gefangen ist.

3. Heißt es am Ende, Neulinge gegen langjährige Fans?

  • Facebook-User Tobias Ströll: „Unnötigstes Remake aller Zeiten. Einfach nur Profitgier. Für 40€ wäre es ok, aber 80€ ist es absolut nicht wert.

  • Facebook-User Charles Emmson: „Das Schöne ist ja, das niemand gezwungen ist, es zu kaufen. Teil 1 war geil und das mit der Optik und dem Gameplay aus Teil 2 plus DLC? Bin ich dabei. Und ob die Leute immer wieder Skyrim oder GTA 5 kaufen mit nicht erkennbaren Änderungen, ist doch auch ihre Sache. Leben und Leben lassen, ganz einfach.

Für wen ist das Remake gedacht? Naughty Dog hat hierbei vermutlich eine größere Zielgruppe als die treuen PS-Spieler im Sinn. Das Remake könnte vor allem ein attraktives Angebot für all diejenigen sein, die durch die kommende Serie zum Franchise dazustoßen, die höchstwahrscheinlich nächstes Jahr erscheinen soll. Mit dem gleichzeitig anstehenden PC-Release ist auch hier mit einem großen Zulauf zu rechnen, sofern besagte Spieler das Spiel nicht zuvor schon anderweitig nachgeholt haben. Und die PS-Spieler? Die Community ist gespalten, die einen freuen sich auf das Remake, die anderen werfen Naughty Dog vor, ihre alten Werke auszuschlachten, anstatt sich auf neue Projekte zu konzentrieren.

Zeichnet sich hier bereits eine Negativentwicklung seitens Naughty Dog ab, des einstigen Spielerlieblings? Denn was wird Vorrang haben? Das angekündigte Multiplayer-Projekt, The Last of Us 3 oder werden Spieler davor erst mit dem Remaster und danach dem Remake von The Last of Us 2 rechnen müssen? Aus wirtschaftlicher Sicht ein absoluter Geniestreich, doch so gut Naughty Dog auch Geschichten erzählen und nervenzerfetzende Kämpfe bieten kann, auch dieser Hype wird sich nicht ewig remastern oder remaken lassen. Selbst wenn Spiele erneuert werden können, mit Spielergefühlen funktioniert das nicht so leicht. Sie dürsten manchmal auch nach wirklich Neuem-Neuem.

Kann der "The Last of Us"-Hype tatsächlich konserviert / wiedergeboren werden und damit vielleicht sogar eine neue Stufe erreichen? Naughty Dog will es am 2. September mit euch herausfinden. Einen interessanten Gedanken liefert Reddit-User Scafista_T-J hierzu noch, bei dem wir immer noch nicht wissen, ob wir uns darauf einlassen oder nur davor gruseln können: „Dieses Remake ist perfekt, da du dich auf ein neues TLOU-Spiel freuen kannst, ohne befürchten zu müssen, dass ein Sequel es ruiniert.“ (Quelle: Reddit).

  • Abschließender Kommentar von unserem Schülerpraktikanten Jannes Grunwald:

Ich kann die "alten" Fans vollkommen verstehen, die sich über das Remake aufregen. Vollkommen klar, dass diese nicht dazu bereit sind, die vollen 80 Euro für ein Spiel zu zahlen, das sie schon etliche Male gespielt haben. Andererseits finde ich aber auch, dass das Spiel nach acht Jahren schon ein Remake verdient hat. Es hat sich in den Jahren technisch viel getan und das wird dem Spiel auch zugute kommen. Vor allem neue Fans und die PC-Spieler werden sich darauf stürzen. Ich kann Naughty Dogs Entscheidung komplett verstehen, solange jetzt nicht andere Entwickler damit anfangen, Remakes nach bereits vier oder sechs Jahren rauszubringen.

Ich freue mich auf das Remake, zumal ich mit dem Remaster, was die Steuerung anging, wirklich meine Probleme hatte. Ich habe mir jetzt fest vorgenommen, erst das Remake zu spielen und dann The Last of Us 2 nachzuholen. Damit komme ich in den Genuss, beide Spiele mit fließendem Übergang zu erleben, so wie es vermutlich auch gedacht ist. Ich bin sehr gespannt, wie die Spieler das Spiel zum Release aufnehmen und vielleicht werden die Kritiker sogar überrascht.

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