Videospielkultur

Fail: GameStops NFT-Shop stellt sich als Niete heraus

von Sanel Rihic (Freitag, 22.07.2022 - 14:15 Uhr)

Wie zu erwarten: GameStop blamiert sich. (Bild: GameStop / Getty Images – Khosrork)
Wie zu erwarten: GameStop blamiert sich. (Bild: GameStop / Getty Images – Khosrork)

Den meisten Spielern geht der NFT-Wahnsinn gewaltig auf die Nerven. Trotzdem möchte GameStop auf den Trendzug aufspringen. Und welch Überraschung: Das Projekt scheint sich wohl nicht zu rentieren.

Update:

Kryptoseiten im Netz bejubeln GameStops NFT-Offensive und sprechen von einem Erfolg für die Einzelhandelskette. Allerdings irren sie sich da ganz gewaltig.

Einer Analyse des Magazins Ars Technica zufolge stimmt es, dass der NFT-Marktplatz in der ersten Woche für ein Handelsvolumen von mehreren Millionen verantwortlich war. Allerdings erhält GameStop selbst nur einen winzigen Bruchteil davon, genauer 2,25 Prozent. Am ersten Tag verdiente GameStop 45.000 US-Dollar mit seinem NFT-Shop, mittlerweile sind es etwa nur noch 25.000 US-Dollar pro Tag.

Das hört sich jetzt für den einen oder anderen nach einer Menge Geld an – und das ist es auch –, allerdings nicht für ein Riesen-Unternehmen wie GameStop. Ars Technica schreibt:

„Wenn der Handel auf dem NFT-Marktplatz von GameStop weiterhin im gleichen wöchentlichen Rhythmus abläuft, wird er im ersten Jahr ein Handelsvolumen von insgesamt 273.000 ETH [Ethereum] erreichen. Das ist heute etwa 406 Millionen US-Dollar wert, nur 6,75 Prozent des Nettoumsatzes von GameStop in Höhe von 6,011 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2021.“ (Ars Technica)

Das ist nicht viel – und es wird noch weniger, denn GameStops Anteil ist ja nur ein winziger Teil (2,25 Prozent) dieser Summe. Zu Ende gerechnet verdient GameStop gerade einmal 6,147 Ethereum, also umgerechnet 9,15 Millionen US-Dollar, was gerade einmal 0,15 Prozent von GameStops Nettoumsatz im Fiskaljahr 2021 sind.

Ars Technica merkt auch an, dass, selbst wenn die Kryptowährung Ethereum wieder auf ihr Allzeithoch von 4,800 US-Dollar aufstiege, sich der NFT-Shop trotzdem nicht rentieren würde. GameStop hätte nämlich auch dann nur 0,49 Prozent des Nettoumsatzes im Geschäftsjahr 2021 verdient.

Als wäre das nicht schon peinlich genug: Ein Großteil der NFT-Kollektionen konnte zum Zeitpunkt der Analyse keinen einzigen Handel auf dem Marktplatz verbuchen.

Originalmeldung vom 13. Juli 2022:

GameStop erzürnt Gamer erneut – dieses Mal mit NFTs

Bitcoin, Ethereum und wie sie nicht alles heißen: Der Kryptomarkt ist derzeit im Sinkflug. Die beste Zeit, um einen NFT-Shop zu eröffnen, dachte sich wohl GameStop. Und dass, obwohl NFTs in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder in der Kritik standen. Insbesondere in der Gaming-Community werden Begriffe wie Blockchain, Web3 und NFT verspottet – nicht zuletzt mit der Ankündigung einer NFT-Konsole.

Aber ruhig Blut bewahren. Schauen wir uns zunächst genau an, was GameStop wieder verbrochen hat. Auf Twitter schreibt der Haupt-Account des Unternehmens:

„GameStop NFT bietet Spielern, Entwicklern, Sammlern und Community-Mitgliedern die Möglichkeit, NFTs ('Non-Fungible Tokens') zu kaufen, zu verkaufen, zu tauschen und zu erstellen!“

Es sind derzeit mehr als 53.000 NFTs in über 200 Kollektionen verfügbar. Der Marktplatz befindet sich noch in der öffentlichen Beta-Phase und man verspricht, „weitere Creators, andere Kategorien wie Web3-Gaming und mehrere Ethereum-Umgebungen aufzunehmen“. Damit springt GameStop auf einen Trendzug auf, der allerdings schon zu entgleisen droht. Spiele-Entwickler lehnen wie Spieler NFTs größtenteils ab und das Interesse ist allgemein in den vergangenen Monaten rapide gesunken.

NFTs sind schlicht wertloser Mist und das macht Kollege Gregor in folgendem Kommentar deutlich:

GameStop reitet ein totes Pferd

In einem weiteren Tweet macht GameStop noch einmal deutlich, dass sein Marktplatz „sichere Transaktionen“ und den „wirklichen Besitz der digitalen Gegenstände“ ermöglicht. Zwei Dinge, die gerne versprochen werden, doch ist im NFT-Kosmos Kriminalität keine Seltenheit. So ist Opensea, einer der größten Web3-Marktplätze für NFTs, bereits Opfer von Hackerangriffen geworden, beim Unterbinden von Diebstahl und Betrug gescheitert – und daher auf viel Kritik gestoßen. (Quelle: The New York Times / The Verge)

Unter den Tweets versammeln sich haufenweise Leute, die GameStop klar ihre Meinung sagen. Die meisten lehnen den NFT-Shop mit einem simplen „Nein“ ab, andere wiederum machen sich über GameStop lustig:

Ein weiterer Kandidat für unsere Bilderstrecke?

Die fragwürdigsten Aktionen bei GameStop

Die fragwürdigsten Aktionen bei GameStop
Bilderstrecke starten (9 Bilder)

Und wenn euch die Meldung nicht ausreichend angeekelt hat, dann könnt ihr auf der offiziellen Seite selbst nachschauen. Allerdings braucht ihr hierfür einen US-VPN, denn hierzulande ist die Seite (noch) blockiert. (Quelle: GameStop)

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